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23.05.2013

02:34 Uhr

Drohnenangriffe

USA geben Tötung von US-Bürgern zu

Die USA haben den US-Bürger Anwar al-Aulaqi im Jemen gezielt durch eine Drohne getötet - ohne dass ihm der Prozess gemacht wurde. Der Tot dreier weiterer US-Bürger wurde bei Drohnenangriffen billigend in Kauf genommen.

Der US-Bürger Anwar al-Awlaki im Jemen, der von einer Drohne getötet wurde. ap

Der US-Bürger Anwar al-Awlaki im Jemen, der von einer Drohne getötet wurde.

WashingtonDie USA haben nach anderthalb Jahren erstmals die Tötung des radikalislamischen US-Geistlichen Anwar al-Aulaqi im Jemen eingeräumt. Aulaqi sei bei einem Anti-Terror-Einsatz im September 2011 gegen Al Kaida und ihre Verbündeten getötet worden, erklärte US-Justizminister Eric Holder am Mittwoch in einem Brief an den Kongress.

Der Drohnen-Angriff - obwohl lange unbestätigt - hatte heftige Debatten in den USA ausgelöst. Denn dabei waren Aulaqi und ein weiterer US-Bürger getötet worden, obwohl sie niemals wegen eines Verbrechens angeklagt worden waren.

Holder bestätigte überdies, dass neben Aulaqi seit 2009 drei weitere US-Bürger bei Anti-Terror-Einsätzen getötet worden seien: Samir Khan, Abdulrahman al-Aulaqi und Jude Kenan Mohammed. Mohammed stand auf der FBI-Liste der meistgesuchten Terroristen. Er war beschuldigt worden, zum zehnten Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 Anschläge auf Brücken und Tunnel in New York geplant zu haben.

In der Debatte nach dem Tod Aulaqis ging es darum, ob der US-Präsident gezielte Tötungen gegen US-Bürger anordnen darf, wenn diese zwar unter Terrorismusverdacht stehen, aber kein Verfahren gegen sie läuft. Die offizielle Bestätigung der Tötungen erfolgte einen Tag, bevor Präsident Barack Obama am Donnerstag eine Rede über seine Strategie im Kampf gegen den Terrorismus hält. In der Rede vor der Universität des US-Militärs in Washington will Obama über "den politischen und rechtlichen Rahmen" für das Vorgehen gegen extremistische Bedrohungen sprechen, verlautete aus dem Weißen Haus.

Von

dpa

Kommentare (9)

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Kamich

23.05.2013, 04:43 Uhr

Prinzipiell könnte es einem Europäer eigentlich egal sein,
wenn die USA eigene Bürger exekutieren. Ein Land, in dem
die Todesstrafe vielfach anerkannt wird, bleibt seinen
Prinzipien treu - ja wenn es denn wirklich stichhaltige
Beweise für die Schuld der Opfer gäbe. Sobald man aber
auf rechtstaatliche Verfahren verzichtet erinnert das
an das Motto von Chaoten : "legal, illegal, scheissegal".
Die USA befinden sich erklärtermassen im Kriegszustand
gegen den Terrorismus - weltweit. Die Vorgehensweise
aber wird das Ansehen der USA in einer immer komplexeren Welt schädigen, wie auch die Angelegenheit Guantanamo.
Ümgekehrt ist eine "erfolgreiche" Drohnenpolitik gut fürs
Geschäft, so mancher Staatschef wünscht sich mehr Info und Kontrolle bis hin zur Liquidation seiner Konkurrenten.
Die Möglichkeiten sind so verlockend, dass das Recht bzw.
Moral zu kurz kommen werden, ne Staatsbürgerschaft sowieso

ein_Liberaler

23.05.2013, 08:12 Uhr

Seit Guantanamo kann niemand mehr glauben, dass die USA ein demokratischer Rechtsstaat sind. Sie fallen hinter die Forderungen der Aufklärung nach Gewaltenteilung zurück. Die Todesstrafe ist schon schlimm und inakzeptabel genug. Wenn es aber keinen Richter mehr braucht, sondern der amerikanische Präsident, ja Obama höchstselbst weltweit Mordbefehle erteilt und sie dann von seinen Leuten weltweit ohne Anklage exekutiert werden, dann ist er nicht von höherer moralischer Qualität, als Hitler und Stalin. Er hat zwar weniger Morde auf seinem Konto, aber Mord bleibt Mord, auch mit Drohnen. Wann kommt Obama endlich vor den Internationalen Gerichtshof, wie andere Mehrfachmörder auch. Die USA sind genau das Unrechtsregime, dass sie anderorts anprangern. Ein Ort widerwärtigster Doppelmoral.

Account gelöscht!

23.05.2013, 08:36 Uhr

Dass die Unterscheidung zwischen US-Bürger und Nicht- US-Bürger bei der feigen Ermordung von Menschen aus der Luft eine Rolle spielt, zeigt einmal mehr die Doppelmoral der Amerikaner.

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