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29.01.2009

17:56 Uhr

Drogenanbau

Nato jagt Drogenhändler in Afghanistan

Der Nato-Oberbefehlshaber in Afghanistan, John Craddock, fordert eine rückhaltlose Jagd auf alle Drogenhändler in Afghanistan. In einem Brief an den Leiter der Isaf-Truppen in Kabul schreibt er, die Soldaten sollten auch dann Gewalt gegen Drogenhändler einsetzen, wenn ihnen keine Unterstützung der Aufständischen nachgewiesen kann.

Die afghanische Polizei wird des Drogenhandels im Land nicht Herr. Foto: dpa dpa

Die afghanische Polizei wird des Drogenhandels im Land nicht Herr. Foto: dpa

HB BRÜSSEL. Statt die Forderungen Craddocks wenigstens zu hinterfragen, will die Nato jetzt untersuchen wie das Schreiben in die Öffentlichkeit gelangen konnte. "Spiegel online" hatte den Brief veröffentlicht. Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer halte es für inakzeptabel, dass vertrauliche Dokumente weitergegeben worden seien, sagte dessen Sprecher in Brüssel. "Er hat eine sofortige Untersuchung gefordert, die energisch ausgeführt wird." Damit bestätigte die Nato die Existenz des Schreibens.

Nach dem Spiegel-Bericht schreibt Craddock weiter, es sei "nicht länger nötig, Geheimdienst-Aufklärung zu betreiben oder zusätzliche Beweise zu erbringen, ob jeder der Drogenhändler oder jede Drogen-Einrichtung in Afghanistan auch die Kriterien eines militärischen Zieles erfüllt". Der Brief richtet sich an den deutschen Leiter der für Afghanistan zuständigen Nato-Kommandozentrale in den Niederlanden, Egon Ramms, und den Kommandeur der Isaf-Schutztruppe in Kabul, David McKiernan. Beide hielten die Weisung für rechtswidrig und sähen darin einen Verstoß gegen geltende Einsatzregeln.

Craddocks Sprecher Derik Crotts wollte nicht bestätigen, dass es dieses Schreiben gibt, ergänzte aber: "Niemand hat irgendwem befohlen, etwas Illegales zu tun." Seit dem Beschluss der Nato-Verteidigungsminister von Budapest arbeite die Militärführung an einem Plan für den Kampf gegen den Drogenanbau. Craddock werde bald eine Empfehlung erhalten, wie dieser umgesetzt werden könne.

In Budapest hatten sich die Nato-Verteidigungsminister darauf geeinigt, den Mitgliedstaaten künftig freie Hand im Kampf gegen den Drogenanbau zu lassen. Die Einigung auf eine einheitliche Strategie scheiterte auch am Widerstand Deutschlands, das höhere Risiken für die eigenen Soldaten befürchtet hatte. Die Bundeswehr soll sich auch in Zukunft auf die Unterstützung des afghanischen Militärs beim Vorgehen gegen Drogenhändler beschränken. Das Drogengeschäft ist eine wesentliche Finanzquelle der radikal-islamischen Taliban.

Nato-Sprecher James Appathurai sagte, es werde nichts getan, was der Weisung der Minister widerspräche. "Und in dieser Allianz wird nichts unternommen, was nicht vollkommen mit nationalem und internationalem Recht übereinstimmt."

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