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15.04.2012

11:23 Uhr

Drogen an der Macht

Gewalt und Kriminalität beherrschen Lateinamerika

Der Drogenkrieg in Lateinamerika fordert nicht nur unzählige Menschenleben. Gewalt und Kriminalität hinterlassen auch deutliche Spuren in der Wirtschaft. Eine Studie der Weltbank bestätigt das.

Eine kolumbianische Anti-Drogen-Einheit sprengt ein Kokain-Labor in die Luft. Reuters

Eine kolumbianische Anti-Drogen-Einheit sprengt ein Kokain-Labor in die Luft.

Cartagena de IndiasViele Länder Lateinamerikas zahlen im Kampf gegen die Rauschgiftkriminalität einen hohen Blutzoll. In Mexiko fielen dem Drogenkrieg seit 2006 mehr als 50.000 Menschen zum Opfer. In einigen Landstrichen haben die Drogenkartelle faktisch die Macht übernommen. Hauptproduktionsländer sind nach wie vor Bolivien, Peru und Kolumbien, wobei Kolumbien deutliche Rückgänge verzeichnet.

Auf die drei Andenländer entfallen praktisch 100 Prozent der Kokablattproduktion, dem Rohmaterial für die Herstellung von Kokain, wie aus dem Weltdrogenbericht der UN 2011 hervorgeht.

Lateinamerikas Allianzen, Bünde und Verbände

Organisation Amerikanischer Staaten (OAS)

Gegründet 30. April 1948 in Bogotá (Kolumbien), 35 Mitglieder, wobei die Mitgliedschaft Kubas seit 1962 ausgesetzt ist. Dem Staatenbund gehören auch die USA und Kanada an. Die OAS hat die Federführung für den alle drei Jahre stattfindenden Amerika-Gipfel. Schwerpunkte: Demokratisierung, Integration, Drogen- und Kriminalitätsbekämpfung, Streitschlichtung.

Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (CELAC)

Offizieller Gründungsgipfel am 3. Dezember 2011 in Caracas (Venezuela), 33 Mitglieder, alle OAS-Staaten inklusive Kuba, aber ohne die USA und Kanada. Schwerpunkte: Integration, Streitschlichtung, politische Abstimmung.

Gemeinsamer Markt Südamerikas (MERCOSUR)

Gegründet am 26. März 1991, vier Mitglieder (Brasilien, Argentinien, Paraguay, Uruguay), Venezuela wartet auf die Aufnahme als Vollmitglied.

Schwerpunkte

Wirtschaftliche Integration und Abbau von Handelshemmnissen, Zollharmonisierung.

Union südamerikanischer Staaten (UNASUR)

Gegründet 8. Dezember 2004, Mitglieder sind alle zwölf südamerikanischen Länder, Vorbild ist die Europäische Union. Die Minister tagen in mehreren Räten, u.a. zu den Themen Verteidigung, Wirtschaft und Gesundheit. Schwerpunkte: Politische, wirtschaftliche, kulturelle und finanzielle Integration Südamerikas.

Bolivarische Allianz für die Völker unseres Amerika (ALBA)

Gegründet 14. Dezember 2004, Federführung haben die sozialistischen Länder Venezuela und Kuba, Mitglieder sind derzeit acht lateinamerikanische und karibische Staaten. Das Bündnis, dem auch Ecuador, Bolivien und Nicaragua angehören, versteht sich als linke Allianz. Schwerpunkte: Ausbau der politischen und wirtschaftlichen Kooperation.

Andengemeinschaft (CAN)

Gegründet am 16. Oktober 1969, Mitglieder sind die Andenländer Bolivien, Ecuador, Peru, Kolumbien. Schwerpunkte: Soziale, wirtschaftliche und politische Integration.

Rund 90 Prozent aller Drogenlieferungen in die USA passieren die Länder Mittelamerikas. Auf Süd- und Mittelamerika und die Karibik entfallen rund drei Viertel des Gesamtvolumens des weltweit beschlagnahmten Kokains. Die Drogenkriminalität gilt neben dem leichten Zugang zu Schusswaffen als Hauptursache für die Gewalt und die hohen Mordraten. Süd- und Mittelamerika weisen deutlich höhere Mordraten auf als andere Subregionen, wie die UN-Drogen- und Kriminalitätsbehörde (UNODC) in ihrem globalen Bericht 2011 feststellt. Honduras gilt demnach mit 82 Morden auf 100.000 Einwohner als das gefährlichste Land der Welt, gefolgt von El Salvador mit 62 Morden.

Die ökonomischen und gesellschaftlichen Kosten für Gewalt und Kriminalität sind enorm. Die Interamerikanische Entwicklungsbank (IDB) schätzt, dass Lateinamerika dadurch fünf Prozent seines Bruttoinlandsproduktes (BIP) einbüßt, wobei es in einigen Ländern der Region sogar bis zu 15 Prozent sein könnten. Die Weltbank geht in einer Studie davon aus, dass eine Reduzierung der Mordrate um zehn Prozent in den Ländern mit der größten Gewalt in Mittelamerika das BIP um ein Prozent steigern könnte.

Von

dpa

Kommentare (1)

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RBoeck

18.04.2012, 21:05 Uhr

Ich denke, ob Drogenabhängige oder Kriminelle, der Ansatz ihnen zu helfen ist der selbe: Sie ihre Selbstachtung wiederfinden zu lassen!

Ein weiterer Faktor ist Ausbildung. Menschen, die wirklich VERSTEHEN neigen meines erachtend nach weniger zur Kriminalität und zum Drogenkonsum. Viele dieser Menschen sehen in ihrem Handeln eine Lösung auf Fragen, auf die sie sonst keine Antwort kennen.

(...)

Die wenigsten Menschen haben wirkliche Fakten, die meisten wissen erschreckend wenig über Drogen. Holt Euch die Fakten über Drogen und verbreitet sie weiter!

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