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22.09.2014

19:39 Uhr

Drogen in Saudi-Arabien

Die Sucht, die es nicht geben darf

VonMartin Gehlen

Wer Drogen nach Saudi-Arabien schmuggelt, wird öffentlich geköpft. Weil der Islam den Konsum verbietet, sind Heroin und Co. im Königreich tabu – so wie staatliche Drogenkliniken. Doch unser Reporter hat eine besichtigt.

Schön und tödlich: In Saudi-Arabien wird der Schmuggel von Drogen - wie Heroin, das aus Schlafmohn hergestellt wird, mit dem Tode bestraft. dpa

Schön und tödlich: In Saudi-Arabien wird der Schmuggel von Drogen - wie Heroin, das aus Schlafmohn hergestellt wird, mit dem Tode bestraft.

KairoDas Königreich kennt kein Pardon. „Tod für Drogenschmuggler“ steht in blutroten Buchstaben quer über dem Einreiseformular, mit dem jeder Besucher Saudi-Arabiens am Flughafen empfangen wird. Kaum eine Woche vergeht ohne öffentliche Hinrichtungen, bei denen Männern mit silbernem Krummschwert die Köpfe abgeschlagen werden, weil sie Haschisch, Amphetamin-Tabletten oder Heroin ins Land geschmuggelt haben. Trotz dieser drastischen Scharia-Strafen: Der Drogenkonsum nimmt in der Heimat des Propheten Mohammed immer dramatischere Ausmaße an.

„Wir sind keine Insel der Seligen“, sagt Osama Ahmad Alibrahim, Chefarzt des Al-Amal Hospitals, auf deutsch „Klinik der Hoffnung“, dem einzigen Suchtkrankenhaus in der Hafenstadt Dschidda. Arbeitslosigkeit, Familienstress, Langeweile, Abrutschen ins kriminelle Milieu, Depressionen oder Examensnöte sind die Ursachen.

Drogenkonsum in Deutschland

Jugendliche

Bei den 12- bis 17-Jährigen ist der regelmäßige Alkoholkonsum nach aktuellen Zahlen des Drogen- und Suchtberichts der Bundesregierung (2013) seit 2001 von 17,9 % auf 14,2 % (2011) zurückgegangen. Der Tabakkonsum hat sich bei den Jugendlichen innerhalb von zehn Jahren sogar mehr als halbiert (27,5 % auf 11,7 %) und der Cannabiskonsum ist ebenfalls weiter rückläufig, von 9,2 % auf 4,6 %.

Riskanter Suchtmittelkonsum

Riskanter Suchtmittelkonsum ist nicht auf die jugendliche Altersgruppe beschränkt, sondern findet sich in allen Altersgruppen. Besonders hoch ist der riskante Alkoholkonsum bei den 18-bis 29-Jährigen. Bei den Frauen liegt er bei 32,4 %, bei den Männern bei 44,6 %.

Tabakkonsum

Der Tabakkonsum Erwachsener ist nach wie vor hoch. Nach der neuesten Studie des RKI rauchen 29, 7 % der 18- bis 79-Jährigen; 23,7 % von ihnen rauchen täglich und 6 % gelegentlich. Männer rauchen mit 32,6% häufiger im Vergleich zu den Frauen, die zu 27 % täglich oder gelegentlich rauchen.

Riskante Suchtmittel im Alter

Im Alter von 30 bis 44 Jahren sinkt der Anteil auf 20,2% bei den Frauen und auf 29,7 % bei den Männern, im Alter von 45 bis 64 Jahre liegt er bei 21,4 % (Frauen) und bei 31,9 % (Männer).

Cannabis in der Großstadt

42 Prozent der Befragten Jugendlichen in Frankfurt hatten 2013 schon einmal Cannabis versucht, vor zwei Jahren waren es erst 34 Prozent. Sieben Prozent kiffen regelmäßig, vor zwei Jahren waren es vier Prozent. Tabak, Alkohol und Räuchermischungen gehen zurück, harte Drogen spielen so gut wie keine Rolle.

„Die Drogensucht nimmt seit Jahren zu, bei Männern und Frauen gleichermaßen“, erläutert der 49-jährige Mediziner, der seit 13 Jahren im Entzug tätig ist. Offiziell geht das Innenministerium von 200.000 Suchtkranken unter den 28 Millionen Einwohnern aus, ein Viertel von ihnen Frauen – Zahlen, die in Wirklichkeit deutlich höher liegen dürften.

Einer der vielen Abhängigen ist Ahmed. „Ich bin als Jugendlicher an falsche Freunde geraten“, sagt der 23-Jährige, der in Taif aufwuchs. Als sein Vater starb, schmiss er die Schule, seiner Mutter glitt der Halbwüchsige rasch aus der Hand. „Alles kreiste nur noch um Haschisch, Captagon und Alkohol“, erzählt er. Neun Jahre lang habe sein Leben bestanden aus „Schlägereien, Autounfällen und Scheißbenehmen“, bis ihn sein Onkel schließlich kurzerhand in die Drogenklinik ins 170 Kilometer entfernte Dschidda fuhr. Zurück nach Taif möchte er nicht, weil er fürchtet, seinem alten Milieu wieder zu verfallen. Nach der Therapie will er in Dschidda bleiben, das Abitur nachholen und hofft auf ein neues Leben.

Kommentare (4)

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Sergio Puntila

22.09.2014, 19:55 Uhr

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Sergio Puntila

22.09.2014, 19:59 Uhr

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Sergio Puntila

22.09.2014, 20:05 Uhr

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