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08.09.2015

01:20 Uhr

Drohnenangriff in Syrien

Briten flogen Luftangriff auf IS-Kämpfer

Die Luftwaffe Großbritanniens hat Ende August einen Angriff auf Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien geflogen. Das gab Premier David Cameron nun bekannt. Drei IS-Kämpfer seien dabei getötet worden.

Bei dem Präzisionsangriff mit einer ferngesteuerten Drohne (hier eine Drohne der US-Luftwaffe) auf ein fahrendes Fahrzeug sei unter anderen der britische IS-Kämpfer Reyaad Khan getötet worden, berichtet der britische Premier Cameron. dpa

Kampfdrohne

Bei dem Präzisionsangriff mit einer ferngesteuerten Drohne (hier eine Drohne der US-Luftwaffe) auf ein fahrendes Fahrzeug sei unter anderen der britische IS-Kämpfer Reyaad Khan getötet worden, berichtet der britische Premier Cameron.

LondonDer britische Premierminister David Cameron hat bekannt gegeben, dass die Luftwaffe seines Landes Ende August erstmals die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien angriff. Vor dem Unterhaus in London sagte Cameron am Montag, bei dem Drohnenangriff in der Nähe von Raka am 21. August seien drei IS-Kämpfer getötet worden, darunter zwei Briten. Auch die französische Regierung bereitet mögliche Luftangriffe gegen den IS in Syrien vor.

Bei dem "Präzisionsangriff" mit einer ferngesteuerten Drohne auf ein fahrendes Fahrzeug sei unter anderen der britische IS-Kämpfer Reyaad Khan getötet worden, sagte Cameron. Es habe sich um einen "Akt der Selbstverteidigung" gehandelt. Cameron sagte weiter, er prüfe einen Militäreinsatz gegen den IS in Syrien. Vor zwei Jahren hatte das Unterhaus einen Syrien-Einsatz abgelehnt.

Der französische Präsident François Hollande sagte in Paris, er habe Aufklärungsflüge über syrischem Gebiet angeordnet, um dort "Angriffe gegen den IS" zu ermöglichen. Anschließend könnten Luftangriffe gegen den IS in Betracht gezogen werden.

Frankreich hatte sich vor einem Jahr den US-geführten Luftangriffen gegen den IS im Irak angeschlossen, ein solches Vorgehen in Syrien aber zunächst ausgeschlossen. Es gehe nun darum, "den Gefahren für unser Land entgegenzutreten", sagte Hollande am Montag. "Von Syrien aus, dafür haben wir Beweise, werden Angriffe gegen mehrere Länder organisiert, auch gegen unser Land."

Der IS sei mit seinen "Massakern" zudem für die Flucht "tausender Familien" aus Syrien und dem Irak verantwortlich. "Wir wollen wissen, was in Syrien gegen uns vorbereitet und was gegen die syrische Bevölkerung unternommen wird", fügte Hollande hinzu. Einen Einsatz von Bodentruppen in Syrien schloss er - wie auch im Irak - aus.

Wie die "New York Times" berichtete, wollen die USA ihr Programm zur Ausbildung gemäßigter Kämpfer gegen den Islamischen Staat gründlich überarbeiten. Geprüft werde unter anderem, das Kontingent der von US-Militärs in der Türkei und in Jordanien ausgebildeten und dann nach Syrien entsandten Rebellen deutlich zu erhöhen.

Die internationale Koalition gegen den IS

Wie verschiedene Länder sich engagieren

Mehr als 40 Länder beteiligen sich nach Angaben von US-Präsident Barack Obama am Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Motive sind unterschiedlich und nicht jeder greift militärisch ein. Am Luftkrieg in Syrien beteiligen sich nur arabische Verbündete, im Irak sind auch Nato-Länder sowie Australien dabei.

USA

Die mächtigste Militärmacht der Welt organisiert die internationalen Luftangriffe. Ab August wurden zunächst IS-Stellungen im Irak bombardiert. Dabei kann sich Washington auf einen Hilferuf Bagdads berufen. Seit September kamen völkerrechtlich umstrittene Angriffe in Syrien hinzu. Sie galten neben dem IS auch der Al-Kaida-nahen Chorasan-Gruppe. Dabei werden auch Ölförderanlagen und Raffinerien gezielt zerstört. Nach US-Angaben sollten damit die Finanzquellen des IS ausgetrocknet werden. Seit dem 26. September bombardieren die USA auch IS-Stellungen bei der umkämpften Kurdenstadt Kobane in Nordsyrien. Die USA bilden zudem syrische Rebellen für den Kampf gegen den IS und die Regierung in Damaskus aus und liefern Waffen.

Arabische Staaten

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Jordanien unterstützen die USA bei Luftangriffen in Syrien. Die Golfmonarchien sind vom IS bedroht, dessen „Kalifat“ einen Anspruch auf Herrschaft über alle Muslime erhebt. Zugleich drängen sie die USA auch zum Sturz der syrischen Regierung, die ihrerseits gegen die Islamisten einen Kampf um Leben und Tod führt.

Türkei

Die türkische Regierung leistet weiterhin nur humanitäre Hilfe und hat nach eigenen Angaben rund 200.000 Flüchtlinge aus der umkämpften Region Kobane aufgenommen. Die Regierung in Ankara hat ein Mandat des Parlaments, militärisch in Syrien und dem Irak gegen Terrororganisationen vorzugehen. Sie fordert für ein Eingreifen aber eine umfassende internationale Strategie, die den Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad einschließt. Die Forderung nach einem Korridor für kurdische Volksschutzeinheiten durch die Türkei hat sie abgelehnt. Der Nato-Staat hat auch dem Anti-IS-Bündnis nicht die Nutzung türkischer Stützpunkte erlaubt.

