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23.08.2013

10:25 Uhr

Druck auf Nordkorea

Uno untersucht Menschenrechtsverletzungen

Bis zu 120.000 Menschen sitzen in nordkoreanischen Gefangenenlagern. Berichte von Menschenrechtsverletzungen, Folter und Mord häufen sich. Lange hat die Uno das Thema ignoriert, nun werden die Vereinten Nationen aktiv.

Nordkoreanische Soldaten sollen Gefangene beim Training zu Tode geprügelt haben. dpa

Nordkoreanische Soldaten sollen Gefangene beim Training zu Tode geprügelt haben.

SeoulSystematische Vergewaltigungen, Folter und Mord - es sind erschütternde Schilderungen, die nordkoreanische Überläufer bei einer Anhörung der Vereinten Nationen in Seoul diese Woche zu Protokoll gegeben haben. Zugleich zeigen die Aussagen schmerzlich, wie erfolglos die Bemühungen der Vereinten Nationen in den vergangenen Jahren geblieben sind, Nordkorea zu einer würdigeren Behandlung seiner Bürger zu bewegen. Denn das Thema ist lange bekannt.

Doch es gibt neue Hoffnung. Denn nun haben die Vereinten Nationen eine offizielle Untersuchungskommission eingesetzt, die Beweise für Menschenrechtsverletzungen sammeln und die Verantwortlichen klar benennen soll.

Die Empfehlungen der Kommission werden an die Vereinten Nationen und andere internationale Einrichtungen weitergeleitet und könnten so Konsequenzen für Nordkorea haben - zusätzlich zu den bereits verhängten Sanktionen wegen des Atom- und Raketenprogramms des Landes.

Nordkoreas Verbündete

China

Die Volksrepublik ist mit Abstand Nordkoreas größter Exportpartner. Nicht in den Statistiken tauchen umfangreiche Nahrungsmittel- und Energiehilfen auf. Peking hat mehr Einfluss auf Pjöngjang als jeder andere Staat. Allerdings hat auch China Nordkoreas dritten Atomtest verurteilt und den jüngsten Sanktionen des UN-Sicherheitsrats zugestimmt - das zeigt die Verärgerung über den jungen Machthaber Kim Jong Un.

Als Gastgeber organisierte Peking mehrere Runden der Sechs-Parteien-Gespräche zwischen Nordkorea, China, den USA, Südkorea, Japan und Russland. Für ein Ende des Atomwaffenprogramms standen diplomatische Zugeständnisse und Wirtschaftshilfen in Aussicht. Doch Nordkorea ließ die Verhandlungen 2009 platzen und setzt bis heute allein auf Konfrontation.

Iran

Nordkorea ist seit Jahren ein wichtiger Waffenlieferant für Teheran. Nach Angaben der Vereinten Nationen exportierte Pjöngjang auch für Atom-Sprengköpfe geeignete Raketen in den Iran. 2012 vereinbarten das Mullah-Regime und die kommunistische Diktatur eine noch engere Zusammenarbeit. Zu diesem Zweck unterzeichneten Vertreter beider Länder mehrere Kooperationsabkommen im Technologiebereich. Konkret geht es um Energie, Umwelt, Landwirtschaft und Lebensmittel, eine engere Zusammenarbeit bei der Forschung sowie um Austauschprogramme für Studenten.

Russland

Pjöngjang steht in Moskau noch aus sowjetischer Zeit mit rund elf Milliarden US-Dollar in der Kreide. Das Verhältnis der einst engen Verbündeten hat sich in den vergangenen Jahren deutlich abgekühlt. Noch im Sommer 2011 wollten der damalige Kremlchef Dmitri Medwedew und der bereits von Krankheit geschwächte nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il neuen Schwung in die Beziehungen bringen. Sie kündeten zahlreiche gemeinsame Projekte an, doch blieb es meist bei Absichtserklärungen. So scheiterte auch der Bau einer Pipeline, die russisches Erdgas über nordkoreanisches Gebiet nach Südkorea transportieren sollte.

