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15.02.2017

14:38 Uhr

Donald Trump und Russland

Das sind die Vorwürfe gegen Trumps Team

VonAndreas Neuhaus

Hatten Mitarbeiter von Donald Trump während des Wahlkampfes Kontakt zu russischen Spionen? Das berichtet zumindest die „New York Times“ unter Berufung auf Geheimdienstquellen. Was bislang zu den Vorwürfen bekannt ist.

Der Lobbyist war monatelang Chef von Trumps Wahlkampfteam und pflegt enge berufliche Kontakte nach Russland und in die Ukraine. AP

Paul Manafort

Der Lobbyist war monatelang Chef von Trumps Wahlkampfteam und pflegt enge berufliche Kontakte nach Russland und in die Ukraine.

DüsseldorfNicht nur Michael Flynn, auch weitere Mitglieder aus dem Trump-Team sollen mit mit offiziellen Stellen in Russland kommuniziert haben. Die schiere Menge der Kontakte soll die Ermittler bei Routine-Überwachungen russischer Spione alarmiert haben. Was bislang bekannt ist.

Darum geht’s

Wie die „New York Times“ berichtet, sollen mehrere Mitarbeiter von Donald Trump im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf intensiven Kontakt zum russischen Geheimdienst gehabt haben. Gesammelte Telefondaten und abgehörte Gespräche sollen die Vorwürfe belegen. Dabei beruft sich die Zeitung auf mehrere Quellen innerhalb der US-Geheimdienste.

Demnach ist der Zeitpunkt der Telefonate besonders brisant: Sie sollen „in etwa zu derselben Zeit“ stattgefunden haben, in der die Ermittlungsbehörden und Aufklärungsdienste zunehmend Hinweise darauf erhalten hätten, dass Russland versuche, durch Cyberangriffe auf die US-Demokraten die Präsidentschaftswahl in den USA zu stören.

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Allerdings sind weder Zweck noch Inhalt der Gespräche bekannt. Es gibt den Informanten zufolge auch keine Beweise, dass Trumps Mitarbeiter mit Russland zusammengearbeitet hätten. Die Kontakte mit dem russischen Geheimdienst könnten also auch durch Geschäftsbeziehungen von Trumps Wahlkampf-Managern zustande gekommen sein – möglicherweise auch unwissentlich.

Trotzdem erscheint es vor diesem Hintergrund pikant, dass Trump im Wahlkampf sagte: „Russland, wenn ihr zuhört, ich hoffe, ihr findet die 30.000 E-Mails, die verschwunden sind. Unsere Presse wird es euch danken.“ 

Die Personen

Namentlich genannt wird Paul Manafort. Der Lobbyist war monatelang Chef von Trumps Wahlkampfteam und pflegt enge berufliche Kontakte nach Russland und in die Ukraine. Mitten im Wahlkampf wurde Manafort jedoch plötzlich aus dem Trump-Team zurückgetreten. Medien hatten die geheime Lobbyarbeit seiner Firma für die frühere pro-russische Regierung in der Ukraine aufgedeckt.

Neben dem ehemaligen Wahlkampf-Manager sollen auch andere Personen aus dem Umfeld Trumps wiederholt mit russischen Agenten kommuniziert haben. Die Informanten der US-Medien lehnen es aber bislang ab, weitere Mitarbeiter namentlich zu nennen. Allerdings erwähnt die „New York Times“ Trumps ersten Wahlkampf-Manager und langjährigen Freund Roger Stone, den damaligen außenpolitischen Berater Carter Page sowie den soeben erst zurückgetretenen Sicherheitsberater und Ex-General Michael Flynn. Er hatte vor dem Amtsantritt der neuen Regierung mit dem russischen Botschafter in den USA über die von der Obama-Regierung verhängten Wirtschaftssanktionen gesprochen.

Das Trump-Kabinett – Militärs, Manager und Millionäre

Außenminister: Rex Tillerson (64)

Der gelernte Bauingenieur verbrachte sein gesamtes Berufsleben beim Öl-Multi ExxonMobil. 1975 trat er beim weltgrößten Energiekonzern ein und arbeitete sich bis zum Vorstandsvorsitzenden hoch. Auslandserfahrungen sammelte er bei Einsätzen im Jemen, Thailand und Russland. Auch als Konzernchef pflegte der Texaner seine engen Kontakte zu Russland, dessen Präsident Wladimir Putin ihm dafür den „Orden der Freundschaft“ verlieh. Tillerson setzt sich für eine Verbesserung der Beziehungen zu Russland ein und ist ein Gegner der von den USA bisher mitgetragenen Sanktionen des Westens wegen des Ukrainekonflikts.

Finanzminister: Steven Mnuchin (53)

Steven Mnuchin ist der erste Leiter des Ressorts mit umfangreicher Wall-Street-Erfahrung seit seinem früheren Goldman-Sachs-Boss Henry Paulson unter George W. Bush. Mnuchin gründete die Filmproduktionsfirma Dune Capital, die unter anderem „Avatar“ und „Gravity“ mitfinanziert hat. Mit Trump ist er privat seit über 15 Jahren verbunden.

Verteidigungsminister: James Mattis (66)

Der frühere General der Marines leitete das Central Command, das die US-Einsätze im Nahen Osten und Südasien steuert.

Justizminister: Jeff Sessions (69)

Der Senator aus Alabama gehörte zu den ersten Unterstützern Trumps. Der ehemalige Bundesstaatsanwalt vertritt bei der Einwanderung einen harten Kurs.

