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09.03.2014

13:41 Uhr

Dritter Jahrestag Fukushima

Tausende Japaner demonstrieren gegen Atomkraft

Nächste Woche jährt sich das Reaktorunglück von Fukushima zum dritten Mal. Premierminister Abe will wieder zur Kernkraft zurückkehren. Tausende Japaner sind am Sonntag auf die Straße gegangen, um dagegen zu protestieren.

Japaner halten am Sonntag bei einem Protestmarsch in Tokio Schilder in die Höhe, mit denen sie sich gegen den Einsatz von Atomkraft positionieren: Das Erdbeben, das zur Atomkatastrophe von Fukushima führte, jährt sich am Dienstag zum dritten Mal. Reuters

Japaner halten am Sonntag bei einem Protestmarsch in Tokio Schilder in die Höhe, mit denen sie sich gegen den Einsatz von Atomkraft positionieren: Das Erdbeben, das zur Atomkatastrophe von Fukushima führte, jährt sich am Dienstag zum dritten Mal.

TokioKurz vor dem dritten Jahrestag der Atomkatastrophe von Fukushima haben zehntausende Menschen in Tokio gegen die Atompolitik ihrer Regierung protestiert. Bei einer Kundgebung und einem anschließendem Protestmarsch rund um das Parlament kritisierten sie scharf die Pläne des konservativen Ministerpräsidenten Shinzo Abe, der allen Widerständen zum Trotz zumindest einige der 50 Atomreaktoren im Land wieder in Betrieb nehmen will. Kundgebungsteilnehmer wiesen darauf hin, dass Japan schon seit Monaten ohne Kernkraft auskommt.

In Taiwan hatten bereits am Samstag zehntausende Demonstranten bei landesweiten Protesten den Atom-Ausstieg gefordert. In Taipeh gingen nach Angaben der Organisatoren rund 50.000 Menschen auf die Straße, an drei weiteren Kundgebungen auf der Insel nahmen demnach mehr als 30.000 Menschen teil.

Die japanische Katastrophe in Zahlen

Das Erdbeben

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löste auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe

Die Naturkatastrophe forderte rund 15 800 Tote und mehr als 3700 Vermisste.

Die zivilen Schäden

Die zivilen Schäden der Dreifach-Katastrophe belaufen sich insgesamt auf etwa 160 Milliarden Euro.

Länger unbewohnbar

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100 000 Menschen mussten ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Radioaktiv verseuchtes Wasser

Über 10 000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser flossen in den Ozean. Es geriet 168-mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

Das Kraftwerk

Nach Angaben des Fukushima-Betreibers Tepco wird es noch bis zu 40 Jahren dauern, bis das Kraftwerk vollständig gesichert ist. Rund 20.000 Arbeiter halfen bislang, die Reaktoren unter Kontrolle zu bringen.

Bei einem verheerenden Erdbeben und Tsunami am 11. März 2011 in Japan war das Kernkraftwerk Fukushima so schwer beschädigt worden, dass die Kühlanlagen ausfielen. In der Folge kam es in mehreren Reaktoren zu einer Kernschmelze. Große Mengen Radioaktivität traten aus, zehntausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Die Aufräumarbeiten dauern an, dabei kommt es immer wieder zu neuen Pannen. Experten schätzen, dass es noch vier Jahrzehnte dauert, bis die Anlage komplett abgebaut ist.

Bislang wurde für die Katastrophe von Fukushima noch niemand juristisch zur Verantwortung gezogen. Im Jahr 2012 reichten 15.000 Betroffene eine Klage gegen den Betreiber Tepco ein. Im vergangenen September entschied die Staatsanwaltschaft jedoch, keine Anklage zu erheben. Dagegen läuft ein Berufungsverfahren.

Von

afp

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