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15.09.2016

21:52 Uhr

Donald Trump beim Economic Club of New York

Eine Zukunft aus Kohle und Stahl

VonFrank Wiebe

Donald Trump stellt dem Economic Club of New York sein Wirtschaftskonzept vor und blickt dabei in die Vergangenheit. Er verspricht eine heile Welt, in der die USA sich selbst genügt und Wirtschaft vor allem Industrie heißt.

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump spricht vor den Mitgliedern des Economic Club of New York: Seine Rede wird begleitet von freundlichem, aber zurückhaltendem Applaus. Reuters

Donald Trump

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump spricht vor den Mitgliedern des Economic Club of New York: Seine Rede wird begleitet von freundlichem, aber zurückhaltendem Applaus.

New YorkDer Ballsaal im Waldorf Astoria, der mit seinen zwei Rängen und kleinen Logen an ein Opernhaus erinnert, ist gefüllt - mit ökonomisch gebildeten und gut betuchten Gästen. Der Economic Club of New York, der auf mehr als 100 Jahre Tradition zurückblickt, hat die beiden US-Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump eingeladen. Trump hat zugesagt. Bevor der auf die Bühne steigt, stellt ihn Mike Pence, den Trump zu seinem Stellvertreter machen will, als „den künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten“ vor und vergleicht ihn mit Ronald Reagan.

Zu Beginn seiner Rede freut sich der Kandidat der Republikaner über die neusten Umfrageergebnisse, nach denen er zur Demokratin Clinton aufgeschlossen hat. Doch dann geht er schnell über zu seinen wirtschaftlichen Plänen.

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Geschickt leitet er seine Vorstellung mit einer anschaulichen Schilderung der Stadt Flint in Michigan ein, die von Arbeitslosigkeit und Umweltschäden geprägt ist. Ford will dort eine Fabrik schließen und nach Mexiko verlagern. „Es ist eine Schande, dass unsere Politik so etwas zulässt“, sagt Trump. „Früher gab es in Mexiko keine Autofabrik und man konnte dort das Wasser nicht trinken, heute ist das der Zustand in Flint.“

Trump betont, dass er viele „großartige“ Amerikaner kenne, die keinen Job haben. Obwohl die US-Wirtschaft seit Jahren neue Stellen schafft, behauptet er, die „Regierung Obama-Clinton“ habe „Millionen Jobs verloren“. Ebenso wahrheitswidrig wirft er den Chinesen vor, „immer wieder drastisch ihre Währung abzuwerten“.

Sein Wirtschaftskonzept ist unrealistisch, aber auf den ersten Blick in sich stimmig. Er will Amerika abschotten gegen Importe, vor allem aus Mexiko und China. Deswegen sollen alle Handelsabkommen überarbeitet werden. Außerdem möchte Trump Auflagen für die Wirtschaft reduzieren; das gilt vor allem für den Energiebereich. Hinzu kommen niedrigere Steuern: Für Unternehmen soll der Satz von 35 auf 15 Prozent sinken.

So wird in seiner Phantasie ein Amerika neu entstehen, in dem es Millionen mehr Jobs als heute gibt, wo wieder Kohle abgebaut, Stahl geschmiedet und in neue Infrastruktur verbaut wird. „Amerikanische Autos auf amerikanischen Straßen, amerikanische Flugzeuge in der Luft, amerikanische Schiffe auf dem Meer“, ruft er der Menge zu, die während seiner Rede unter dem riesigen Kronleuchter mit klapperndem Geschirr zu Mittag isst.

Trumps wirtschaftspolitische Pläne

Wirtschaft/Finanzen

Trump will für mehr Wachstum in der US-Wirtschaft sorgen. „Bessere Jobs und höhere Löhne“, lautet eines seiner Kernziele. Der Immobilien-Unternehmer will die Staatsschuldenlast der USA von fast 19 Billionen Dollar abbauen. Er bezeichnet die Schuldenlast als unfair gegenüber der jungen Generation und verspricht: „Wir werden Euch nicht damit alleine lassen“. Defiziten im Staatshaushalt will er ein Ende bereiten.

