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30.06.2015

13:49 Uhr

Droht ein neuer „Ruby“-Prozess?

Silvio Berlusconi soll Zeugen bestochen haben

In der Affäre um die „Bunga-Bunga“-Partys mit zum Teil minderjährigen Prostituierten droht Silvio Berlusconi ein weiterer Prozess. Der Ex-Regierungschef Italiens soll Frauen für entlastende Aussagen bestochen haben.

Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi muss sich eventuell ein weiteres Mal vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Zeugen im sogenannten „Bunga-Bunga“-Prozess bestochen zu haben. dpa

Silvio Berlusconi

Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi muss sich eventuell ein weiteres Mal vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Zeugen im sogenannten „Bunga-Bunga“-Prozess bestochen zu haben.

MailandItaliens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi droht in der Affäre um „Bunga-Bunga“-Partys in seiner Villa ein weiterer Prozess. Die Staatsanwaltschaft sei nach Abschluss ihrer Ermittlungen überzeugt, dass der 78-Jährige mehrere Frauen für Aussagen zu seinen Gunsten bestochen haben soll, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa am Dienstag unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft in Mailand. Es wird erwartet, dass sie die Eröffnung eines Verfahrens beantragt.

Berlusconi und den Frauen, darunter die Marokkanerin Karima El Mahroug, genannt „Ruby“, werden Korruption und Falschaussagen vorgeworfen. Der Staatsanwaltschaft zufolge soll Berlusconi den jungen Frauen im Gegenzug für ihr Schweigen oder ihre Falschaussagen zu den Geschehnissen in seiner Villa über 10 Millionen Euro gezahlt haben. Allein „Ruby“ soll etwa 7 Millionen Euro erhalten haben.

Chronik: Berlusconi im Ruby-Prozess

27. Mai 2010:

In Mailand wird die 17-jährige Marokkanerin Ruby - mit richtigem Namen Karima El Mahroug - wegen mutmaßlichen Diebstahls festgenommen. Berlusconi meldet sich persönlich bei der Polizei und erwirkt ihre Freilassung.

14. Januar 2011:

Die Staatsanwaltschaft ermittelt im „Fall Ruby“ gegen Berlusconi wegen Amtsmissbrauchs und Umgangs mit minderjährigen Prostituierten.

15. Februar 2011:

Eine Ermittlungsrichterin entscheidet: Berlusconi muss sich wegen Ruby in einem Schnellverfahren vor Gericht verantworten.

5. April 2011:

Das Abgeordnetenhaus folgt einem Antrag aus Berlusconis Mitte-Rechts-Lager und erklärt die Mailänder Justiz im „Ruby- Verfahren“ für nicht zuständig. Das Votum hat zunächst keine Auswirkung auf das anstehende Verfahren.

6. April 2011:

Der Prozess beginnt in Mailand und wird bereits nach fünf Minuten vertagt. Weder Berlusconi noch Ruby sind anwesend.

12. November 2011

Wegen zu geringen Rückhalts unter den Abgeordneten tritt Berlusconi von seinem Amt als Regierungschef zurück.

19. Oktober 2012:

Berlusconi beteuert vor Gericht, er habe niemals intime Beziehungen zu dem minderjährigen Partygirl gehabt. Er sei überzeugt gewesen, dass sie beim Treffen 24 Jahre alt gewesen sei.

4. April 2013

Ruby erklärt vor den Toren des Gerichts: „Ich hatte nie Geschlechtsverkehr gegen Geld und ich hatte nie Geschlechtsverkehr mit Silvio Berlusconi“. Sie fordert, im Prozess aussagen zu dürfen. Ihre Befragung war mehrfach verschoben worden.

13. Mai 2013

Die Staatsanwaltschaft fordert für den Ex-Regierungschef eine Haftstrafe von sechs Jahren. Zudem soll ihm lebenslang verboten werden, öffentliche Ämter zu bekleiden.

17. Mai 2013

In einem Nebenverfahren sagt Ruby aus, sie habe sich bei den „Bunga-Bunga-Partys“ als 19-jährige Verwandte des damaligen ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak ausgegeben. Berlusconi hatte erklärt, er habe bei der Polizei angerufen, um diplomatische Probleme mit Kairo zu vermeiden.

31. Mai 2013

Im Nebenverfahren fordert die Anklage sieben Jahre Haft für drei Vertraute Berlusconis. Diese hätten die Frauen für die Feste organisiert und sich der Herbeiführung und Begünstigung der Prostitution Minderjähriger schuldig gemacht.

Insgesamt 21 Frauen, die im „Ruby“-Prozess für Berlusconi ausgesagt hatten, sollen Geld von dem Milliardär erhalten haben. Der dreimalige Regierungschef war im März in dem spektakulären Prozess um Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch in letzter Instanz freigesprochen worden.

Die Anklage hatte ihm vorgeworfen, bei den „Bunga-Bunga“-Partys in seiner Villa Arcore bei Mailand Sex mit minderjährigen Prostituierten gehabt zu haben, darunter auch „Ruby“.

Von

dpa

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