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29.01.2013

12:49 Uhr

Durch Kopfschüsse getötet

Dutzende Menschen in Aleppo offenbar hingerichtet

Regimegegner berichten aus Syrien von zahlreichen Menschen, die in Aleppo durch Kopfschüsse getötet worden seien. Ein Rebellenkommandeur spricht von 68 Leichen. Unterdessen werden die Kämpfe im Land immer heftiger.

In weiten Teilen Syrien kämpfen oppositionelle Einheiten. dapd

In weiten Teilen Syrien kämpfen oppositionelle Einheiten.

AleppoVon einem Kriegsverbrechen berichten Aktivisten aus Syrien: Nach ihren Aussagen wurden iIn der nordwestsyrischen Metropole Aleppo Dutzende Menschen durch Kopfschüsse hingerichtet. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London am Dienstag mitteilte, wurden im Viertel Bustan al-Kasr zahlreiche Leichen vorwiegend junger Menschen gefunden, deren Hände gefesselt gewesen seien. Ein Rebellenkommandeur vor Ort sagte der Nachrichtenagentur AFP, bisher seien 68 Leichen entdeckt worden.

Seit Beginn des Aufstands gegen Präsident Assad hat der Konflikt in Syrien mehr als 60 000 Menschen das Leben gekostet. Auch Anfang dieser Woche wurde landesweit gekämpft, die Regierungstruppen flogen Luftangriffe auf die von Rebellen eroberten Gebiete. Aktivisten beklagten, dass auch Zivilisten in Homs, Daraa und dem Umland von Damaskus unter Beschuss geraten seien. Auch Aleppo werde heftig von Regimesoldaten angegriffen. Syrische Staatsmedien berichteten, dass Assads Truppen einen Rebellenangriff auf einen Militärflughafen in Idlib abgewehrt hätten.

Regionale Player im Syrien-Konflikt

Israel

Ein Einsatz syrischer Massenvernichtungswaffen ist ein Alptraum für Israel, das dem Konflikt bisher eher als Beobachter beiwohnte. Jetzt warnt Jerusalem laut davor, dass Assads Chemie- und Flugabwehrwaffen in die Hände der Hisbollah oder Al-Kaidas fallen könnten. Positiv wäre für Israel, dass sein Erzfeind Iran mit Assad seinen wichtigsten Stützpfeiler in der Region verlieren würde. Mit Assad könnte Israel allerdings auch einen Nachbarn verlieren, der für weitgehende Ruhe an der gemeinsamen Grenze gesorgt hat.

Saudi Arabien und Katar

Die sunnitischen Herrscher vom Golf unterstützen in Syrien - wie schon zuvor in Libyen - die islamisch-konservativen Kräfte. Und versuchen, einen Verbündeten ihres Erzfeindes Iran zu schwächen. Daheim können sie sich so als Unterstützer der Revolution präsentieren, ohne Protesten Vorschub zu leisten. Damaskus will in Saudi-Arabien und Katar die Urheber des „Komplotts“ gegen sich identifiziert haben.

Türkei

Das Nato-Mitglied ist seit langem einer der schärfsten Kritiker des syrischen Regimes. Weiter verschärft wurde das Verhältnis Ende Juni durch den Abschuss eines türkischen Kampfflugzeuges vor der syrischen Küste. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan sagte dem syrischen Volk daraufhin Unterstützung bis zur Befreiung von „Diktator“ Assad zu, bei weiteren Zwischenfällen werde sein Land mit Gewalt zurückschlagen. Ein Teil des Nachschubs der syrischen Rebellen wird durch die Türkei geschleust, die allerdings offiziell keine Waffen liefert.

Libanon

Das westliche Nachbarland Syriens ist zerrissen - eine gefährliche Lage. Die Sunniten im Libanon stehen mehrheitlich auf der Seite der syrischen Opposition, die zum Großteil ebenfalls aus Sunniten besteht. Über die Grenze werden auch Waffen geliefert. Die schiitische Hisbollah-Miliz hingegen, die in Beirut in der Regierung sitzt, ist mit dem Assad-Regime verbündet. Die Waffen, mit denen sie ihre Herrschaft sichert, kommen aus Damaskus. Seit einigen Wochen gibt es im Libanon Auseinandersetzungen zwischen pro- und anti-syrischen Gruppierungen, dabei gab es auch Tote.

