Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.08.2012

13:16 Uhr

Drohende Eskalation

Israel geht von Vier-Wochen-Krieg gegen Iran aus

Israel konkretisiert seine Überlegungen für einen möglichen Militäranschlag gegen den Iran. Unumstritten sind die Pläne jedoch nicht. Sowohl das Militär als auch das Sicherheitskabinett sehen einen Krieg kritisch.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will den Iran noch vor den US-Präsidentschaftswahlen im September angreifen. dpa

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will den Iran noch vor den US-Präsidentschaftswahlen im September angreifen.

JerusalemDie israelische Regierung geht davon aus, dass ein Angriff auf die iranischen Atomanlagen in einen einmonatigen Konflikt münden würde. „Die Analysen deuten auf einen Krieg an mehreren Fronten hin, der 30 Tage dauern würde", sagte Zivilschutz-Minister Matan Vilani der Zeitung "Maariv" (Mittwochausgabe). Er bestätigte die Einschätzung von Verteidigungsminister Ehud Barak, dass etwa 500 Israelis sterben dürften, wenn jeden Tag Hunderte Raketen auf die Städte des Landes niedergingen. „Es gibt keinen Anlass zur Hysterie", sagte Vilani. Der Zivilschutz sei so gut vorbereitet wie nie zuvor.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Barak befürworten einem Zeitungsbericht vom Freitag zufolge einen Schlag gegen den Iran noch vor der US-Präsidentenwahl im November. Allerdings fehle beiden Politikern dazu die entscheidende Unterstützung sowohl im Militär als auch im Sicherheitskabinett.

Im Falle eines Angriffs drohen Vergeltungsangriffe mit Raketen aus dem Iran, von Islamisten in den Palästinenser-Gebieten und von der pro-iranischen Hisbollah-Miliz im Libanon. Es wird davon ausgegangen, dass die Palästinenser im Gaza-Streifen über 10.000 und die Hisbollah über 50.000 Raketen verfügen, die auch Tel Aviv erreichen könnten. Der israelische Raketenschild dürfte ein Teil abwehren.

Experten diskutieren derweil, ob die israelische Bevölkerung psychologisch zu einem Krieg bereit ist. Zwar wären 500 Tote nicht mit den Verlusten im Unabhängigkeitskrieg von 1948 vergleichbar, bei dem etwa ein Prozent der Bevölkerung starb. Auch bei den Konflikten 1967 und 1973 waren die Totenzahlen höher. Der Militärhistoriker Martin van Creveld bezweifelt jedoch den Durchhaltewillen. Es sei fraglich, ob die israelische Bevölkerung bereit sei, den Preis für einen solchen Krieg zu zahlen.

Unter Anspielung auf die Islamisten im Libanon und den Palästinenser-Gebieten sagte er: „Mehr als 20 Jahre des Kämpfens gegen die Schwachen haben in Israel eine widerliche Mischung von Aggression und Selbstmitleid hervorgebracht."

Testlauf für Warnsystem: Israelis erhalten SMS bei Raketenangriff

Testlauf für Warnsystem

Israelis erhalten SMS bei Raketenangriff

Israelische Medien sehen das als Vorbereitung auf eine Eskalation des Streits mit Iran.

Der ehemalige israelische Luftwaffenchef David Ivry, der den Angriff auf den irakischen Atomreaktor 1981 geplant hatte, weist die Bedenken zurück. „Wenn das Land entscheidet, dass die nationale Sicherheit auf dem Spiel steht, dann wird der Preis gezahlt." Für den Schriftsteller Amos Oz ist der Rückhalt in der Bevölkerung davon abhängig, ob der Konflikt als unbedingt notwendig gesehen werde. „Es kommt darauf an, ob es Krieg ohne Alternative ist oder ein Wahl-Krieg", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Einen israelischen Angriff auf den Iran halte er für einen Fehler: „Der Iran ist das Problem der ganzen Welt."

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×