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20.04.2016

01:50 Uhr

Dutzende Tote

Angriffe gefährden Syrien-Gespräche

Die Opposition spricht von gefährlicher Eskalation: Tödliche Luftangriffe auf Rebellenhochburgen in Syrien attackieren auch die Friedensgespräche. 40 Menschen kamen durch Assdas Bomben in der Provinz Idlib ums Leben.

Waffenruhe bröckelt

Drohen syrische Friedensverhandlungen zu scheitern?

Waffenruhe bröckelt: Drohen syrische Friedensverhandlungen zu scheitern?

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Genf/BeirutDie Bemühungen um eine diplomatische Lösung des Syrien-Konflikts drohen zu scheitern: Bei schweren Luftangriffen auf Märkte im Rebellengebiet wurden am Dienstag etwa 40 Menschen getötet. Das wichtigste Oppositionsbündnis sprach in Genf von einer "gefährlichen Eskalation". Es dürfe keinen politischen Prozess geben, der "das Leben dieses Regimes verlängert", sagte der Chefkoordinator des Hohen Verhandlungskomitees, Riad Hidschab. "Wir werden das nicht akzeptieren. Wir werden unter allen Umständen kämpfen, sogar mit Steinen. Und niemals aufgeben."

Rettungskräften zufolge wurden zeitgleich Märkte in zwei Orten in der Provinz Idlib von Kampfjets angegriffen. Allein in Maarat al-Numan sollen demnach mindestens 38 Menschen ums Leben gekommen sein. Die oppositionsnahe Beobachterstelle für Menschenrechte erklärte, es handle sich wahrscheinlich um den schwersten einzelnen Vorfall seit Inkrafttreten der weitgehenden Waffenruhe am 27. Februar.

Die syrischen Flüchtlinge und die Nachbarstaaten

Fast vier Millionen Flüchtlinge

Der syrische Bürgerkrieg hat sich zu einer humanitären Katastrophe entwickelt. Mehr als 3,8 Millionen Syrer sind ins Ausland geflohen, seit vor vier Jahren der Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad begann. Die meisten von ihnen sind in den Nachbarländern untergekommen und haben diese damit vor erhebliche Schwierigkeiten gestellt. Viele von ihnen sind nirgendwo registriert. Hier ein Überblick über die Situation. (Quelle: AP)

Libanon

1,2 Millionen Flüchtlinge sind registriert. In den oft spontan errichteten Notunterkünften werden jedoch noch zahlreiche weitere Vertriebene vermutet. Mit einer ursprünglichen Einwohnerzahl von 4,5 Millionen ist der Libanon damit nach Angaben der Vereinten Nationen das Land mit der höchsten Flüchtlingsquote der Welt. Die Regierung in Beirut hat aus Furcht um die innere Stabilität des Landes eine Reihe von Beschränkungen für Syrer verhängt. Eine der wichtigsten ist die Visumpflicht.

Jordanien

Nach offiziellen Angaben sind 625 000 Syrer nach Jordanien geflohen. Viele Flüchtlingslager stehen direkt an der Grenze zu Syrien, andere in der Nähe von Großstädten. Im größten Lager, Sataari, leben etwa 84 000 Flüchtlinge unter direkter Verwaltung der Regierung und der Vereinten Nationen.

Türkei

Der nördliche Nachbar Syriens hat 1,6 Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge registriert. Die Regierung hat 21 Flüchtlingslager errichtet, zu denen auch Schulen und medizinische Einrichtungen gehören.

Irak

Der Irak wird selbst von einem Bürgerkrieg erschüttert. Trotzdem hat er 245 000 Flüchtlinge aufgenommen. Die meisten von ihnen sind Kurden, die in die von ihren Stammesverwandten bewohnten Gegenden im Nordirak gezogen sind. Zehntausende hausen in Zeltstädten oder eilig aus dem Boden gestampften Baracken. Die Regierung der weitgehend autonomen Kurdenregion im Irak erlaubt den Flüchtlingen eine große Freizügigkeit. Einige haben Arbeit und Wohnungen in Städten gefunden.

Ägypten

Die Regierung in Kairo geht nach eigenen Angaben von 136 000 Bürgerkriegsflüchtlingen aus. Doch selbst Beamte schätzen, dass hunderttausende Syrer im Land leben, die nicht registriert sind.

Der französische Gesandte Franck Gellet sprach in Genf von "einem weiteren Massaker". Ein Sprecher des US-Außenministeriums sagte, die Luftangriffe gingen wahrscheinlich auf das Konto der syrischen Regierungstruppen. Die USA gingen aber weiterhin davon aus, dass die Feuerpause zwar brüchig sei, aber größtenteils halte.

Die Opposition erklärte, einige Mitglieder ihrer Delegation würden am Verhandlungsort Genf bleiben, um auf technischer Ebene weiter zu sprechen, etwa über Themen wie humanitäre Hilfe oder den Austausch von Gefangenen. Aber Hidschab selbst kündigte seine Abreise an.

Es bestehe auch keine Chance, dass er für Hauptgespräche zurückkehren werde, während die Regierung den Waffenstillstand breche, den Zugang für Hilfsorganisationen blockiere und das Thema Gefangene ignoriere.

Von

rtr

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