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04.06.2016

17:46 Uhr

Drohungen nach Armenien-Resolution

Erdogan von Merkel enttäuscht

Niemals werde die Türkei die Anschuldigung eines Völkermords akzeptieren, wettert Präsident Erdogan. Angeblich hatte ihm die Kanzlerin versprochen, die Resolution zu verhindern. Dann lässt er dunkle Drohungen folgen.

Der türkische Staatspräsident sagt in Interviews, die Kanzlerin habe ihm versprochen, alles zu tun, um die Armenien-Resolution zu verhindern. dpa

Erdogan gibt sich enttäuscht von der Kanzlerin

Der türkische Staatspräsident sagt in Interviews, die Kanzlerin habe ihm versprochen, alles zu tun, um die Armenien-Resolution zu verhindern.

AnkaraNach der Völkermord-Resolution im Bundestag hat sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan enttäuscht über Kanzlerin Angela Merkel geäußert. Er verstehe nicht, warum die CDU-Vorsitzende es nicht geschafft habe, ihre eigene Partei dazu zu bringen, gegen die Resolution zu stimmen, sagte Erdogan in einem am Samstag in mehreren türkischen Medien veröffentlichten Interview.

Am Donnerstag hatte der Bundestag die Massaker an Armeniern während des Ersten Weltkrieges durch das Osmanische Reich als Völkermord verurteilt. Nach armenischer Darstellung wurden damals bis zu 1,5 Millionen Menschen getötet. Die Türkei spricht von deutlich weniger Toten und lehnt den Begriff Genozid vehement ab.

Erdogan sagte, die Kanzlerin habe ihm versprochen, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um die Annahme der Resolution zu verhindern. „Nun frage ich mich: Wie werden deutsche Spitzenpolitiker, nach einer solchen Entscheidung, mir und unserem Premier persönlich gegenübertreten können?“

Zur Person von Recep Tayyip Erdoğan

Student der Wirtschaftswissenschaften

Recep Tayyip Erdogan wird am 26. Februar 1954 in Istanbul geboren. An der Istanbuler Marmara-Universität studiert er Wirtschaftswissenschaften.

Bürgermeister von Istanbul

Von 1994 bis 1998 war Erdogan Oberbürgermeister von Istanbul.

Gefängnisstrafe

1999 sitzt Erdogan wegen Schüren religiösem Hasses für vier Monate im Gefängnis. Anlass war eine Rede, in der er aus einem religiösen Gedicht, das Ziya Gökalp zugeschrieben wird, zitiert hatte.

Gründung der AKP

2001 gründet Erdogan zusammen mit anderen Politikern die Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP).

Wahlsieg 2002

Bei der Parlamentswahl am 3. November 2002 wird die AKP deutlicher Wahlsieger. Wegen seiner Vorstrafe darf Erdogan nicht für einen Parlamentssitz kandidieren. Da nur ein Parlamentsabgeordneter in der Türkei Ministerpräsident werden darf, wird der AKP-Politiker Abdullah Gül neuer Regierungschef.

Nach einer Verfassungsänderung darf Erdogan trotz seiner Vorstrafe bei den Nachwahlen am 9. März 2003 antreten und zieht in das Parlament ein. Nur wenige Tage danach reicht Ministerpräsident Gül seinen Rücktritt ein und Erdogan wird neuer Regierungschef.

Parlamentswahl 2007 und 2011

Im Jahr 2007 gewinnt die AKP erneut die Parlamentswahlen. Erdogan wird zum zweiten Mal Ministerpräsident. Auch 2011 gewinnt die AKP. Erdogan holt rund 50 Prozent der Stimmen. 

Bürgerproteste 2013

Die Regierung Erdogan ging im Mai 2013 mit Gewalt gegen Proteste gegen ihn vor, die, ausgehend vom Istanbuler Taksim-Platz, auch auf andere Städte übergriffen. Dieses Vorgehen löste heftige Kritik in der Türkei aus.

Präsidentschaft 2014

Im Jahr 2014 wird Erdogan in der ersten Direktwahl zum Staatspräsident der Türkei gewählt. Er erreicht bereits im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit. Erdogan wird am 28. August 2014 als neuer Präsident vereidigt.

Familie

Seit Juli 1978 ist Erdogan mit Emine Erdogan, geborene Gülbaran, verheiratet. Das Paar hat zwei Söhne und zwei Töchter: Ahmet Burak und Necmeddin Bilal sowie Esra und Sümeyye. Erdogan ist dreifacher Großvater.

Er warnte, Deutschland könne einen „wichtigen Freund“ verlieren und verwies ausdrücklich auf die Millionen türkischstämmigen Menschen in Deutschland. Sanktionen gegen die Bundesrepublik wollte er ausdrücklich nicht ausschließen.

Erdogan warnte laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Anadolu, der Türkei gebühre eine „faire“ Behandlung. Andernfalls werde die Türkei für die EU nicht länger als Barriere für Flüchtlinge einspringen.

„Wir werden die Anschuldigung eines Völkermords niemals akzeptieren“, sagte Erdogan. Und speziell Deutschland habe kein Recht, in dem Punkt Urteile zu fällen, sagte Erdogan mit Blick auf die Verbrechen Deutschlands während der NS-Diktatur und in Namibia. Zwischen 1904 und 1908 hatten Kaiserliche Truppen in Deutsch-Südwest Zehntausende Herero und Nama ermordet.

Erdogan sagte dem Blatt „Daily Sabah“ zufolge, in Deutschland, auch in Teilen der Medien, gebe es Gruppen, die der Türkei offen feindlich gegenüber stünden. Diese seien in Verschwörungen gegen sein Land verwickelt. Der Plan für die Abstimmung müsse auch von einem „übergeordneten Kopf“ gekommen sein.

Von

dpa

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