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27.04.2012

06:20 Uhr

Drohender Fußball-EM-Boykott

Vorwürfe gegen die Ukraine setzen Uefa unter Druck

VonDietmar Neuerer

ExklusivIn sechs Wochen beginnt die Fußball-EM in Polen und der Ukraine. Doch die Regierung in Kiew steht wegen Menschenrechtsverletzungen unter Beschuss - weshalb jetzt auch die Uefa zunehmend in die Kritik gerät.

Fußball-EM: Einmischen Ja, boykottieren Nein

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BerlinDie Europäische Fußball-Union Uefa ist Veranstalter der Fußball-Europameisterschaft 2012 und somit Vertragspartner der Regierung der Ukraine. Doch was die Europäische Union und die Bundesregierung schon seit längerem beklagen, die Menschenrechtsverletzungen in dem Land, insbesondere den Umgang mit der früheren Regierungschefin Julia Timoschenko, schert den Fußball-Verband offenbar wenig. Jedenfalls hat sich Uefa-Präsident Michel Platini zu den politischen Missständen in der Ukraine bisher nicht geäußert. Und es ist auch nicht zu erwarten, dass er es noch tut. „Die Uefa ist keine politische Institution und wird nie eine sein. Dafür ist eine EM immer ein großes europäisches Festival, das Kontakte, den Austausch und Diskussionen auf allen Ebenen fördert“, bügelte Platini vor kurzem Kritik an seinem Schweigen ab.

Stattdessen überschüttet Platini lieber das EM-Co-Gastgeberland für seinen Vorbereitungen mit überschwänglichem Lob. „Es ist erstaunlich, was ein kleiner Fußball bewirken kann. Was man in der Ukraine geschafft  hat, ist einfach fantastisch“, sagte Platini. Der Franzose betonte, dass die moderne Infrastruktur der Ukraine dem Sport zu verdanken sei. „Ich bin sicher, dass die Atmosphäre in Lwiw traumhaft sein wird“, so Platini bei der Eröffnung des internationalen Terminals am Flughafen in Lwiw, das rund 2100 Passagiere pro Stunde abfertigen kann.

Die Lobhudelei bringt nun Platini selbst unter Druck. „Ich erwarte, dass auch die nationalen Fußballverbände und die UEFA im Umfeld der Europameisterschaft ihre  Verantwortung wahrnehmen und sich kritisch zur Situation in der Ukraine äußern“, sagte die Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Dagmar Freitag (SPD), Handelsblatt Online. Als Positivbeispiel nannte sie den Präsidenten des Deutschen Fußballbunds (DFB), Wolfgang Niersbach, der sich deutlich zu Fragen der Menschenrechte und der Unabhängigkeit von Justiz und Medien in der Ukraine geäußert hatte.

Niersbach verwies in eine Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" auch auf die Verantwortung der Uefa. „Selbstverständlich verfolgen auch wir beim DFB die Situation in den Ländern, in denen wir zu Gast sind“, sagte er und fügte hinzu, dass hier die Uefa als EM-Veranstalter erster Ansprechpartner sein müsse.

Kommentare (9)

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Handelsblatt_online

27.04.2012, 08:34 Uhr

Pervers ist auch, dass die Ukraine Straßenhunde lebendig in mobile Krematorien elendig verbrennen lässt.
Das sollte man mal mit denjenigen machen, die dafür verantwortlich sind.
Kaum zu glauben, dass die UEFA bei diesem bekannten Problem wegschaut.

Es sind die Nationalmannschaften die ein Zeichen setzen müssen, indem die Superstars sich öffentlich darüber äußern und unter diesen Voraussetzungen nicht antreten werden! So wird auch mal die UEFA und die Ukraine unter Druck gesetzt diese Umstände zu verändern.

manu

27.04.2012, 09:30 Uhr

Ich erinnere mich noch an 1992 als Ex-Jugoslawien aus "politischen Gründen" ausgeschlossen wurde. Die UEFA ändert Ihre Meinung so dass das Maximum an Geld reinkommt. EInfach nur lächerlich dieser Verein.

Account gelöscht!

27.04.2012, 10:14 Uhr



... Blatter und Co. wollen halt einem dubiosen Staatsgebilde guter Oligarchen auch was vom "Kuchen" zukommen lassen. Was regt ihr euch so auf?.
Wir sitzen auf neuen Schienen, Moral ist bei den neuen Piloteuren der Sport-Zeitenwende nicht gleich gefragt.

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