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06.02.2012

23:45 Uhr

Druck auf Griechenland

Ein Sonderkonto, damit die Zinsen auch ja fließen

Deutschland und Frankreich drängen darauf, dass die Griechen Geld zur Zinszahlung auf einem Extrakonto zurücklegen. Europa will zudem eine schnelle Einingungs Athens mit der Troika - aber die Griechen spielen auf Zeit.

Merkel und Sarkozy warnen Griechenland

Video: Merkel und Sarkozy warnen Griechenland

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Paris/Berlin/MainzDeutschland und Frankreich verlieren die Geduld mit Griechenland. Um die Schuldenkrise endlich in den Griff zu kriegen, haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ein Sonderkonto zur Tilgung griechischer Schulden vorgeschlagen. Sie und Sarkozy hätten sich auf die Idee verständigt, dass die Zinszahlungen des Landes auf seine Schulden aus einem Sonderkonto kommen sollten, damit „wir eine Sicherheit haben, dass Griechenland seine Schulden bedienen kann“, sagte Merkel in Paris gegenüber Journalisten.

Unterdessen verhandelte der griechische Ministerpräsident Lucas Papademos am Montagabend mit Vertretern der Troika aus Europäischer Union, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank über ein zweites Finanzierungspaket für das Land. Die griechische Regierung signalisierte im Vorfeld, dass sie dazu bereit sie, den geforderten Abbau von 15.000 Beamtenstellen in diesem Jahr doch mitragen zu wollen. Falls sich die die Regierung tragenden Parteien in Athen in diesen Fragen nicht verständigten, solle dem Land der Kredithahn zugedreht und das vereinbarte zweite Rettungspaket im Volumen von 130 Milliarden Euro nicht auf den Weg gebracht werden. Dies machte etwa die Bundeskanzlerin unmissverständlich in Paris deutlich: „Ich will bekräftigen: Es kann keine Einigung geben, wenn Troika-Vorschläge nicht umgesetzt werden.“

Merkel zeigte sich sichtlich ungeduldig über den Fortgang der Verhandlungen, bei denen in Aussicht gestellte Einigungen in den vergangenen Wochen immer wieder verschoben wurden. „Ich kann wirklich nicht nachvollziehen, wie weitere Tage helfen sollen. Zeit ist jetzt der Schlüssel. Für die gesamte Euro-Zone steht viel auf dem Spiel“, sagte sie. Ein für Montag geplantes Treffen der Vorsitzenden der griechischen Koalitionsparteien über Zugeständnisse für eine weitere europäische Rettungszahlung war indes auf Dienstag verschoben worden. Die Unterschriften der Chefs der drei größten Parteien des Landes sind nötig, bevor das Rettungspaket festgezurrt werden kann. Dazu sollten sich eigentlich am Mittwoch die Euro-Finanzminister treffen, doch ein endgültiger Termin steht noch nicht fest.

Die Nerven liegen entsprechend blank: „Die Frist ist bereits verstrichen“, warnte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel. Merkel und Sarkozy forderten die griechische Regierung und alle Parteien in Athen mit deutlichen Worten auf, die zugesagten Reformen bedingungslos umzusetzen. Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone sei aber kein Thema, betonten beide.

Ultimatum an Griechenland gibt Anlegern zu denken

Video: Ultimatum an Griechenland gibt Anlegern zu denken

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EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy würdigte am Montagabend in Berlin die bisherigen Bemühungen Griechenlands zur Überwindung der Schuldenkrise, mahnte aber gleichzeitig weitere Anstrengungen an. In der Humboldt-Universität sagte er, Regierung und Parlament in Athen hätten „beeindruckende Schritte“ unternommen. „Aber es ist nicht genug“, fügte er hinzu. „Griechenland ist nicht nur für sich selbst verantwortlich, sondern für die Währungsunion insgesamt.“

Kommentare (74)

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Kowalski

06.02.2012, 14:33 Uhr

ein Sonderkonto für griechische Staatseinnahmen zur schuldentilgung."
Das wird überhaupt nichts bringen. Oder glaubt jemand ernsthaft dass ein auch nur ein einziger griechischer Beamter entgegen der Interessen seines Volkes, sich zum Europäischen Steuereintreiber "missbrauchen" lässt?
Steuerhinterziehung ist in Griechenland traditionell der Volkssport Nr. 1 !! Bei der Schaffung eines solchen Sonderkontos werden die besten "Sportler" (welche in der griechischen Gesellschaft großen Respekt genießen) zur Hochform auflaufen.

Account gelöscht!

06.02.2012, 14:41 Uhr

Ich bin kein Grieche - und ich finde diesen Vorschlag schlicht unverschämt.
Griechen - wehrt Euch!

Chainy

06.02.2012, 14:46 Uhr

Der Vorschlag ist hervorragend. Weil er nicht umgesetzt wird. Aber die Eurozone immer wackeliger macht.
Solche Politik ist erforderlich, um die Eurokrake zu zerstören. Sonst zerstört sie Europa!

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