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28.01.2012

13:47 Uhr

Druck auf Eurozone wächst

„Show me your Money“

VonTorsten Riecke

Die starken Länder Europas sollten mehr für das Wachstum tun, mahnte IWF-Chefin Christine Lagarde auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Andere Teilnehmer befanden: Europa solle sich erst einmal selbst helfen.

Ein Kongressraum in Davos AFP

Ein Kongressraum in Davos

Im traditionellen Ausblick für die Weltwirtschaft auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos forderten Vertreter von Ländern außerhalb der Euro-Zone ein schnelles und entschlossenes Handeln, um die europäische Schuldenkrise in den Griff zu bekommen. "Jetzt ist die Zeit", sagte Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF). Sie nannte zwar Deutschland nicht beim Namen, ließ jedoch keinen Zweifel daran, dass sie die Bundesrepublik zu jener "Hand voll Länder" zählt, die nach ihrer Ansicht finanziell stark genug sind, um mehr für das Wachstum zu tun. Nicht alle könnten das, man müsse deshalb immer die Lage der einzelnen Länder im Auge behalten.

Neben staatlichen Konjunkturhilfen forderte Lagarde auch, den finanziellen Schutzwall in der Euro-Zone zu erhöhen. Nur so sei es möglich, ein Überspringen des Krisenvirus auf weitere Länder zu verhindern und Vertrauen in die Finanzmärkte zurückzubringen. "Je größer der Schutzwall ist, desto unwahrscheinlicher wird es, dass wir ihn überhaupt nutzen müssen", sagte die Französin voraus. Der kanadische Notenbankchef Mark Carney hält die Mittel der beiden europäischen Rettungsfonds EFSF und ESM ebenfalls für nicht ausreichend.

"Wenn alles unsicher ist, ist alles möglich"

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Sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch Finanzminister Wolfgang Schäuble hatten zuvor bei ihren Auftritten in Davos die Hoffnungen auf zusätzliche Finanzhilfen aus Deutschland gedämpft. Dies wohl vor allem deshalb um den Reformdruck für Griechenland bei den Verhandlungen über eine Umschuldung aufrechtzuerhalten.

Der britische Schatzkanzler George Osborne forderte die Euro-Länder auf, schnell eine Lösung mit Athen zu finden. "Hier wedelt der Schwanz mit dem Hund", sagte der Brite in Anspielung auf die geringe wirtschaftliche Bedeutung Griechenlands. Auch Donald Tsang, Verwaltungschef von Hongkong, drückte aufs Tempo. Noch nie sei er in seiner beruflichen Karriere so in Sorge um die Weltwirtschaft gewesen, sagte der Chinese. Und das, obwohl es Schwellenländern wie China mit voraussichtlichen Wachstumsraten von rund acht Prozent noch gut gehe. Einig waren sich die Politiker jedoch, dass kein Land auf der Welt gegen die Folgen der Euro-Krise immun sei.

Tsang drückte zudem das Unverständnis in vielen Emerging Markets darüber aus, dass die Europäer die bittere Medizin der Strukturreformen nicht schlucken wollten. Weltbank-Präsident Bob Zoellick sprach gar von "Verachtung", mit der viele Politiker aus den Schwellenländern inzwischen auf das mangelhafte Krisenmanagement Europas schauten. Tsang erinnerte daran, dass Asien nach der Finanzkrise Ende der 90er Jahre ebenfalls harte Maßnahmen ergreifen musste, um wieder auf die Füße zu kommen. "Die Europäer sollten mehr mit den Asiaten reden", hatte Stephen Roach, der frühere Asien-Chef der amerikanischen Großbank Morgan Stanley, bereits zuvor geraten. Dort seien durch die Reformen selbst Länder wieder wettbewerbsfähig geworden, von denen man es nie erwartet hätte.

Der Unmut außerhalb Europas könnte es den Euro-Ländern erschweren, beim IWF zusätzliche Hilfen für die Schuldenländer locker zu machen. Zwar warb Lagarde für internationale Solidarität und hielt symbolisch ihre Handtasche hoch, um mehr Finanzmittel einzusammeln. Doch sowohl der Brite Osborne als auch seine Kollege Motohisa Furukawa aus Japan betonten, dass Europa sich zunächst einmal selbst helfen müsse. Erst dann seien andere Nationen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) bereit, ihre Brieftasche zu öffnen. "Zeigt uns erstmal die Farbe eures Geldes", forderte der Brite seine EU-Partner auf.

Kommentare (17)

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Account gelöscht!

28.01.2012, 14:34 Uhr

Ach ja, Europa soll auf Asien blicken ...

Dabei reicht es schon, wenn die anderen Euroländer die gleichen Reformen wie Deutschland durchführen. Aber stattdessen ist es ja einfacher, von Deutschland zu fordern, noch mehr Geld locker zu machen.

Außerdem ist das auch ziemlich blödes Gerede: Wenn ein Euroland wieder wettbewerbsfähiger wird, bedeutet das für ein Schwellenland, dass es ebenfalls nachlegen muss. Eine schöne Abwärtsspirale zuungunsten der Arbeitnehmer.

Andererseits ist es ja sehr sinnvoll, wenn europäische Unternehmen in Europa produzieren und nicht irgendwo in Asien. Und dies wird bei halbwegs gleichen Produktionskosten und Standortsicherheit auch geschehen.

Vertrag

28.01.2012, 14:44 Uhr

Wenn Christine Lagarde das durchsetzt, ist Europa nicht mehr zu halten. Schon jetzt ist es fraglich wie lange Merkel noch ihrer Linie treu bleibt, wenn man das überhaupt noch so nennen kann.

rxm

28.01.2012, 16:16 Uhr

Tja, mit den Reformen ist es in Europa ja wirklich nicht weit her. Selbst in Frankreich soll das Renteneintrittsalter wieder von 62 auf 60 Jahre reduziert werden, wenn die Solzialisten die nächste Wahl dort gewinnen. Da braucht Lagarde nicht mit dem Finger nach D zu zeigen. Wenn manche Länder in der Eurozone nicht für Reformen bereit sind, müssen sie die Eurozone eben verlassen.

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