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06.12.2015

16:40 Uhr

Dschihadisten aus den USA

Warum sich Amerikaner dem IS anschließen

In den USA sind terrorbezogene Festnahmen auf dem höchsten Stand seit 9/11. Forscher rätseln über diese Entwicklung. Suchen die Terroristen von morgen Anerkennung, einen Lebenszweck oder puren Kick?

In New York schützt ein Polizist das 9/11-Mahnmal. Derzeit nehmen US-Behörden so viele Terror-Verdächtige fest wie seit den WTC-Anschlägen nicht mehr. AFP

Terrorismus-Festnahmen

In New York schützt ein Polizist das 9/11-Mahnmal. Derzeit nehmen US-Behörden so viele Terror-Verdächtige fest wie seit den WTC-Anschlägen nicht mehr.

WashingtonEs ist wie so oft: Christopher Lee Cornell besuchte eine High School in der Nähe von Cincinnati (Ohio), nahm an Ringkämpfen der Schulmannschaft teil, und eigentlich hatten ihn Lehrer als „typischen Schüler“ in Erinnerung. 2014 konvertierte er zum Islam, ließ seinen Bart wachsen und trug zunehmend traditionelle muslimische Kleidung. Doch dann begann er, sich zu verändern. Irgendetwas hatte ihn in den Bann des islamistischen Terrors gezogen.

Cornell wurde oft wütend, isolierte sich und zog den Spott seiner Nachbarn auf sich. Und dann, eines Tages, informierte er Mitstreiter im Internet, das Kapitol in Washington angreifen und Rohrbomben zünden zu wollen. Als das FBI ihn Anfang 2015 festnahm, hatte er schon halbautomatische Sturmgewehre und 600 Schuss Munition gekauft.

Die Gegner des Islamischen Staates

USA

Die mächtigste Militärmacht der Welt führt den Kampf gegen den IS an. Seit mehr als einem Jahr bombardiert die US-Luftwaffe die Extremisten in Syrien und im Irak. An ihrer Seite sind auch Jets aus Frankreich und anderen westlichen Staaten sowie aus arabischen Ländern im Einsatz. Washington hat zudem US-Militärberater in den Irak entsandt, die Bagdad im Kampf am Boden unterstützen.

Russland

Moskaus Luftwaffe fliegt seit Ende September Luftangriffe in Syrien. Sie sollen nach Angaben des Kremls den IS bekämpfen. Der Westen und syrische Aktivsten werfen Russland jedoch vor, die meisten Luftangriffe richteten sich gegen andere Rebellen, um so das Regime von Präsident Baschar al-Assad zu unterstützen.

Deutschland

Deutschland liefert seit mehr als einem Jahr Waffen an die Kurden im Norden des Iraks, darunter die Sturmgewehre G3 und G36 und die Panzerabwehrwaffe Milan. Die Bundeswehr bildet zudem kurdische Peschmerga-Kämpfer für den Kampf am Boden aus.

Arabische Staaten

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Jordanien unterstützen die USA bei den Luftangriffen. Vor allem Saudi-Arabien und Jordanien sehen den IS als Gefahr, weil die Extremisten bis an ihre Grenzen herangerückt sind.

Kurden

Sowohl im Norden Syriens als auch im Nordirak gehören die Kurden zu den erbittertsten Gegnern des IS. Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) im Syrien und die Peschmerga im Irak konnten den Extremisten empfindliche Niederlagen beibringen. Unterstützt werden sie von mehreren westlichen Staaten.

Irakische Armee

Das irakische Militär geht in mehreren Regionen des Landes gegen den IS vor. Allerdings kann sie nur wenige Erfolge vorweisen. Seit Monaten versucht die Armee erfolglos, die westirakische Provinz Al-Anbar zu befreien. Unterstützt wird sie von schiitischen Milizen, die eng mit dem Iran verbunden sind.

Syrische Rebellen

Sie bekämpfen das Regime und den IS. Das gilt auch für die Nusra-Front, syrischer Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie teilt die Ideologie des IS, ist aber mit ihm verfeindet.

Syrisches Regime

Auch das syrische Militär geht gegen den IS vor. Kritiker werfen dem Regime jedoch vor, es greife vor allem andere Rebellen an und lassen die Extremisten gewähren. Auffällig ist, dass sich die meisten syrischen Luftangriffe nicht gegen den IS, sondern gegen Regionen unter Kontrolle anderer Gruppen richten.

Was bewegt Menschen dazu, einer barbarischen Terrorgruppe wie dem Islamischen Staat (IS) zu folgen, deren mörderische Ideologie zu verbreiten und zum Krieg in den Nahen Osten zu reisen oder Attacken in der Heimat zu planen? Welcher Schalter legt sich im Kopf um, der einen „typischen Schüler“ zu einem Terroristen macht?

Alter, Herkunft, Bildung, sozialer Stand und familiärer Hintergrund der IS-Sympathisanten unterscheiden sich deutlich, wie die neue Untersuchung „Isis in America: From Retweets to Raqqa“ der George Washington Universität (GW) in der US-Hauptstadt feststellt. Sie befasst sich nur mit Anhängern in den USA, könnte aber durchaus als Vorlage für Rekruten aus Deutschland, Frankreich oder anderen europäischen Ländern gelten.

56 Menschen wurden wegen IS-bezogener Handlungen seit Jahresbeginn in den Vereinigten Staaten festgenommen – die höchste Zahl an terrorbezogenen Festnahmen pro Jahr seit dem September 2001, dem Monat der Anschläge von 9/11. 86 Prozent von ihnen sind männlich, gut ein Viertel war an Plänen zu Terrorattacken auf US-Boden beteiligt. Im Schnitt sind sie 26 Jahre alt. Die meisten von ihnen sind US-Bürger oder haben einen ständigen Wohnsitz in den USA. Oft sammeln sie sich in Gruppen, etwa in Minneapolis oder New York.

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