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20.08.2013

04:36 Uhr

Druck auf „Guardian“

Britische Zeitung musste Geheimdokumente löschen

Der britische Geheimdienst soll den „Guardian“ wegen des Snowden-Materials massiv unter Druck gesetzt haben. Nach Angaben des Herausgebers sei die Zerstörung von Festplatten in der Redaktion überwacht worden.

Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger: Massiver Druck der britischen Regierung auf die Zeitung. Reuters

Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger: Massiver Druck der britischen Regierung auf die Zeitung.

WashingtonBritische Geheimdienstagenten haben nach Angaben von „Guardian"-Chefredakteur Alan Rusbridger die Zerstörung von Computerfestplatten aus seiner Redaktion überwacht. Damit habe offenbar verhindert werden sollen, dass Einzelheiten aus den Geheimdokumenten in die Hände chinesischer Spione fallen, schrieb Rusbridger in einem Kommentar der Online-Ausgabe seiner Zeitung.

Den Vorgang bezeichnete er als „einen der eher bizarren Momente in der langen Geschichte des Guardians“. Die Dokumente waren der Zeitung vom ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden zugeleitet worden.

Rusbridger zufolge folgte die Zerstörung der Festplatten wochenlangem Druck britischer Behörden, die die Herausgabe oder die Zerstörung von Snowdens Material verlangt hätten. Kurz nach den ersten vom Journalisten Glenn Greenwald im „Guardian“ veröffentlichten Berichten über das Ausmaß der amerikanischen und britischen Spähprogramme sei er von einem ranghohen britischen Regierungsvertreter kontaktiert worden.

Die NSA-Spähaffäre und die Causa Snowden

5.Juni

Die britische Zeitung „The Guardian“ berichtet, dass der Handynetzbetreiber Verizon dem US-Geheimdienst NSA auf der Grundlage eines geheimen Gerichtsurteils täglich Informationen zu allen Telefonanrufen innerhalb der USA sowie zwischen der USA und anderen Ländern übermitteln muss.

6. Juni

Berichten der "Washington Post" und des „Guardian“ zufolge dürfen die NSA und die Bundespolizei FBI auf Serverdaten der Internetkonzerne Google, Microsoft, Yahoo, Facebook, Apple, Youtube, Skype, AOL und PalTalk zugreifen. Das geheime Überwachungsprogramm wurde demnach 2007 eingeführt.

9. Juni

Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, der über Hawaii nach Hongkong geflohen war, gibt sich als Quelle der Enthüllungen zu erkennen. Drei Tage später beschuldigt er Washington, weltweit "hunderttausende Computer" zu überwachen.

21. Juni

Die US-Regierung beschuldigt Snowden der Spionage, des Diebstahls und der illegalen Nutzung von Regierungseigentum. Washington verlangt von Hongkong die Auslieferung des IT-Experten.

23. Juni

Snowden, gegen den inzwischen ein Haftbefehl vorliegt, reist nach Moskau. Sein Reisepass wurde von den US-Behörden ungültig gemacht. Der ecuadorianischen Regierung liegt nach eigenen Angaben ein Asylantrag Snowdens vor. Washington warnt Moskau und Peking vor diplomatischen Konsequenzen.

1. Juli

Putin bietet Snowden ein Aufenthaltsrecht in Russland an, fordert aber, dass der Informant seine Aktivitäten gegen die USA einstellt. Nach Angaben der Plattform „Wikileaks“ hat Snowden in zahlreichen Ländern, darunter Deutschland, um politisches Asyl ersucht.

2. Juli

Mehrere Staaten lehnen Snowdens Asylantrag ab. Nach Ländern wie Deutschland, Österreich, Brasilien, Spanien und Polen erteilen ihm am Tag darauf auch Frankreich und Italien eine Absage.