Heimatschutzminister: John Kelly (66)

Kelly ist der bislang dritte Ex-General in Trumps Kabinett. Wie Mattis diente er bei den Marines. Er hat sich wie Trump für ein schärferes Vorgehen gegen illegale Einwanderung und eine Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze zu Mexiko starkgemacht.

Innenminister: Ryan Zinke (55)

Der Kongressabgeordnete war Kommandeur der Marine-Elitetruppe Navy SEALs. Das Ministerium verwaltet rund ein Fünftel der öffentliche Flächen des Landes, darunter Nationalparks. Es ist in den USA nicht für die innere Sicherheit zuständig. Das übernehmen die Ministerien für Justiz und Heimatschutz. Zinke ist gegen die Privatisierung von öffentlichem Grundbesitz, hat aber auch für Gesetze gestimmt, die Umweltauflagen in solchen Gebieten aufweichen. Trump will auf Staatsgebiet verstärkt Ölbohrungen und Bergbau erlauben.

Handelsminister: Wilbur Ross (78)

Der Milliardär diente Trump als Wirtschaftsberater. Entschiedener Gegner des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta.

Verkehrsministerin: Elaine Chao (63)

Diente George W. Bush acht Jahre lang als Arbeitsministerin. Sie ist die Ehefrau des republikanischen Mehrheitsführers im Senat, Mitch McConnell.

Leiter der Umweltschutzbehörde EPA: Scott Pruitt (48)

Früher ranghöchster Staatsanwalt im Bundesstaat Oklahoma, Gegner der Klimaschutzpolitik von Präsident Barack Obama.

Chef des nationalen Wirtschaftsrates: Gary Cohn (56)

Der Investmentbanker ist Präsident und Chief Operating Officer (COO) der Großbank Goldman Sachs.

Energieministerium: Rick Perry (66)

Der ehemalige Gouverneur von Texas und kurzzeitige republikanische Präsidentschaftsbewerber soll das wichtige Ressort leiten. Pikant: Während seiner Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur 2012 hatte Perry die Auflösung des Ministeriums vorgeschlagen.

Die Reaktionen der Betroffenen

Paul Manafort weist die Vorwürfe zurück: „Ich habe niemals wissentlich mit dem russischen Geheimdienst gesprochen, und ich war niemals in irgendwas involviert, das mit der russischen Regierung, dem Umfeld von Putin oder irgendwelchen anderen Fragen, die jetzt untersucht werden, zu tun hatte.“

Schon am Dienstag hatten Demokratische Kongressmitglieder eine breiter angelegte Untersuchung von Trumps Verbindungen nach Russland gefordert. Unter den Republikanern hatte bereits die Flynn-Affäre für Unruhe gesorgt – durch die neuen Vorwürfe wird diese verstärkt. Der einflussreiche republikanische Senator John McCain, ein lautstarker Kritiker seines Parteifreundes Trump, sagte der „New York Times“ zufolge, das Weiße Haus sei „dysfunktional soweit es die nationale Sicherheit betreffe“.

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Die US-Regierung gab zunächst keine Stellungnahme zu den Vorwürfen ab. Allerdings hatte Pressesprecher Sean Spicer schon zuvor erklärt, Trump stehe zu seiner Aussage, dass niemand aus seinem Wahlkampf-Team mit russischen Beamten gehabt habe. Auf eine Nachfrage antwortete Spicer am Dienstag: „Es gibt nichts, was mich zu dem Schluss führen würde, dass sich etwas in Bezug auf diesen Zeitraum geändert haben könnte“.

Das sagt Russland

Der Kreml dementierte die Berichte. Die Anschuldigungen aus der „New York Times“ beruhten lediglich auf anonymen Quellen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow: „Sie basieren nicht auf Fakten, sie deuten nicht auf tatsächliche Fakten hin.“

Allerdings hatte der stellvertretende russische Außenminister Sergei Ryabkov zwei Tage nach der Wahl im November gesagt, dass es Kontakte während der Kampagne zwischen den russischen Beamten und dem Trump-Team gegeben habe. „Offensichtlich kennen wir die meisten Leute aus seiner Entourage“, hatte Ryabkow gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Interfax gesagt. Ein Trump-Sprecher hatte die Aussage damals als unzutreffend zurückgewiesen.

Kommentare (4)

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15.02.2017, 14:49 Uhr

Die "New York Times" hat ein Schmierentheater daraus. Man weis weder etwas über den Inhalt der Telefongespräche etwas noch ob es überhaupt von Trumps Mitarbeitern irgendwelche Gespräche gab. Die "New York Times" weis also Alles und Nichts. Na dann, kann ich mich auch wieder schlafen legen. Ist jetzt also jeder US Amerikaner verdächtig und ein Staats- ähmm US-Medien Feind, der sich mit Russland telefonisch und wirtschaftlich austauscht? Der "Kalte Krieg" sollte eigentlich schon längst der Vergangenheit angehören...aber anscheinend brauchen die US- und Deutschen "Qualitätsmedien" den "Bösen Buben" Russland/Trump noch für ihr perfides Spiel mit dem Leser und der Gesellschaft.

Herr Christian Selbach

15.02.2017, 15:28 Uhr

aus Profit- und Profilierungsgier scheut Trump vor nichts zurück. Die Geheimdienste wissen jetzt schon mehr. Warten wir noch 2 Wochen, dann sehen wir klarer.

Herr Tomas Maidan

15.02.2017, 15:34 Uhr

Watergate ist nichts dagegen. Wann wird Trump endlich aus dem Amt geworfen? Lange ist dieses Theater doch nicht mehr zu ertragen. Trump dient nicht den USA!

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