Iran

Aus iranischer Sicht darf das syrische Regime keinesfalls fallen. Im Frühjahr erklärte Präsident Mahmud Ahmadinedschad, er kenne keine Grenzen bei seiner Unterstützung für Präsident Assad. Angeblich schickte Teheran Militärberater und Kämpfer. Ohne Assads Regime würde es für den Iran schwerer, die eigene anti-israelische Ideologie zu verbreiten. Auch die pro-iranischen Milizen, besonders die Hisbollah in Libanon, würden geschwächt. Zuletzt bestätigte der Iran Gespräche mit Regimegegnern in Syrien und brachte sich als Vermittler ins Gespräch.

Al-Kaida

Das Terrornetzwerk Al-Kaida versucht einmal mehr, auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Die Terroristen wollen sich als Speerspitze der Revolution präsentieren und das anschließende Tohuwabohu für ihre Zwecke nutzen.

Auf Hilfe aus dem Ausland setzt Syriens Opposition. Sie appelliert an die internationale Gemeinschaft und fordert mehr Waffen und mehr Geld. „Die Zeit spielt gegen uns, und die Fortsetzung des Konflikts kann für die Region und die Welt nur in einer Katastrophe enden“, sagte Riad Seif, Vizechef der Nationalen Syrischen Koalition, am Montag in Paris. Sein Amtskollege Georges Sabra bezifferte den Unterstützungsbedarf auf mindestens 500 Millionen US-Dollar.

Die Führungsvertreter der Nationalen Syrischen Koalition sprachen in der französischen Hauptstadt mit Vertretern aus rund 50 Unterstützerstaaten. Das Treffen war von Frankreichs Außenminister Laurent Fabius organisiert worden, um weitere Hilfen für die syrische Opposition zu organisieren. Fabius hatte zuvor kritisiert, dass etliche Unterstützungszusagen offensichtlich nicht gehalten worden seien. Die Konferenz solle sicherstellen, dass die Opposition die notwendigen Mittel zum Handeln erhalte, sagte der Minister.

Die Zahl der Flüchtlinge steigt unterdessen weiter an. Das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) geht davon aus, dass seit Jahresbeginn mehr als 100 000 Syrer in die Nachbarländer geflohen sind. Allein in Jordanien hätten 52 000 Syrer die Grenze überschritten, hieß es aus den jordanischen Streitkräften. Das Grenzgebiet gleiche einer „Kriegsregion“. Vereinte Nationen und Arabische Liga wollen am Mittwoch bei einer Geberkonferenz in Kuwait weitere Hilfen für die Flüchtlinge beschließen.

Kommentare (7)

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btw

29.01.2013, 13:15 Uhr

Wer da wen durch Kopfschüsse hingerichtet hat, das verschweigen auch die "Rebellen", geschweige denn weisen sie es zweifelsfrei nach.

Mit solchen Nebelbomben ist auch berichterstatterisch kaum ein Blumenpott zu gewinnen.

Susilein

29.01.2013, 13:32 Uhr

"Rebellen" und "Aktivisten". Na super, dann hat man ja wieder genau die richtigen Quellen, nämlich die aus dem Ausland finanzierten Söldner aus Afghanistan, Jemen, Pakistan, teilweise sogar aus europäischen Ländern, Tschetschenien etc. die dort "Rebellenaufstand" spielen, und in Wirklichkeit nur ein zweites Mali dort errichten wollen, so wie in anderen Ländern vorher schon. Wenn sie das geschafft haben, wohlgemerkt mit Hilfe unserer Politiker und unserer Medien, werden wir dann auch Truppen dort hinschicken, um die Katastrophe wieder rückgängig zu machen? Die richtigen Syrer stehen übrigens hinter Assad.

Account gelöscht!

29.01.2013, 13:49 Uhr

...und der Irak hat Massenvernichtungswaffen...

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