21. Juli 2013

Das Bundesamt für Verfassungsschutz räumt ein, es teste ein NSA-Spähprogramm, setze es aber derzeit nicht ein. Der „Spiegel“ berichtet, der BND habe sich für eine laxere Auslegung deutscher Datenschutzgesetze eingesetzt, um den Austausch zu erleichtern.

1 .August

Snowden erhält vorläufiges Asyl in Russland und verlässt den Flughafen. Er darf nun ein Jahr lang im Land bleiben, sein russischer Wohnort wird aus Sicherheitsgründen geheimgehalten.

7. August

US-Präsident Barack Obama sagt ein für Anfang September geplantes Einzeltreffen mit Putin am Rand des St. Petersburger G-20-Gipfels wegen der Spannungen um Snowden ab.

31. Oktober

Unter strenger Geheimhaltung trifft der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele Snowden in Russland. Der Informant habe grundsätzliches Interesse, in Deutschland zur NSA-Spähaffäre auszusagen, sagt Stöbele anschließend.

Der habe angegeben, „die Ansicht des Premierministers“ David Cameron zu vertreten. Er habe die Herausgabe oder Zerstörung des Materials verlangt. In mehreren zunehmend schwierigen Treffen sei diese Forderung wiederholt worden, und schließlich seien rechtliche Schritte angedroht worden. Danach habe man der Zerstörung der Festplatten zugestimmt.

„Ihr hattet euren Spaß. Nun wollen wir das Zeug zurückhaben“, hätten sie erklärt. Nach der Zerstörung von Computern in der Londoner Redaktion habe ein Geheimdienstmitarbeiter gewitzelt: „Wir können unsere schwarzen Helikopter auch zurückrufen." Die Berichterstattung seiner Zeitung über die Spähprogramme werde das aber nicht beeinträchtigen.

Der „Guardian“-Journalist Glenn Greenwald hat in den vergangenen Wochen wiederholt Dokumente Snowdens veröffentlicht, wodurch umfangreiche Ausspähungen des US-Geheimdienstes NSA bekannt wurden. Die Veröffentlichungen haben die US-Regierung im In- und Ausland stark unter Druck gesetzt.

Kommentare (58)

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manthra

20.08.2013, 05:31 Uhr

Wie beim KGB während des kalten Kriegs. Spätimperiale Schäume statt realem Liberalismus. Wäre interessant zu wissen, wie sich der britische Geheimdienst politisch strukturiert.

Account gelöscht!

20.08.2013, 05:37 Uhr

Die Machthaber müssen ja immense Angst vor dem Material und Wahrheit haben, daß sie so brachial in die Pressefreiheit eingreifen.
Wieviel, und welchen Dreck hat denn Obama noch am Stecken?
Können nur hoffen, daß Snowdon alles Material weltweit veröffentlicht.
Obama sollte die Maske vom Gesicht gerissen werden und seine Kontrollsucht, sein Kontrollwahn aus Angst vor Machtverlust dem Volk gezeigt werden!
Was Watergate für Nixon war, das sollte die NSA Affäre für Obama werden.

Account gelöscht!

20.08.2013, 06:09 Uhr

Zitat: ""Wir können unsere schwarzen Helikopter auch zurückrufen." Die Berichterstattung seiner Zeitung über die Spähprogramme werde das aber nicht beeinträchtigen."

Und derartige Länder bzw. die politischen Führungen dieser maßen sich an, anderen Bevölkerungsgruppen und Regionen Terror gegen Freiheit und Menschlichkeit zu unterstützen?

Es würde mich nicht wundern, wenn Äußerungen seitens der USA über die "Achse des Bösen und des Terrors" zur Legitimierung ihres Handelns von vielen Menschen nur noch belächelt wird, mit dem gleichzeitigen Vermuten, dass die Wahre Achse des Böse sich zwischen der geheimdienstlichen Organisationen der USA und ihren europäischen Unterstützensystemen aufspannt!

Menschen wie Assagne und Snowden sind die wahren Helden, von welchen es heutzutage viel zu wenige gibt!!!

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