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24.05.2011

20:55 Uhr

Dominique Strauss-Kahn

Wie die US-Medien mit DSK umspringen

Spermaspuren, Bestechung, ein aufgeblasenes Ego: die Aussagen der amerikanischen Medien zum Fall Strauss-Kahn sind teils unangenehm detailliert. Doch noch weiß niemand, was davon wirklich stimmt.

Die Schlagzeilen um Dominique Strauss-Kahn reißen nicht ab. Täglich enthüllen die Medien neue Details - oft ohne Bestätigung der Staatsanwaltschaft. Quelle: dapd

Die Schlagzeilen um Dominique Strauss-Kahn reißen nicht ab. Täglich enthüllen die Medien neue Details - oft ohne Bestätigung der Staatsanwaltschaft.

New York Amerika erfuhr am Dienstag aus den Medien eine Fülle neuer Einzelheiten zum Fall des ehemaligen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn. Der TV-Sender NBC, das angesehene „Wall Street Journal“ und etliche andere Medien berichteten, dass Spermaspuren auf der Uniform des Zimmermädchens mit der DNA des 62-jährigen Franzosen übereinstimmen.

Glaubt man der „New York Post“, so versuchen Freunde von „DSK“ zurzeit, den Angeklagten mit Geld reinzuwaschen. Sie hätten der bettelarmen Familie der Frau im westafrikanischen Guinea eine siebenstellige Summe für ihr Schweigen geboten. Die „Post“ erfuhr angeblich auch, dass Strauss-Kahn das Zimmermädchen während der Sexattacke mehrfach fragte: „Weißt Du denn nicht, wer ich bin?“.

CNN und die „New York Daily News“ steuern Aussagen vom Personal des Sofitel Hotels am New Yorker Times Square bei. Dort war der auch daheim als Schürzenjäger bekannte Strauss-Kahn vor gut einer Woche in der Penthouse-Suite abgestiegen. Zunächst habe er mit einer Empfangsdame heftig geflirtet und eine andere Hausangestellte zum Drink auf sein Zimmer eingeladen, bevor er splitternackt über das Zimmermädchen herfiel und sie nach ihren Angaben zum Oralsex zwang.

Unzählige Reporterteams campieren vor dem Gebäude, in dem Strauss-Kahn derzeit untergebracht ist. Quelle: dapd

Unzählige Reporterteams campieren vor dem Gebäude, in dem Strauss-Kahn derzeit untergebracht ist.

Allen Anschuldigungen zum Trotz gibt sich die Verteidigung des einst mächtigsten Bankers der Welt optimistisch. Strauss-Kahn werde sich nicht schuldig bekennen und am Ende des Verfahrens freigelassen werden, prophezeite sein New Yorker Anwalt Benjamin Branfman. Nach Meinung der Medien wird Branfman darauf pochen, dass der Oralsex im Einvernehmen mit dem Zimmermädchen stattfand.

Strauss-Kahns Pech soll gewesen sein, dass es sich bei der Frau um eine strenggläubige Muslimin handelt. Die Frau könne nur ihren Namen schreiben und habe von dem damaligen IWF-Chef wohl wirklich noch nie gelesen oder gehört. Ihre Nachbarn und die Medien sind voll des Lobes für sie: Die 32-jährige Witwe arbeite hart, um sich und ihre 15-jährige Tochter allein durchzubringen. Damit steht das erwartete Argument seiner Verteidiger vom einvernehmlichen Verkehr vermutlich auf wackeligen Füssen.

Strauss-Kahn ist wegen versuchter Vergewaltigung in insgesamt sieben Punkten angeklagt und könnte eine Freiheitsstrafe von 25 und mehr Jahren bekommen. Der Tatverdächtige saß knapp eine Woche in New York hinter Gittern, bevor er mit Hilfe seiner Frau, Anne Sinclair, eine Kaution in Höhe von zusammen sechs Millionen Dollar (rund 4,2 Millionen Euro) aufbrachte. Dafür wartet er jetzt unter Hausarrest in einem Appartement in Manhattan auf den Prozess. Wegen der Fluchtgefahr muss er eine elektronische Fessel am Fußgelenk tragen und wird rund um die Uhr von bewaffneten Sicherheitsbeamten bewacht.

Dass es bei der „versuchten Vergewaltigung“ zum Samenerguss kam und dass das Sperma tatsächlich von Strauss-Kahn stammt, ist eine der wenigen Sensationszeilen, die bisher von der Justiz bestätigt wurden. Bei der Anhörung zur Freilassung gegen Kaution ließ der New Yorker Staatsanwalt John McConnell schon vor Tagen durchblicken, dass das forensische Beweismaterial mit der Aussage des Opfers übereinstimme.

Das heißt nach Auskunft aus Juristenkreisen, dass die Anklage gegen Strauss-Kahn selbst dann weiterlaufen könnte, wenn die Frau auf ein finanzielles Angebot eingehen und künftig schweigen würde. Vorausgesetzt, das Angebot gibt es wirklich und ist nicht nur eine Zeitungsente.

Von

dpa

Kommentare (2)

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joky_19

24.05.2011, 22:21 Uhr

was für ein mieser Charakter hat die internationale Finanzszene dominiert - und wohl viele Mächtige in der Welt. Und keiner hat etwas gemerkt, dass mit diesem Ekel von Mensch etwas nicht stimmt? Sonderbar. Glücklicherweise hat er sein Verbrechen in den USA begangen, in der EU wären alle vor dem Kerl eingeknickt. Ins Gefängnis mit diesem Menschen!

Rainer_J

24.05.2011, 22:40 Uhr

Zitat:"was für ein mieser Charakter hat die internationale Finanzszene dominiert"

Und diese "Leute" halten Deutschland in der Fehlkonstruktion "Eurozone" in Geiselhaft gefangen!

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