Kuba

Nordkorea und Kuba kooperieren unter anderem in den Bereichen Energie, Landwirtschaft und Biotechnologie. Seit 1960 gibt es diplomatische Beziehungen zwischen Havanna und Pjöngjang. Auf den Tod des „Genossen Kim Jong Il“ im Dezember 2011 reagierte Kubas Regierung mit einer dreitägigen Staatstrauer.

Ob ein weiteres Anziehen der Daumenschrauben bei Pjöngjang einen positiven Effekt haben wird, ist offen. Doch für die Überläufer, die zunehmend frustriert sind über das Versagen der Vereinten Nationen und die Ignoranz der internationalen Gemeinschaft, ist es zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.

„Ihr seid die einzige Hoffnung, diese Menschen zu retten“, sagte Ahn Myung Chul vor der dreiköpfigen Uno-Kommission. Er war in den 90er Jahren Wachmann und Fahrer in mehreren Internierungslagern, bevor er sich absetzte.

Nordkorea bestreitet die Existenz solcher Lager - ebenso wie die von den Überläufern detailliert geschilderten Übergriffe. Auf eine Einladung zur Teilnahme an der Kommission reagierte das Land ebenso wenig wie auf die Bitte des Gremiums um einen Besuch in Nordkorea. So muss sich das Gremium bei seinen Befragungen auf die Aussagen jener stützen, die behaupten, in den Lagern gewesen zu sein.

Kommentare (5)

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Roland

23.08.2013, 10:55 Uhr

Sollten es tatsächlich 80-120 Tausend Gefangene in solchen Lagern geben, dann wäre die Gefangenen-Rate pro Einwohner in etwa die Hälfte derer der USA pro Einwohner.
Abgesehen von Guantanamo geht es in den völlig überbelegten US-Gefängnissen wohl so zu, dass hier ebenfalls die UNO eimal aktiv werden sollte.

hanji

23.08.2013, 11:30 Uhr

Kann dem nur zustimmen. Es ist doch bezeichnend, dass die USA mit ihren zahlreichen Menschennrechtsverletzungen und internationalen Rechtsbrüchen gerade jetzt diese UNO-Initiative durchgeboxt haben, wo die neue südkoreanische Präsidentin endlich (nach einem halben Jahr im Amt) daran geht, ihre Wahlversprechen in Sachen Nordkorea einzulösen: neuer Vertrag Kaesong, Wiedereröffnung Geumgangsan, Familienzusammenführung etc. Mit dem propagandistisch begleiteten UN-Event in Seoul will man den beiden annäherungswilligen Koreas mal wieder Knüppel zwischen die Beine werfen. Denn die Berichte von den KZs gibt es schon seit vielen Jahren. Bin nur froh, dass die klugen Südkoreaner das Event durch Abwesenheit und mediales Desinteresse ignoriert haben. Sie kennen die Tricks ihrer Besatzungsmacht zu gut.

TMU

23.08.2013, 12:21 Uhr

@Roland,

es sollte wohl richtiger heißen, dass hier der größte Teil der Bevölkerung in einem Gulag, das sich Nordkorea nennt, einsitzt. Die Gefangenenlager sind da nur die Spitze des Eisbergs. Hat man ja 1989 gesehen wie einem totalitärem System die Leute weglaufen, wenn sie die Möglichkeit bekommen. Glaubst Du wirklich die Menschen dort würden diese Zustände hinnehmen wenn sie die Möglichkeit hätten mal über den Tellerrand zu schauen und Freizügigkeit genießen würden? Nee, die sind genauso eingesperrt wie die Leute in den Gefangenenlagern.

Es ist beschämend wie ignorant die internationale Gemeinschaft dieses Thema seit Jahrzehnten behandelt und eine Clique ein ganzes Land als ihr persönliches Eigentum behandelt. Die Feudalzeit lässt grüßen.

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