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05.12.2011

02:37 Uhr

Drohnen-Abschuss

Iranisches Militär droht mit Vergeltung im Ausland

Iranische Streitkräfte melden den Abschuss von einer US-Aufklärungs-Drohne. Auf die angebliche Verletzung seines Luftraums will das Land außerhalb seiner Grenzen reagieren.

Iran: US-Drohne abgeschossen

Video: Iran: US-Drohne abgeschossen

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TeheranIn dem ohnehin aufgeheizten Konflikt mit dem Westen hat der Iran den Abschuss einer US-Drohne verkündet. Wie die amtliche Nachrichtenagentur IRNA am Sonntag mitteilte, war die Drohne an der Grenze im Osten des Landes in den iranischen Luftraum eingedrungen.

Bilder des abgeschossenen Flugzeugs gab es nicht. Das US-Verteidigungsministerium in Washington äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall. In diesem Jahr sollen nach unbestätigten iranischen Angaben bereits mehrere Drohnen abgeschossen worden sein. 

Aus den USA wurde der Abschuss zunächst nicht bestätigt. Es gebe „absolut keine Hinweise“ darauf, dass die Drohne abgeschossen worden sei, sagte ein Gewährsmann, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Nach dem angeblichen Abschuss hatte die Nato im benachbarten Afghanistan den Verlust eines unbemannten Flugzeugs gemeldet. „Die Drohne, auf die sich die Iraner beziehen, könnte ein unbewaffnetes US-Aufklärungsflugzeug sein, das Ende vergangener Woche eine Mission über Westafghanistan flog“, teilte die Nato am Sonntagabend in Kabul mit. Die Bodenkontrolleure der Drohne hätten die Kontrolle über das Flugzeug verloren und sich seitdem darum bemüht, „seinen Status festzustellen".

Das angespannte Verhältnis zwischen USA und Iran

1979

Nach der Vertreibung des US-Verbündeten Schah Mohammed Reza Pahlavi ruft Ajatollah Khomeini die Islamische Republik Iran aus. Am 4. November besetzen Studenten die US-Botschaft in Teheran, nehmen 52 Amerikaner als Geiseln und fordern die Auslieferung des Schahs. Als Reaktion verhängt Washington Sanktionen gegen den Iran.

1980

Die Geiselnahme endet nach 444 Tagen. Ein Militäreinsatz zur Befreiung der Amerikaner war gescheitert. Im September greift Irak den Iran an. Im achtjährigen Golfkrieg beliefern die USA beide Länder mit Waffen und schlagen sich schließlich auf die Seite des Iraks.

1984

Nach Terroranschlägen auf US-Soldaten und die Botschaft im Libanon erklärt US-Präsident Ronald Reagan Irans Regime zum „Sponsor des internationalen Terrorismus“ und verschärft die Sanktionen.

1985-1986

In Geheimgesprächen verspricht Washington Teheran Waffenlieferungen, im Gegenzug sollen amerikanische Geiseln im Libanon befreit werden. Mit den Gewinnen finanzieren die USA Rebellen in Nicaragua. Der Iran-Contra-Skandal bringt die US-Regierung in Bedrängnis.

1988

Ein US-Kriegsschiff schießt einen iranischen Airbus über dem Golf ab, alle 290 Passagiere sterben.

1995

Wegen angeblicher Terrorunterstützung und dem Streben nach Massenvernichtungswaffen verhängt US-Präsident Bill Clinton ein umfassendes Handelsembargo gegen den Iran.

2001

Washington beschuldigt Teheran, direkt in einen Anschlag auf US-Soldaten in Saudi-Arabien verwickelt zu sein. Der US-Geheimdienst CIA bezichtigt den Iran, ein Atomwaffenprogramm zu verfolgen.

2002

Präsident George W. Bush bezeichnet den Iran, den Irak und Nordkorea als „Achse des Bösen“. Washington würde nicht tatenlos zusehen, wenn diese Länder versuchten, die USA mit Massenvernichtungswaffen zu bedrohen.

2004

Auf Drängen der EU verzichtet der Iran auf sein Programm zur Urananreicherung. Die USA bleiben misstrauisch.

2005

Die USA beschuldigen Irans Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, Kopf der Geiselnahme von 1979 in Teheran gewesen zu sein.

2007

US-Behörden erklären, im Irak festgenommene Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden hätten sich aktiv am Krieg gegen US-Truppen beteiligt. Man habe zudem Beweise dafür, dass mit von Teheran gelieferten Waffen US-Soldaten im Irak getötet wurden.

2008

Der Iran droht für den Fall eines Angriffs auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen und testet bei einem Großmanöver Raketen. Im Persischen Golf gibt es mehrere Zwischenfälle von US-Schiffen mit iranischen Schnellbooten. Es fallen Warnschüsse.

2009

Iranische Militärs nehmen im Grenzgebiet zum Irak drei US- Touristen fest. Nach einer Verurteilung wegen Spionage zu acht Jahren Haft kommt der erste 2010 frei, die beiden anderen im September 2011.

2010

US-Präsident Barack Obama setzt im Streit um das iranische Atomprogramm neue umfangreiche Sanktionen gegen Teheran in Kraft.

2011

Im Oktober werfen die USA dem Iran ein Mordkomplott vor: Für das geplante Attentat an einem saudischen Diplomaten macht US-Justizminister Eric Holder den militärischen Arm der iranischen Revolutionsgarden, Al-Kuds, verantwortlich. Ende des Jahres verschärfen die USA ihre Sanktionen wegen des umstrittenen iranischen Atomprogramms. Im Dezember kündigt der Iran eine Reaktion auf die angebliche Verletzung seines Luftraums durch ein US-Aufklärungsflugzeug an. Am 4. Dezember vermeldet der Iran, die Armee habe in einer östlichen Provinz eine unbemannte Drohne des Typs RQ170 abgeschossen.

Mit einer verkappten Drohung reagierte das iranische Militär. Es werde eine nicht näher erläuterte Reaktion geben. Ein solcher Schritt werde nicht auf die eigenen Landesgrenzen beschränkt sein, zitierte der Sender IRIB am Sonntag eine Stellungnahme der Streitkräfte. Die Drohne sei nur geringfügig beschädigt worden und sei nun im Besitz des Irans, hieß es weiter.

Eskaliert war der Streit um das Atomprogramm, als Ende November mehrere hundert Demonstranten die britische Botschaft in Teheran verwüstet hatten. Der Iran musste alle Diplomaten aus London abziehen. Deutschland, Frankreich und mehrere andere Länder zogen ihre Botschafter aus Teheran ab. Sollte sich der Drohnen-Abschuss bewahrheiten, könnte das die Krise weiter verschärfen.

Die EU-Außenminister hatten erst am vergangenen Donnerstag Wirtschaftssanktionen gegen das Land beschlossen. Iranisches Öl soll nicht mehr eingeführt werden und das Finanzsystem von dem des Westens abgeschnitten werden. Kurz nach den EU-Beschlüssen stimmte der US-Senat für neue Sanktionen gegen die Teheraner Zentralbank. 

Der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi ist ungeachtet der Spannungen Gast bei der Internationalen Afghanistan-Konferenz in Bonn, die heute beginnt. Am Sonntag traf Salehi mit Bundesaußenminister Guido Westerwelle zusammen. Über Inhalte des Gesprächs wurde zunächst nichts bekannt.

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