Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.05.2015

16:06 Uhr

Dreimal so viel Militärgerät

Russland verstärkt Truppen an Grenze zu Ukraine

Bereitet das russische Militär eine Invasion in der Ostukraine vor? Jüngste Bewegungen am russischen Stützpunkt Kusminski könnten darauf hindeuten. Westliche Beobachter sehen die brüchige Waffenruhe im Donbass in Gefahr.

Im Grenzgebiet zur Ukraine wird verstärkt schweres Militärgerät gesichtet – wie dieses Panzerfahrzeug prorussischer Separatisten. ap

Verdächtige Truppenbewegungen

Im Grenzgebiet zur Ukraine wird verstärkt schweres Militärgerät gesichtet – wie dieses Panzerfahrzeug prorussischer Separatisten.

Chutor Tschalkowa/MoskauDas russische Militär zieht im Grenzgebiet zur Ukraine massenhaft Truppen und Kriegsgerät zusammen. Auf einem provisorischen Stützpunkt etwa 50 Kilometer vor der Grenze sind in den vergangenen Tagen ganze Zugladungen mit Soldaten und Militärfahrzeugen, darunter rund 30 Panzer, angekommen, wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur Reuters beobachtete. Auch etwa 30 mobile Raketenwerfer vom Typ „Uragan“ und zahlreiche Geschütze wurden im Stützpunkt Kusminski gesichtet.

Damit befindet sich drei Mal so viel Militärgerät vor Ort wie im März. Dies könnte einer der bislang eindeutigsten Hinweise auf einen gezielten Truppenaufbau in der Region sein – womöglich mit der Absicht, die Rebellen in der Ostukraine bei einer neuen Offensive gegen die Regierungstruppen zu unterstützen.

Für die Annahme spricht einiges: Viele der russischen Militärfahrzeuge haben keine Nummernschilder, andere Erkennungszeichen wurden ebenfalls entfernt. An den Uniformen der Soldaten fehlen die Abzeichen. Damit sehen sie wie Angehörige der Kampfverbände in der Ostukraine aus, die die Regierung in Kiew und der Westen für Angehörige einer verdeckten russischen Operation hält. Auch die Waffen sind genau diejenigen, die in den Kämpfen zum Einsatz kommen.

Das Verteidigungsministerium in Moskau wollte sich zunächst nicht äußern. Der Sprecher von Präsident Wladimir Putin erklärte auf eine Nachfrage zu dem Kriegsgerät: „Ich finde die Formulierung dieser Frage, ob eine Invasion vorbereitet wird, an sich unangebracht“. Die russische Regierung wird nicht müde zu betonen, dass sie an dem Konflikt in der Ukraine nicht direkt beteiligt ist.

Wladimir Putin über...

... mögliche Militäraktionen in der Ukraine:

„Russland erwägt keinen Anschluss der Krim.“

„Was den Einsatz von Streitkräften angeht: Bisher gibt es eine solche Notwendigkeit nicht.“

„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“

„Meine Entscheidung über einen Militäreinsatz in der Ukraine wird völkerrechtlich legitim sein.“

„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“

... Sanktionsforderungen

„Drohungen an die Adresse Russlands sind kontraproduktiv und schädlich.“

... den G8-Gipfel in Sotschi:

„Wenn die anderen nicht anreisen wollen, müssen sie das nicht tun.“

... über den Sturz Janukowitschs:

„Janukowitsch bleibt gesetzmäßiger Präsident der Ukraine. Er wurde in einem ungesetzlichen Verfahren seines Amtes enthoben.“

„In der Ukraine hat es einen verfassungswidrigen Umsturz und eine bewaffnete Machtergreifung gegeben.“

„Ich denke, er hat keine politische Zukunft mehr.“

„Janukowitsch ist wohlauf und wird sich noch bei der Beerdigung derjenigen erkälten, die ihm jetzt Böses wünschen.“

(Putin über Medienberichte, der entmachtete ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch sei tot)

... die US-amerikanische Ukraine-Politik:

„Ich habe manchmal den Eindruck, dass hinter dem großen Teich eine Art Laborant in Amerika sitzt und Experimente macht, wie mit Ratten, ohne die Folgen seines Handelns zu begreifen.“

Walentina Melnikowa, Vorsitzende der russischen Menschenrechtsorganisation „Komitee der Soldatenmütter“ sieht das anders: Die Rekruten würden in die Region Rostow an der Grenze zur Ukraine gebracht. Von dort gehe es weiter ins Nachbarland. Vorher unterzeichneten sie Papiere, dass sie auf eigenen Wunsch handelten. „In Wirklichkeit ist es ein Befehl“, befindet Melnikowa. „Wie könnte es freiwillig sein? Sie sind Soldaten.“ Ihre Angaben konnten nicht überprüft werden.

Die russischen Soldaten auf dem Stützpunkt Kusminski halten sich bedeckt. Sie seien lediglich für eine Militärübung dorthin verlegt worden, erklären sie. Von der Basis führt eine provisorische Straße direkt zur ukrainischen Grenze. Sie ist frisch planiert und könnte nun auch von schweren Fahrzeugen leichter befahren werden.

Westliche Beobachter rechnen damit, dass die ohnehin brüchige Waffenruhe in der Ostukraine schon bald wieder nichtig ist. Nato-Oberbefehlshaber Philip Breedlove sagte jüngst, er gehe davon aus, dass sie von den prorussischen Separatisten ausgenutzt werde, um sich neu zu bewaffnen und eine Offensive vorzubereiten. Einzelheiten nannte er nicht.

Der Tod russischer Soldaten bei Spezialeinsätzen zu Friedenszeiten ist ab sofort ein Staatsgeheimnis. Der russische Präsident Wladimir Putin unterzeichnete am Donnerstag ein Dekret, mit dem "Informationen über personelle Verluste bei Spezialeinsätzen zu Friedenszeiten" unter Verschluss bleiben müssen. Angaben zu militärischen Verlusten zu Kriegszeiten waren zuvor bereits ein Staatsgeheimnis. Das Dekret mit der aktualisierten Liste russischer Staatsgeheimnisse wurde auf der Internetseite der Regierung veröffentlicht.

Die Weitergabe von Staatsgeheimnissen kann mit mehreren Jahren Gefängnis bestraft werden. Nicht definiert ist in dem Dekret allerdings, worum genau es sich bei den "Spezialeinsätzen" handelt. Der Militärexperte Pawel Felgenhauer sagte dazu, damit könne jeder Einsatz so eingestuft werden. Letztlich gehe es darum "Verluste im Donbass" zu verschleiern, sagte Felgenhauer.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr walter danielis

28.05.2015, 15:00 Uhr

In der Ukraine ist Putin am längerem Hebel. Er kann immer, wenn er will. Den Zeitpunkt bestimmt er. Wer das nicht weiß, ist naiv. Das er es bisher nicht getan hat liegt wohl daran das er sich den Pleitestaat nicht ans Bein binden will . Wenn man unsere Politiker zu diesem Thema hört, hat man den Eindruck sie wollen mal wieder befreit werden

Herr Reinhold Epping

28.05.2015, 15:10 Uhr

Wie langweilig.

Herr Vitorio Query

28.05.2015, 16:00 Uhr

>> Bereitet das russische Militär eine Invasion in der Ostukraine vor? >>

An der Dämlichkeit dieser REUTERS - Propaganda kann man sich nur noch ergötzen.

HBO macht sich mit Veröffentlichung solcher Beiträge auch zu einer entsprechender Lachnummer !

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×