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23.01.2013

13:06 Uhr

Dreamliner-Panne

US-Aufsicht nahm Akku-Brandgefahr in Kauf

Trotz der Kenntnis der Brandgefahr sollen US-Behörden die hochentzündlichen Lithium-Ionen-Batterien für Boeings Dreamliner zugelassen haben. Nun soll die Aufsichtsführung der Flugsicherheit überprüft werden.

Die ausgebrannte Dreamliner-Batterie aus der Maschine von Japan Airlines. Reuters

Die ausgebrannte Dreamliner-Batterie aus der Maschine von Japan Airlines.

SeattleDie US-Behörden haben bei der Genehmigung der hochentzündlichen Lithium-Ionen-Batterien für Boeings Dreamliner in Kauf genommen, dass die Akkus in der Luft in Brand geraten können. Der Einsatz galt dennoch als sicher, solange die Flammen nicht auf andere Teile übergreifen und es Entlüftungen für Rauch sowie giftige Dämpfe gibt, wie aus Dokumenten hervorgeht, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen. Eine Überprüfung von Regierungspapieren ergab, dass die US-Luftverkehrsbehörde FAA dem Dreamliner Sonderkonditionen gewährte. Die Sicherheitsexperten gaben grünes Licht für den Einsatz der Problem-Batterien, obwohl sie einräumten, dass Situationen denkbar seien, in denen das System möglicherweise nicht ausreiche. Allerdings sei dies "sehr abwegig".

Das Risiko eines Brandes an Bord eines Flugzeugs gehört angesichts der großen Treibstoffmengen seit jeher zu den Hauptsorgen der Sicherheitsbehörden. Die US-Vorschriften erfordern für jede Maschine mehrere Anti-Brand-Systeme. Angesichts von gleich zwei Problemen mit den hochmodernen Akkus in den Prestigefliegern rückt nun die 2007 erteilte FAA-Genehmigung ins Rampenlicht: Ein US-Senatsausschuss plane in den nächsten Wochen eine Anhörung, um die Aufsichtsführung der Flugsicherheit zu überprüfen, erfuhr Reuters von einem Berater des für Handel, Wissenschaft und Verkehr zuständigen Gremiums.

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"Batterie kann kontrolliert abbrennen"
Ein FAA-Sprecher verteidigte die erteilte Genehmigung: Selbst bei Eintreten des "schlimmsten Falles", gebe es Systeme zur Absicherung. Nach Angaben von Boeing seien die Batterie-Systeme der 787-Maschinen mit vier Schutzschichten ausgestattet, um die Batterie vor einer Überlastung zu schützen. Dies mache ein Feuer sehr unwahrscheinlich. Der Airbus -Rivale zeigte sich aber davon überzeugt, dass die Batterie auch in der Luft kontrolliert abbrennen könne, weil es ein widerstandsfähiges System für die Einschränkung des Feuers sowie die Ableitung von Rauch und Dämpfen gebe.

Auch Boeing rechtfertigte den Einsatz der leistungsstarken und zugleich leichten Akkus. Die Batterien seien nach einer "sorgfältigen Prüfung der möglichen Alternativen" gewählt worden, weil sie am besten Boeings Erwartungen für die 787-Maschinen erfüllten, sagte Firmensprecher Marc Birtel. "Auf der Grundlage von allem was wir bisher wissen, haben wir unsere Einschätzung nicht geändert."

Größte Dreamliner-Flotten (Stand: Ende 2012)

All Nippon Airways

17 Maschinen im Dienst

weitere 49 bestellt

Japan Airlines

7 Maschinen im Dienst

weiter 38 Maschinen bestellt

United Airlines

6 Maschinen im Dienst

weitere 36 Maschinen bestellt

Air India

5 Maschinen im Dienst

weitere 22 Maschinen bestellt

Qatar Airways

5 Maschinen im Dienst

weitere 25 Maschinen bestellt

Ethiopian Airways

4 Maschinen im Dienst

weitere 6 Maschinen bestellt

LAN Airlines

3 Maschinen im Dienst

weitere 23 Maschinen bestellt

LOT (Polen)

2 Maschinen im Dienst

weitere 6 Maschinen bestellt

Die FAA hatte in der vergangenen Woche angeordnet, alle Dreamliner in den USA am Boden zu lassen, bis die Ursachen für die Batterie-Probleme geklärt sind. Weltweit schlossen sich Flugsicherheitsbehörden dem Verbot an und verdonnerten die bislang ausgelieferten 50 Prestige-Flieger zum Verbleib am Boden. Die Unfalluntersuchungsbehörde NTSB leitet die Überprüfung und wird dabei sowohl von Boeing, der FAA als auch dem japanischen Batteriehersteller GS Yuasa unterstützt.
Die Behörden sind immer noch auf der Suche nach den Gründen für die Batterie-Probleme. Je nach Ausgang der Nachforschungen könnten auf Boeing hohe Kosten zukommen: Denkbar seien sowohl Entschädigungszahlungen wegen der Flugausfälle als auch größere Umbauten sowie eine erneute Genehmigung des Batterie- und Elektrosystems, sagten Industrieexperten.

Vor einer Woche musste eine 787-Maschine der japanischen Fluggesellschaft All Nippon Airways wegen eines Batteriebrands notlanden, weil er Warnmeldungen und einen beißenden Geruch auslöste. Bei einer geparkten 787-Maschine von Japan Airlines am Flughafen in Boston hatte bereits Anfang Januar eine Batterie-Explosion einen Brand ausgelöst.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Meckerer

29.01.2013, 18:05 Uhr

Wenn eine Litiumbatterie brennd dann gibt das ein schönes Feuerchen. Die Ursache kann sein:
Ein Fehler in der Batterie
Eine Überladung wobei es auf Hundertstel Volt ankommt.
Bei Tiefentladung kommt es nicht gerade zu einem Brand aber die Batterie wird zerstort
Was bei der B787 los ist ist immer noch unbekannt, man kann also sicher noch einige Zeit spekulieren und die die wildesten Gerüchte verbreiten. Übrigens die Elektroautos werden mit den Gleichen Batterietyp ausgestattet wir erhalten also schon jetzt einen Vorgeschmack darauf was auf uns zukommt.

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