Steuern

Trump hat umfangreiche Steuersenkungen sowohl für die Konzerne als auch für Familien und Normalverdiener angekündigt. Er spricht von der größten „Steuer-Revolution“ seit der Reform von Präsident Ronald Reagan in den 1980er Jahren. Wer weniger als 25.000 Dollar im Jahr verdient, soll dank eines Freibetrages künftig gar keine Einkommensteuer mehr zahlen. Den Höchstsatz in der Einkommensteuer will er von momentan 39,6 Prozent auf 33 Prozent kappen. Ursprünglich hatte er eine Absenkung auf 25 Prozent in Aussicht gestellt. Die steuerliche Belastung für Unternehmen will Trump auf 15 Prozent von bislang 35 Prozent vermindern. Das soll US-Firmen im internationalen Wettbewerb stärken. Firmen, die profitable Aktivitäten aus dem Ausland nach Amerika zurückholen, sollen darauf eine Steuerermäßigung erhalten. Die Erbschaftsteuer will der Republikaner ganz abschaffen. Eltern sollen in größerem Umfang Kinderbetreuungs-Ausgaben steuerlich absetzen können.

Jobs

Trump verspricht, der „größte Job-produzierende Präsident“ der USA zu werden, „den Gott jemals geschaffen hat“. Bereits als Unternehmer habe er Zehntausende neue Stellen geschaffen.

Handel

Um amerikanische Arbeitsplätze zu sichern, will Trump die Zölle auf im Ausland hergestellte Produkte anheben und die US-Wirtschaft insgesamt stärker gegen Konkurrenz aus dem Ausland schützen. China, aber auch Mexiko, Japan, Vietnam und Indien wirft Trump beispielsweise vor, die Amerikaner „auszubeuten“, indem sie ihre Währungen zum Schaden von US-Exporten abwerten und manipulieren.

Freihandelsabkommen

Das angestrebte transatlantische Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU (TTIP) lehnt Trump ab. Für ihn schadet ein freierer Zugang der Europäer zum US-Markt – vor allem zum staatlichen Beschaffungsmarkt – den amerikanischen Firmen. Das geltende Nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta will er neu verhandeln, die TPP-Handelsvereinbarung mit asiatischen Staaten aufkündigen. Trump setzt generell anstatt auf multilaterale Handelsabkommen, etwa im Rahmen der Welthandelsorganisation, auf bilaterale Vereinbarungen mit einzelnen Staaten und Wirtschaftsräumen.

China

Die Handelsbeziehungen zu China, der nach den USA zweitgrößten Wirtschaftsmacht weltweit, will Trump grundlegend überarbeiten. Er wirft der Volksrepublik vor, ihre Währung künstlich zu drücken, um im Handel Vorteile zu erlangen. Er will das Land daher in Verhandlungen zwingen, damit Schluss zu machen. Auch „illegale“ Exportsubventionen soll die Volksrepublik nicht mehr zahlen dürfen. Verstöße gegen internationale Standards in China sollen der Vergangenheit angehören. Mit all diesen Maßnahmen hofft er, Millionen von Arbeitsplätzen in der US-Industrie zurückzugewinnen.

Energie- und Klimapolitik

In der Energie- und Klimapolitik hat Trump eine Kehrtwende angekündigt. Er will die USA von den ehrgeizigen Klimaschutzvereinbarungen von Paris abkoppeln, die Umwelt- und Emissionsvorschriften lockern und eine Rückbesinnung auf fossile Energieträger einläuten: „Wir werden die Kohle retten.“ Die umstrittene Fracking-Energiegewinnung sieht Trump positiv.

Regulierung

Trump verspricht der Wirtschaft eine umfassende Vereinfachung bei den staatlichen Vorschriften. Er werde ein Moratorium für jede weitere Regulierung durch die Behörden verhängen, kündigte er an. Trump will Milliarden in die Hand nehmen, um Straßen, Brücken, Flughäfen und Häfen zu bauen und zu modernisieren. Finanzieren will er das unter anderem dadurch, dass die US-Verbündeten einen größeren Teil an den Kosten für Sicherheit und Verteidigung in der Welt übernehmen sollen.

