Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.02.2017

06:13 Uhr

Donald Trump

„Es geht nur um ihn“

Donald Trump scheint seine Politik auf Grundlage eigener Erfahrung oder der von Bekannten zu entwickeln. Dabei ignoriert er, dass sich die Welt eines Milliardärs stark vom Leben eines Normalbürgers unterscheidet.

US-Präsident Donald Trump scheint immer jemanden persönlich zu kennen, „der ein echter Experte ist“. AFP; Files; Francois Guillot

USA

US-Präsident Donald Trump scheint immer jemanden persönlich zu kennen, „der ein echter Experte ist“.

WashingtonEgal, um welches Thema es geht: US-Präsident Donald Trump scheint immer jemanden zu kennen, der damit schon Erfahrungen gemacht hat. Oder er kann selbst ein persönliches Erlebnis dazu beisteuern. Als er am Donnerstag Spitzenmanager von Fluggesellschaften traf, sagte Trump, sein eigener Pilot - „der ein echter Experte ist“ -, habe ihm von Problemen mit veraltetem Gerät berichtet.

Als er eine Woche zuvor mit Fachleuten aus der Wirtschaft zusammentraf, verwies Trump auf die Schwierigkeiten befreundeter Unternehmer, sich Geld von Banken zu leihen. Dabei ging es um seinen Plan, die Bankenregulierung zu lockern.

Und als er sich lobend über den britischen Wunsch nach einem Austritt aus der EU äußerte, erwähnte Trump im Januar, dass er im Umgang mit der EU-Bürokratie in seinen eigenen Unternehmen eine „sehr schlechte Erfahrung“ gemacht habe. „Die Genehmigungen von Europa zu bekommen, war sehr, sehr schwierig“, sagte er.

„Es geht nur um ihn“

Trump ist ein Präsident der Einzelbeispiele: Er entwickelt politische Vorhaben mithilfe seines eigenen, persönlichen Bezugsrahmens. „Es geht nur um ihn“, sagt Jeff Shesol, der für Expräsident Bill Clinton Reden schrieb. „Sein Rahmen für Europa, sein Rahmen für die Fluggesellschaften, sein Rahmen für das Bankensystem - ist er selbst.“

Das Trump-Kabinett – Militärs, Manager und Millionäre

Außenminister: Rex Tillerson (64)

Der gelernte Bauingenieur verbrachte sein gesamtes Berufsleben beim Öl-Multi ExxonMobil. 1975 trat er beim weltgrößten Energiekonzern ein und arbeitete sich bis zum Vorstandsvorsitzenden hoch. Auslandserfahrungen sammelte er bei Einsätzen im Jemen, Thailand und Russland. Auch als Konzernchef pflegte der Texaner seine engen Kontakte zu Russland, dessen Präsident Wladimir Putin ihm dafür den „Orden der Freundschaft“ verlieh. Tillerson setzt sich für eine Verbesserung der Beziehungen zu Russland ein und ist ein Gegner der von den USA bisher mitgetragenen Sanktionen des Westens wegen des Ukrainekonflikts.

Finanzminister: Steven Mnuchin (53)

Steven Mnuchin ist der erste Leiter des Ressorts mit umfangreicher Wall-Street-Erfahrung seit seinem früheren Goldman-Sachs-Boss Henry Paulson unter George W. Bush. Mnuchin gründete die Filmproduktionsfirma Dune Capital, die unter anderem „Avatar“ und „Gravity“ mitfinanziert hat. Mit Trump ist er privat seit über 15 Jahren verbunden.

Verteidigungsminister: James Mattis (66)

Der frühere General der Marines leitete das Central Command, das die US-Einsätze im Nahen Osten und Südasien steuert.

Justizminister: Jeff Sessions (69)

Der Senator aus Alabama gehörte zu den ersten Unterstützern Trumps. Der ehemalige Bundesstaatsanwalt vertritt bei der Einwanderung einen harten Kurs.

Heimatschutzminister: John Kelly (66)

Kelly ist der bislang dritte Ex-General in Trumps Kabinett. Wie Mattis diente er bei den Marines. Er hat sich wie Trump für ein schärferes Vorgehen gegen illegale Einwanderung und eine Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze zu Mexiko starkgemacht.

