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13.08.2017

09:24 Uhr

Drohende Staatspleite in Venezuela

Das Kartenhaus von Caracas

Venezuela droht die Pleite: Der radikale Umbau des Staates durch Präsident Maduro hängt auch mit der Angst vor dieser Pleite zusammen. Alles wird verscherbelt, doch das Kartenhaus droht einzustürzen.

„Kein Land ist vom Anteil am BIP oder dem Export her stärker im Ausland verschuldet.“ dpa

Krise in Venezuela

„Kein Land ist vom Anteil am BIP oder dem Export her stärker im Ausland verschuldet.“

CaracasEs ist neblig am frühen Morgen, das passt zu dem Ambiente hier. Etwas mysteriös, nicht so richtig zu durchschauen, was hier läuft. Wie das ganze Land. Der Flugplatz Oscar Machado Zuloaga liegt auf einer Hochebene, 20 Kilometer außerhalb von Caracas.

Dutzende Privatflugzeuge stehen hier, Kisten werden eingeladen. Kaum Kontrollen. Es gibt Gerüchte, dass von hier Kokain ausgeflogen wird. Wohl dem, der dem Chaos noch entfliehen kann und Auslandskonten hat.

Venezuela steht kurz vor dem Ruin. Das hier aber ist eine Art Parallelwelt. Gemessen an der Einwohnerzahl gilt Venezuela als Land mit der siebtgrößten Zahl an Privatflugzeugen. „Viele fliegen mittlerweile zum Einkaufen nach Miami“, erzählt ein Geschäftsmann.

In der Nähe gibt es Müllkippen, in denen Menschen nach Essensresten suchen. Während die einen ihre Flugzeuge für die Flucht in eine andere Realität besteigen, könnte es für die Armen noch schlimmer werden. Die Wellen, die der drohende Umbau zur Diktatur durch Präsident Nicolás Maduro schlägt, verdecken fast den Blick auf das Unheil, das in einer der größten Staatspleiten der westlichen Hemisphäre enden könnte. Maduros harte Hand hängt auch damit zusammen, dass er glaubt, die Pleite so vielleicht abzuwenden.

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Kritisch werde es im Oktober und November, sagt der Chef der Banco Venezolano de Credito, Germán García-Velutini. „Dann sind jeden Monat rund zwei Milliarden US-Dollar zurückzuzahlen.“ Zur Finanzierung der Regierungspläne und sozialen Wohltaten waren jahrelang für Anleihen des Staatskonzerns PDVSA hohe Zinsen gewährt worden. Das rächt sich nun. Im Moment werde versucht, alles zu Geld zu machen. „Wie wir hier sagen: Sie verkaufen alles bis zur Schwiegermutter“, sagt der oberste Banker eines der bekanntesten Geldinstitute des Landes.

Venezuela wirkt gerade wie ein fragiles Kartenhaus, auch die Finanziers Russland und China werden angeblich langsam sehr nervös. Eigentlich müsste das Parlament grünes Licht geben für den Verkauf der „Juwelen“, zum Beispiel von Ölfeldern in der Orinoco-Region. Aber die von Maduro geschaffene „Volksversammlung“, die das Parlament einfach abgelöst hat, gibt dem Präsidenten mehr Handlungsspielraum. Gegen den Willen der Opposition wurden auch die Goldreserven mehr als halbiert, von über 360 Tonnen Gold auf geschätzt 170 Tonnen.

Venezuela hat vier Hypotheken, die es nun zu erdrosseln drohen. Da wäre als erstes der Ölfluch. Das Land hat mit den Quellen etwa am Maracaibo-See die größten Reserven der Welt. Das hat aber auch eine fatale Abhängigkeit geschaffen - 95 Prozent der Exporteinnahmen kommen vom Öl, allein rund zehn Milliarden Dollar vom größten Abnehmer, den USA. Wenn die Vereinigten Staaten plötzlich die Einfuhr stoppen wegen Maduros Marsch in die Diktatur, ist das Land wohl pleite. Dessen Vorgänger Hugo Chávez hatte das Glück eines Ölpreises von zeitweise 100 Dollar je Barrel. Heute gibt es gerade noch 43 Dollar.

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