Alles das zusammen – Protektionismus, Abbau von Auflagen, Senkung von Steuern – soll das Wirtschaftswachstum auf vier Prozent verdoppeln. Und damit kann er nach eigener Einschätzung trotz Steuersenkungen das staatliche Defizit abbauen und das Militär besser ausrüsten.

Trump, der Chef eines undurchsichtigen, von seinem Vater ererbten Immobilienkonzerns, stellt sich den Job im Weißen Haus so ähnlich vor wie den im Chefsessel seines Unternehmens. Wie eine Firma, die daniederliegt, will er die USA übernehmen und auf Effizienz trimmen. „Einen Cent vom Dollar rausholen“ kann man seiner Meinung nach überall bei den Kosten, und so möchte er die angebliche Verschwendung seines Vorgängers stoppen.

Interessant ist aber auch, wovon Trump nicht spricht. Der Finanzsektor kommt in seiner Rede nicht vor. Tech-Unternehmen ebenso wenig. Der gesamte Dienstleistungssektor, in dem zurzeit vor allem die neuen Jobs entstehen, scheint nicht zu existieren. Und die Tatsache, dass die Rückkehr von Industrie in die USA meist mit hoher Automatisierung verbunden ist, scheint ihm entgangen zu sein.

Kommentare (11)

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Herr Chris Woodley

16.09.2016, 08:33 Uhr

Den größten US Kohleförderer (Peabody Energy A140KZ) gibt es zum Schnäppchenpreis. Zwar insolvent ABER unter Trump könnte sich das schnell ändern.

Account gelöscht!

16.09.2016, 09:55 Uhr

Die USA ist mit Trump auf den Richtigen Weg!
Eine CO2 freie Gesellschaft bedeutet nämlich eine Gesellschaft des Mangel und Armut!
Wer das CO2 politisch mit Gesetzen verbieten will, der handelt gegen die Freiheit des Marktes und damit gegen die moderne Gesellschaft die ihr Überleben auf dieser Erde zum Leben gestalten will.
Jeder muss wissen, wer eine Politik des CO2 Verbotes befürwortet, der wird in einer sozialistischen Mangel und Armutsgesellschaft aufwachen. Danke!

Herr Holger Narrog

16.09.2016, 10:18 Uhr

Super Trump!

Es ist super wenn ein Politiker den Mut hat sich dem Terror der Ökoreligion mit solch destruktiven Weltuntergangssagas wie der Weltuntergangsprphezeihung eines "Klimawandels" entgegenzustellen.

Eine Reindustrialisierung der USA ist sicherlich ein sehr wichtiges Ziel für die USA. Die USA haben preiswerte Energie und zahlreiche Resourcen wie die grössten Kohlevorkommen der Welt und dazu den grössten Absatzmarkt der Welt. Industrielle Arbeitsplätze haben in der Regel eine höhere Wertschöpfung als solche in den Dienstleistungsbranchen. Insofern ist das Programm für die USA grossartig.

Die enorme Last an Vorschriften, staatlichen Regeln (z.B. Klimaschwindel) ist ein Hauptgrund für das stagnieren der Wirtschaft in den Altindustriestaaten (insbesondere Europa) und auch den Niedergang der produzierenden Branchen in den USA. Sofern man auch die anderen Gründe wie ein sehr teures, schwer berechenbares Justizsystem und die Ausbildungsdefizite der US Bevölkerung angeht, gibt dies ein enormes Potential.

Die USA sind aufgrund der Grösse des Absatzmarktes und der sehr vielfältigen und ergiebigen Rohstoffresourcen am ehesten geeignet eine autarke Wirtschaft aufzubauen. Allerdings bedarf es für viele Produkte mittlerweile die Stückzahlen des Weltmarktes um neue technische Entwicklungen zu rechtfertigen. Der globale Wettbewerb ist eine wesentliche Quelle des Fortschritts. Ich denke ich dass eine Autarkie auch die USA viel Wohlstand kosten würde und die USA vom technischen Fortschritt abhängen würde.

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