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29.06.2014

10:23 Uhr

Drohgebärde

Nordkorea feuert zwei Raketen ab

Nordkorea hat zwei Kurzstreckenraketen von seiner Ostküste aus abgefeuert. Der Abschuss steht offenbar im Zusammenhang mit dem für kommende Woche geplanten Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Südkorea.

Raketenstart: Nordkorea will offenbar Druck auf die chinesische Führung ausüben. dpa

Raketenstart: Nordkorea will offenbar Druck auf die chinesische Führung ausüben.

SeoulOffenbar als Reaktion auf den bevorstehenden Besuch von Chinas Präsident Xi Jinping in Seoul hat Nordkorea zwei Raketen abgefeuert, die vor der Küste im Meer landeten. Wie das südkoreanische Verteidigungsministerium mitteilte, stiegen die Raketen am Sonntagmorgen gegen 5 Uhr unweit der nordkoreanischen Küste auf. Den Angaben zufolge handelte es sich um Scud-Raketen mit einer Reichweite bis zu 500 Kilometern.

Experten sehen in dem neuen Raketenstart eine Warnung vor dem Besuch von Chinas Präsident Xi in Südkorea, der am Donnerstag und Freitag in Seoul erwartet wird. China ist der wichtigste Verbündete des kommunistischen Nordkoreas, doch mehrten sich zuletzt die Anzeichen, dass Peking unglücklich über die konfrontative Politik Pjöngjangs ist. Seit seinem Amtsantritt reiste Xi bislang nicht nach Pjöngjang.

Militär in Nord- und Südkorea

Zwei militärische Regionalmächte

An Koreas Waffenstillstandslinie am 38. Breitengrad stehen sich zwei von Großmächten unterstützte militärische Regionalmächte gegenüber. Während im westlich orientierten Südkorea Angaben über das Militär meist öffentlich zugänglich sind, beruhen Daten zur Armee des abgeschotteten Nordens meist auf Schätzungen.

Truppenstärke

Rund 1,19 Millionen Streitkräfte stehen Nordkorea zur Verfügung. Davon entfallen 1,02 Millionen auf das Heer, 60.000 auf die Marine und 110.000 auf die Luftwaffe. Außerdem stehen 600.000 Reservisten bereit. Südkorea besitzt eine Truppenstärke von rund 655.000 Menschen, wobei 522.000 auf das Heer, 68.000 auf die Marine und 65.000 auf die Luftwaffe entfallen. Zusätzlich gibt es in Südkorea 4,5 Millionen Reservisten.

Kampfpanzer

Nordkorea verfügt über 3.500 Kampfpanzer. In Südkorea sind es 2.750 an der Zahl.

Artilleriegeschütze

10.774 Artilleriegeschütze befinden sich im Besitz von Südkorea. Mehr als das doppelte, insgesamt etwa 21.000 Stück sind es in Nordkorea.

Boden-Boden-Raketen

Zu den Boden-Boden-Raketen zählen solche, die vom Boden aus gegen Bodenziele eingesetzt werden. Darunter fallen unter anderem Raketengranaten oder Panzerfäuste. 64 solcher Waffen hat Nordkorea zur Verfügung, 30 sind es in Südkorea.

Kampfflugzeuge

Etwa 620 Kampfflugzeuge sind in Nordkorea für den Einsatz bereit, davon entfallen 458 auf Jagdflugzeuge, 80 sind reine Bomber. Südkorea verfügt über 490 einsatzbereite Kampfflugzeuge, worunter sich 467 Jagdflugzeuge befinden.

Kriegsschiffe

Über lediglich drei Kriegsschiffe verfügt Nordkorea - allesamt Fregatten. 47 Schiffe stehen Südkorea zur Verfügung, darunter ein Kreuzer, 6 Zerstörer, 12 Fregatten und 30 Korvetten.

Taktische U-Boote

Solche U-Boote sind für gewöhnlich mit Torpedos bewaffnet. 70 dieser Boote hat Nordkorea auf Lager, 23 sind es in Südkorea.

Kleinere Küstenwachtboote

Nordkorea verfügt zusätzlich über 383 Küstenwachtboote. Südkorea kommt auf eine Zahl von 111.

Erst am Donnerstag hatte Nordkorea nach eigenen Angaben erfolgreich eine neue ferngelenkte Rakete getestet. Der Flug der „hochpräzisen“ Rakete sei ein „Meilenstein“ für die Streitkräfte des kommunistischen Landes, vermeldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Freitag. Nord- und Südkorea befinden sich formal noch immer  im Kriegszustand, weil nach dem Koreakrieg (1950-53) kein Friedensvertrag geschlossen wurde.

Japan übermittelte nach dem neuen Raketenstart seinen „ernsten Protest“ an Nordkorea, wie Außenminister Fumio Kishida am Sonntag vor Journalisten sagte. Experten sehen in dem jüngsten Test indes weniger ein Signal an Tokio als an Peking und Seoul.

Xi und seine südkoreanische Kollegin Park Geun Hye werden bei ihrem Treffen mutmaßlich auch über das Atomwaffenprogramm Pjöngjangs reden. Der Norden wolle nun erreichen, „dass die Kritik der Präsidenten nicht zu harsch ausfällt“, sagte der Analyst Shin In Kyun aus Seoul.

Das ohnehin international weitgehend isolierte Nordkorea hatte sich im Februar 2013 durch seinen dritten Atomwaffentest noch weiter ins Abseits manövriert. Auch Peking hatte damals einer Verurteilung durch den UN-Sicherheitsrat zugestimmt.

Von

afp

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