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05.03.2014

06:33 Uhr

Drei Streithähne

Die Allianz der Euro-Retter zerfetzt sich

VonJan Mallien

Sie hatten sich einst zusammengetan, um den Euro-Krisenländern in der akuten Not zu helfen. Doch die Troika aus Währungsfonds, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank war von Anfang an fragil. Nun droht der Bruch.

Drei Streithähne: Die Troika aus Währungsfonds, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank bekämpft sich gegenseitig. Getty Images

Drei Streithähne: Die Troika aus Währungsfonds, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank bekämpft sich gegenseitig.

DüsseldorfBeliebt ist sie in Griechenland ganz gewiss nicht. Dabei hat die Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) dem Land mehr als 237 Milliarden Euro an Finanzhilfen ausgezahlt oder zumindest versprochen. Die Herzen der Griechen hat sie mit diesem Geld nicht kaufen können. Als Vertreter der Troika in der vergangenen Woche im griechischen Finanzministerium eintrafen, warteten vor der Tür schon aufgebrachte Lehrer, Hausmeister und Putzfrauen, denen die Entlassung droht. Die Demonstranten warfen Plastikflaschen und skandierten Sprüche wie „Zum Teufel mit Euch Blutsaugern“.

Nicht nur auf den Straßen Athens gibt es massive Kritik an der Troika – auch auf allerhöchster Ebene in Brüssel. Zum Beispiel von der Vize-Präsidentin der EU-Kommission Viviane Reding. Sie sagt seit langem: „Die Troika gehört abgeschafft.“

In die gleiche Kerbe schlägt das Europaparlament. Dessen Währungspolitischer Ausschuss hat einen Untersuchungsbericht vorgelegt, der die Arbeit der Troika scharf kritisiert. Der Hauptvorwurf lautet: Die Troika habe die Wirkung der Sparpolitik falsch eingeschätzt. Sie habe mit ihren Empfehlungen den wirtschaftlichen Einbruch und die soziale Misere in den Euro-Krisenländern verstärkt. Die Arbeit der Troika sei außerdem weder transparent noch demokratisch legitimiert. Die Chancen sind hoch, dass das Europaparlament noch im Frühjahr dem Bericht zustimmt. Der grüne Europaabgeordnete Sven Giegold sieht den Troika-Bericht als „Klatsche für die Euro-Gruppe und die von ihr beauftragte Troika.“

Konjunkturaussichten für die Euro-Länder

Spanien

Spanien könnte 2014 wieder um ein Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit soll jedoch mit 25,7 Prozent hoch bleiben. Das Haushaltsdefizit wird auf 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Frankreich

Frankreichs Wachstum dürfte 2014 mit 1,0 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf elf Prozent steigen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder um 0,6 Prozent wachsen. Trotz der erwarteten Besserung dürfte die Arbeitslosigkeit mit 26 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Bei der Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Italien

Italiens Wirtschaft soll 2014 um 0,6 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit dürfte hingegen auf einen Rekord von 12,6 Prozent klettern. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 132,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leicht unter dem diesjährigen Niveau liegen.

Zypern

Um 4,8 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt einbrechen. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf den Rekordwert von 19,2 Prozent steigen.

Portugal

Für Portugal erwartet die EU-Kommission 2014 ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen. Der Schuldenstand dürfte nach dem Rekordwert von 129,4 Prozent im vorigen Jahr bis 2015 wieder auf 125,8 Prozent zurückgehen.

Irland

Irlands Wirtschaft dürfte 2014 mit 1,8 Prozent deutlich stärker wachsen als der gesamte Währungsraum. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,2 Prozent fallen, nachdem sie 2013 noch bei 13,1 Prozent lag. Das Defizit soll 2015 auf 4,3 Prozent sinken.

Quelle

EU-Kommission

Dabei hatte sich das Trio aus IWF, EU-Kommission und EZB einst zusammengetan, um Griechenland vor dem Bankrott zu retten. Es war keine Wunschkonstellation, sondern ein aus der Not geborenes Team. Von Anfang an war klar, dass die Partner sehr unterschiedliche Interessen haben. Was sie zusammenhielt war die Wucht der Krise. Nicht nur in Griechenland musste die Troika helfen, sondern auch in Irland, Portugal und Zypern. Insgesamt hat sie den vier Ländern mehr als 400 Milliarden Euro an Hilfen zugesagt. Das Geld ist allerdings stets an Auflagen gebunden: Wer Hilfe bekommt, muss im Gegenzug sparen und seine Wirtschaft reformieren. In regelmäßigen Abständen prüft die Troika, ob die betroffenen Länder die Auflagen einhalten. Kaum jedoch hat sich die Euro-Krise ein wenig beruhigt, treten die Gegensätze der Troika-Partner offen zu Tage. Es droht der Bruch. Das Motto lautet: Jeder gegen jeden.

Kommentare (36)

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Account gelöscht!

05.03.2014, 07:59 Uhr

Die Gefahr ist, dass ohne IWF niemand mehr harte Reformen verlangt bzw. wenn jemand, dann Schäuble....dann bekommen die Deutsche allein den 'Schwarzen Peter'...
VG

Account gelöscht!

05.03.2014, 08:10 Uhr

Die Gefahr ist eher, dass herauskommt wer tatsächlich alles Nutzniesser dieser so genannten Rettungsmilliarden geworden ist.

Account gelöscht!

05.03.2014, 08:14 Uhr

Die Gefahr ist eher, dass irgendwann herauskommt wer tatsächlich alles Nutzniesser dieses zweifelhaften Netzwerks geworden ist.



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