Innenminister: Ryan Zinke (55)

Der Kongressabgeordnete war Kommandeur der Marine-Elitetruppe Navy SEALs. Das Ministerium verwaltet rund ein Fünftel der öffentliche Flächen des Landes, darunter Nationalparks. Es ist in den USA nicht für die innere Sicherheit zuständig. Das übernehmen die Ministerien für Justiz und Heimatschutz. Zinke ist gegen die Privatisierung von öffentlichem Grundbesitz, hat aber auch für Gesetze gestimmt, die Umweltauflagen in solchen Gebieten aufweichen. Trump will auf Staatsgebiet verstärkt Ölbohrungen und Bergbau erlauben.

Handelsminister: Wilbur Ross (78)

Der Milliardär diente Trump als Wirtschaftsberater. Entschiedener Gegner des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta.

Verkehrsministerin: Elaine Chao (63)

Diente George W. Bush acht Jahre lang als Arbeitsministerin. Sie ist die Ehefrau des republikanischen Mehrheitsführers im Senat, Mitch McConnell.

Leiter der Umweltschutzbehörde EPA: Scott Pruitt (48)

Früher ranghöchster Staatsanwalt im Bundesstaat Oklahoma, Gegner der Klimaschutzpolitik von Präsident Barack Obama.

Chef des nationalen Wirtschaftsrates: Gary Cohn (56)

Der Investmentbanker ist Präsident und Chief Operating Officer (COO) der Großbank Goldman Sachs.

Energieministerium: Rick Perry (66)

Der ehemalige Gouverneur von Texas und kurzzeitige republikanische Präsidentschaftsbewerber soll das wichtige Ressort leiten. Pikant: Während seiner Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur 2012 hatte Perry die Auflösung des Ministeriums vorgeschlagen.

Dabei muss es nicht unbedingt schlecht sein, bei der Entwicklung oder Rechtfertigung von Vorhaben auf Erfahrungen aus dem wahren Leben zurückzugreifen. In der Vergangenheit haben viele US-Präsidenten den Wert von Einzelfallberichten für die Erläuterung ihrer Politik erkannt. Präsident Barack Obama nutzte seine eigene Lebensgeschichte als Metapher für die ungeahnten Möglichkeiten, die allen Amerikanern offenstünden.

Erklärungsmodell für Trumps Wahlsieg: Wenn Kompetenz Politikern schadet

Erklärungsmodell für Trumps Wahlsieg

Premium Wenn Kompetenz Politikern schadet

Trump ist US-Präsident geworden – obwohl er auf die meisten Wähler weniger kompetent wirkte als Clinton. Wie kann das sein? Harvard-Ökonomen stellen ein Modell vor, das die vermeintliche Unvernunft der Wähler erklärt.

Und er bezog sich häufig auf Anliegen, die Bürger in Briefen an das Weiße Haus erwähnten. Zehn solcher Briefe las Obama täglich. Clinton war bekannt dafür, von seinen Treffen mit normalen Amerikanern zu erzählen. Präsident Lyndon B. Johnson stützte sich in den 1960er Jahren auf seine frühen Erfahrungen im Unterricht von benachteiligten Bürgern mexikanischer Herkunft, wenn er betonte, wie wichtig Bildung und wirtschaftliche Chancen für alle Amerikaner seien.

Der „große Kommunikator“ Ronald Reagan erzählte die Geschichte einer Frau, die unberechtigterweise Sozialhilfe bezog, und bauschte sie zum Stereotyp von „Sozialhilfeköniginnen“ auf, die das System betrügen würden.

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Holger Narrog

13.02.2017, 08:17 Uhr

Das Erzählen von Einzelereignissen und Schiksalen ist ein kommunikatives Mittel.

Auch die Qualitätsmedien nutzen emotionale Einzelschicksale und Bilder um für die Politik der Regierung zu werben. So fand man zu den Artikeln zur Merkelschen Gasfreundschaft vielfach Fotos von Familien, wobei die Einwanderung ganzer Familien in der Realität eher selten war.

Herr Peter Kastner

13.02.2017, 08:19 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

13.02.2017, 08:21 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×