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28.05.2017

08:19 Uhr

Donald Trumps Schwiegersohn

Jared Kushner, der Ikarus im Weißen Haus

VonMoritz Koch

Jared Kushner ist wegen dubioser Russlandkontakte im Visier des FBI. Das ist auch gefährlich für den Präsidenten. Dem politischen Emporkömmling, Schwiegersohn und Sonderberater von Trump könnte ein jäher Absturz drohen.

Der Trump-Berater soll mehr Kontakte nach Moskau gehabt haben, als bisher bekannt war. Reuters

Jared Kushner

Der Trump-Berater soll mehr Kontakte nach Moskau gehabt haben, als bisher bekannt war.

WashingtonJared Kushner hat seinem Vater viel zu verdanken, sein Luxusleben im allgemeinen und sein Luxusstudium in Harvard im speziellen. Charles Kushner, ein Baumagnat aus New Jersey, ebnete seinem eher mittelmäßig begabten Sohn mit großzügigen Spenden den Weg an die vielleicht beste Universität der Welt – ein Vorgang, den der US-Autor Daniel Golden in seinem Buch „The Price of Admission“ detailliert beschreibt.

Ein paar Jahre später aber brachte das Spendengebaren großes Unglück über die Familie Kushner. Charles geriet wegen illegaler Zuwendungen an Politiker ins Visier der Strafverfolger, 2005 wurde er zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Das Urteil traf auch Jared hart, er besuchte seinen Vater im Gefängnis so oft er konnte. Es war eine demütigende Erfahrung – und sie weckte in dem jungen Harvard-Absolventen den Eifer, seine Familie zu rehabilitieren. Zehn Jahre später hat Jared viel erreicht. Mit 35 Jahren verfügt er über eine Machtfülle, von der sein Vater mit seiner Spendenmasche nur träumen konnte.

Als Ehemann von Ivanka Trump, der Lieblingstochter des US-Präsidenten, zählt er zu den wichtigsten Beratern im Weißen Haus. Schweigsam in der Öffentlichkeit, gilt er intern als Stimme der Vernunft. Der Name Kushner wird nicht mehr mit illegalen Spenden assoziiert, er steht für Einfluss und Raffinesse.

Trumps erste Auslandreise in Zitaten

Saudi-Arabien, 21. Mai

„Vertreibt sie aus euren Gotteshäusern. Vertreibt sie aus euren Gemeinden. Vertreibt sie aus eurem heiligen Land.“

US-Präsident Donald Trump fordert in einer Grundsatzrede vor muslimischen Staats- und Regierungschefs ein entschiedeneres Vorgehen gegen Extremisten

Jerusalem, 23. Mai

„Mit Entschlossenheit, Kompromissen und dem Glauben daran, dass Frieden möglich ist, können Israelis und Palästinenser einen Deal machen.“

Rom, 24. Mai

„Er hat etwas. Er ist wirklich gut. Wir hatten ein fantastisches Treffen und eine fantastische Tour, es war wunderschön. (...) Es war eine Ehre, mit dem Papst zusammen zu sein.“

Trump über seinen Besuch im Vatikan und das Treffen mit Papst Franziskus.

Brüssel, 25. Mai

„Ich habe niemals gefragt, nicht einmal, was das neue Nato-Hauptquartier kostet. Ich weigere mich, das zu tun. Aber es ist wunderschön.“

Trump bei der Eröffnung des neuen Nato-Hauptquartiers, das 1,12 Milliarden Euro gekostet haben soll.

„23 der 28 Mitgliedsstaaten zahlen immer noch nicht das, was sie für ihre Verteidigung zahlen sollten.“

Trump greift in seiner Rede die Nato-Mitglieder massiv an und wirft ihnen vor, ihre finanziellen Bündnisverpflichtungen nicht ausreichend zu erfüllen.

Sigonella, 27. Mai

„Es war ein ungeheuer produktives Treffen, bei dem ich die amerikanischen Beziehungen gestärkt habe.“

Trump am 27. Mai vor Soldaten auf dem US-Militärstützpunkt Sigonella über den G7-Gipfel.

Im April führte das Time Magazine Jared Kushner in der Galerie der 100 einflussreichsten Menschen auf. Niemand geringerer als Henry Kissinger schrieb die Würdigung – und warnte den politischen Emporkömmling vor der „gefährlichen Aufgabe, nah an der Sonne zu fliegen“. Jared Kushner, ein moderner Ikarus?

Kissingers Warnung ist heute noch ernster zu nehmen als damals. US-Medien verbreiten die Nachricht, dass der Traumprinz der Trump-Familie im Mittelpunkt von FBI-Ermittlungen steht. Jared könnte ein jäher Absturz drohen, noch tiefer als der Fall seines Vaters Charles.

US-Präsident in Brüssel

„Mach mal Platz“ – hier schiebt Trump einen Regierungschef zur Seite

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Es geht um die Russlandverbindungen des Präsidenten und seines Wahlkampfteams. Während Kushner Trump auf seiner ersten Auslandsreise begleitete, wurden wichtige Details aus den Ermittlungen bekannt. Vor dem Amtsantritt der Trump-Regierung soll er dem russischen Botschafter in den USA, Sergej Kisljak, vorgeschlagen haben, einen geheimen Kontakt zum Kreml aufzubauen.

Kushner erkundigte sich bei einem Treffen im New Yorker Trump Tower, ob es möglich sei, russische Kommunikationskanäle zu nutzen – offenbar, weil er fürchtete, dass die angestrebte Verständigung mit Moskau von Mitgliedern der damals noch amtierenden Obama-Administration torpediert werden könnte. Kisljak informierte die Kreml-Führung über Kushners ungewöhnlichen Vorschlag. Die US-Geheimdienste fingen die Botschaft ab. Erst dadurch kamen sie den konspirativen Plänen auf die Schliche.

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