Frankreich

Als erstes EU-Land hat Frankreich im August Waffen geliefert und auch Luftangriffe auf IS-Stellungen im Irak geflogen. Dazu kommt Waffen- und Ausbildungshilfe für die irakischen Kurden.

Großbritannien

Washingtons engster Verbündeter fliegt ebenfalls Luftangriffe im Irak. Das Mandat des Parlaments schließt den Einsatz von Bodentruppen aus und beschränkt sich auf Einsätze im Irak. London liefert zudem Waffen an die irakischen IS-Gegner und leistet humanitäre Hilfe.

Dänemark

Als einziges skandinavisches Land beteiligt sich Dänemark mit F16-Kampfflugzeugen am Kampf gegen den IS. Außerdem will Kopenhagen Militärausbilder entsenden.

Belgien

Für Luftangriffe gegen IS-Stellungen im Irak stellt Belgien sechs Jagdbomber vom Typ F-16 zur Verfügung. Zusammen mit den Kampfjets wurden rund 120 belgische Soldaten nach Jordanien verlegt.

Niederlande

Den Haag beteiligt sich mit sechs F-16 an dem Kampf. Zudem wurden rund 250 Soldaten nach Jordanien entsandt. Zusätzlich sollen 130 Militärausbilder irakische und kurdische Truppen ausbilden.

Australien

Australiens Luftwaffe beteiligt sich im Irak am Kampf gegen den IS. Dafür werden 600 Soldaten abgestellt. Die Basis ist Dubai.

Kanada

Kanada will sich an Luftangriffen gegen den IS im Irak beteiligen. Das Parlament erteilte der Regierung dafür ein Mandat.

Deutschland

Die Regierung schließt eine direkte Kriegsbeteiligung aus und beschränkt sich auf die Unterstützung der irakischen IS-Gegner. Dazu werden Infanteriewaffen wie Gewehre, panzerbrechende Waffen und andere Ausrüstungsgüter geliefert. Zudem werden irakisch-kurdische Kämpfer im Umgang mit Waffen und mit Minenräumgerät ausgebildet.

Anderweitiges Engagement

Länder wie ITALIEN, SPANIEN, GRIECHENLAND, BULGARIEN, TSCHECHIEN, die SLOWAKEI, PORTUGAL, POLEN oder NORWEGEN liefern Waffen, bilden Kämpfer gegen den IS aus oder leisten humanitäre Hilfe. Zypern stellt eine Basis für Luftangriffe zur Verfügung.

Israel

Ob sich der jüdische Staat am Kampf gegen den IS beteiligt, ist unklar. Ein hochrangiges Mitglied der Armee sagte, der jüdische Staat leite Geheimdiensterkenntnisse über den IS an die USA weiter.

Iran

Der Iran ist zwar nicht Teil der Anti-IS-Koalition, aber eines der ersten Länder, die den Irak und die Kurden mit Waffen beliefert haben. Laut Teheran wäre ohne diese frühe Hilfe schon der ganze Irak von der IS erobert worden. Anders als die Türkei und Saudi Arabien steht der Iran aber hinter Syriens Präsidenten Baschar al-Assad.

Weiter schrieb die Zeitung unter Berufung auf nicht namentlich genannte Regierungsmitarbeiter, die Rebellen sollten künftig in anderen Regionen als bisher eingesetzt werden, wo sie mit mehr Unterstützung aus der örtlichen Bevölkerung rechnen könnten. Notwendig sei außerdem, die Kampftruppe gegen den IS besser mit Geheimdienstinformationen zu versorgen.

Ursprünglich sah das vom US-Kongress im vergangenen Jahr gebilligte Programm vor, 5000 Kämpfer für die Truppe zu rekrutieren. Doch aufgrund strenger Aufnahmekriterien wurden dem Blatt zufolge nur dutzende Rebellen ausgebildet. Al-Kaida-nahe Kräfte hätten im Juli viele der 54 nach Syrien eingeschleusten Kämpfer angegriffen. Außerdem seien mehrere Kämpfer verschleppt worden.

Die russische Regierung bezeichnete unterdessen die von Washington geäußerte Sorge als unbegründet, Moskau könne militärisch in Syrien eingreifen und die dortigen Regierungstruppen im Kampf gegen den IS unterstützen. Eine Sprecherin des Außenministeriums in Moskau sagte, Russland liefere "Militärmaterial an die syrischen Behörden für deren Antiterrorkampf". Eine Ausweitung der militärischen Unterstützung für Damaskus sei ihr nicht bekannt.

Aus griechischen Regierungskreisen hieß es am Montag, Athen prüfe ein Ersuchen Washingtons, russischen Flugzeugen den Überflug nach Syrien zu verweigern. Die Anfrage sei allerdings erst am Samstag eingegangen. Russland ist ein Verbündeter des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad.

Dschihadisten eroberten derweil nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte Teile des letzten noch von Regierungstruppen kontrollierten größeren Ölfelds des Landes. Die Produktion im Dschasal-Ölfeld in der Provinz Homs sei zum Erliegen gekommen. Die Beobachtungsstelle stützt sich auf Informanten vor Ort, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite schwer zu überprüfen.

Von

afp

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