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06.02.2012

18:58 Uhr

Doppeltes TV-Interview

„Ich unterstütze Nicolas Sarkozy, egal, was er tut“

VonThomas Hanke

In einem gemeinsamen TV-Interview beziehen Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Stellung. Das Gespräch ist von Höflichkeiten durchzogen, denn es ist ein Geschenk Merkels an den Wahlkämpfer Sarkozy.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gast in Paris bei Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Reuters

Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gast in Paris bei Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy.

ParisSo ganz geheuer ist Angela Merkel wohl doch nicht, auf was sie sich da eingelassen hat. Sie hat die Wahlkampfhilfe für Nicolas Sarkozy gewollt, aber der wird ihr dann doch etwas zu aufdringlich. Bevor die Aufzeichnung des Doppel-Fernsehinterviews losgeht, säuselt der Präsident: „Are you tired?“ Distanziert gibt Merkel zurück: „Tired? Nö“. Und sagt dann maliziös grinsend: „Vielleicht sollten wir mal die Übersetzung ausprobieren!“

Denn während der gemeinsamen Pressekonferenz zwei Stunden früher versagte die Anlage - Merkel war zeitweilig im französischen Fernsehen nur im deutschen Originalton zu hören, ein gefundenes Fressen für alle Franzosen, die sich über Sarkozys neue, teils als exzessiv empfundene Deutschland-Bewunderung lustig machen. Sarkozy flötet weiter: „Good atmosphere“. Merkel antwortet ungerührt auf Deutsch: „Ja, gute Atmosphäre.“

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Aber vor laufender Kamera sind die beiden ein Herz und eine Seele, können garnicht heftig genug nicken, wenn der eng daneben sitzende Partner beteuert, man arbeite so gut wie nie zusammen. „Wir haben unsere Egos zur Seite gelegt“, behauptet Sarkozy, wobei man sich fragt, was dann da auftrumpfend vor der Kamera sitzt. Er stellt es so dar, als hätten Deutschland und Frankreich den Euro schon gerettet: „Europa stand vor dem Abgrund“, doch dann „haben wir Griechenland geregelt, Irland, Portugal, Italien, Spanien, wir haben den Euro geregelt.“

Sarkozy gibt den Europa-Staatsmann, der alles im Griff hat. Merkel macht es lieber eine Nummer kleiner: „Europa war und ist in seiner schwersten Krise“, Deutschland und Frankreich seien „in einer offenen, teils kontroversen Diskussion zu den Wurzeln der Krise vorgedrungen.“ Gemeinsam machen sie Druck auf die griechische Regierung: „Ohne Einigung auf die Forderungen der Troika gibt es kein Geld“, sagt Sarkozy, und Merkel fügt hinzu: „Ich weiß gar nicht, was weitere Tage des Zögerns bringen sollen, die Bedingungen sind klar.“

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Sarkozy lässt durchblicken, dass Griechenland doch unter eine Art europäische Finanzaufsicht gestellt werde: „Die europäischen Mittel werden auf ein Sperrkonto überwiesen.“ Merkel präzisiert, es gehe um Gelder, die für Zinszahlungen auf Anleihen bestimmt seien. Darunter muss man sich wohl vorstellen, dass der Teil europäischer Hilfsgelder, der für den Schuldendienst bestimmt ist, nicht mehr an Griechenland ausgezahlt wird. Damit wäre das Land teilweise finanziell entmündigt.

Gewisse Probleme haben beide damit, Merkels Unterstützungsaktion für Sarkozy zu begründen - nicht zuletzt deshalb, weil der offiziell ja noch nicht einmal Kandidat für die Wiederwahl ist. Merkel sagt, es sei völlig üblich, sich zu helfen, „falls Sarkozy denn kandidiert.“ Auf der Pressekonferenz kurz vorher war ihr sogar herausgerutscht: „Ich unterstütze Nicolas Sarkozy, egal, was er tut“. Das klangt dann doch so apodiktisch, dass Merkel etwas verlegen lächeln musste.

Kommentare (53)

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Account gelöscht!

06.02.2012, 19:03 Uhr

Wer hat uns denn den Euro eingebrockt?

Mir wird übel, wenn ich das alles lesen muss.

Thomas-Melber-Stuttgart

06.02.2012, 19:20 Uhr

"Egal, was er tut" - so liebt nur eine Frau. Bedingungslose Hingabe. Oder ein Blankoscheck. Beides in der Politik fatal.

kat7

06.02.2012, 19:22 Uhr

Wer hat uns Merkel eingebrockt?
Können wir die nicht nach Frankreich abschieben, kann sie im Duo mit Sarko regieren...

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