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19.08.2013

10:37 Uhr

Dutzende Tote

Neue Eskalation in Ägypten

Rachedurst und Hysterie greifen in Ägypten um sich. Wer sich in diesem blutigen Konflikt zwischen den Muslimbrüdern und den neuen Machthabern nicht auf eine Seite stellen will, wird angefeindet.

Tumult und Krawalle auf ägyptischen Straßen. Unter den Opfern sind sowohl Demonstranten als auch Polizisten. dpa

Tumult und Krawalle auf ägyptischen Straßen. Unter den Opfern sind sowohl Demonstranten als auch Polizisten.

Kairo/Al-ArischDer Machtkampf zwischen den ehemals regierenden Islamisten und dem Sicherheitsapparat in Ägypten hat binnen weniger Stunden mehr als 60 Tote gefordert. Extremisten töteten in der ägyptischen Stadt Rafah am Montagmorgen 25 Polizisten. Am Sonntagabend starben nach ersten Berichten der Behörden und der Muslimbruderschaft mindestens 36 Gefangene, als während eines Gefangenentransports von Kairo nach Al-Kaljubija eine Meuterei ausbrach.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden am Morgen zwei Fahrzeuge der Ordnungspolizei von Unbekannten mit Panzerfäusten aus einem Hinterhalt angegriffen. Die Fahrzeuge fuhren von Rafah aus in Richtung Westen.

Fragen und Antworten zur Reise nach Ägypten

Was sagt das Auswärtige Amt?

Das Auswärtige Amt in Berlin hat seinen Sicherheitshinweis für Ägypten entschärft. Es rät seit Ende September nicht mehr grundsätzlich von Reisen dorthin ab. Touristen sollten aber im ganzen Land – ausdrücklich auch in den Badeorten am Roten Meer – besonders vorsichtig sein, rät das Ministerium.

Von Reisen nach Kairo, in die Touristenzentren in Oberägypten (Luxor, Assuan, Nil-Kreuzfahrten) und in das Nildelta wird abgeraten. Auch in die anderen Gebiete wie die Touristen-Hochburgen am Roten Meer sollten Deutsche derzeit aber nicht fahren. Demonstrationen und Menschenansammlungen, insbesondere vor religiösen Stätten sollten unbedingt gemieden werden.

Das Auswärtige Amt rät außerdem von Reisen in entlegene Gebiete der Sahara eindringlich ab. Dies gilt insbesondere für die Grenzregionen zu Libyen und zum Sudan.

Kann ich meine Reise jetzt kostenlos stornieren?

Da unterscheiden sich die Meinungen. Zahlreiche Reiseveranstalter akzeptieren kostenlose Stornierungen nur bei einer offiziellen Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, wie sie für den Nordsinai und das Grenzgebiet zu Israel gilt. Der Reiserechtler Paul Degott sagt aber, eine Kündigung sei immer in einer Situation höherer Gewalt möglich, wenn diese die Reise konkret betreffe und so zum Beispiel „der planmäßige Erholungsurlaub nicht mehr möglich ist“. Dies sei in Ägypten mittlerweile der Fall. Die Anbieter müssten bei Stornierung also den gesamten Reisepreis zurückzahlen. Bei vorzeitiger Abreise müsse vom Verbraucher nur der erbrachte Teil der Reise und die Rückreise bezahlt werden.

Wie reagieren die Anbieter in der aktuellen Situation?

Zahlreiche Anbieter haben ihre Reisen für die kommenden Wochen komplett abgesagt. Andere bieten ihren Kunden kostenlose Umbuchungen, wollen aber keine Stornierungen akzeptieren. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen weist darauf hin, dass Verbraucher eine Umbuchung durch ihren Reiseveranstalter nicht akzeptieren müssen.

Was sollten Touristen tun, die schon vor Ort sind?

Das Auswärtige Amt hält die Lage in den Touristenorten am Roten Meer noch für „ruhig“. Nach Angaben von TUI und Thomas Cook können Urlauber, die bereits in Ägypten sind, ihre Reise fortsetzen. Sie sollten sich lediglich an die Vorgaben der örtlichen Reiseleitungen halten und wie gebucht zurückfliegen. In Hurghada ist das Auswärtige Amt bereits durch einen Honorarkonsul vertreten, auch in andere Reiseorte soll Botschaftspersonal entsandt werden, das für Fragen zur Verfügung steht.

Hilft mir eine Reiserücktritt-Versicherung?

Selbst wer eine Reiserücktritt-Versicherung abgeschlossen hat, ist bei Streit mit dem Reiseveranstalter nicht auf der sicheren Seite. Die Police schließt Ereignisse höherer Gewalt wie Anschläge oder Naturkatastrophen regelmäßig aus. Sie deckt nur persönliche Risiken ab, etwa eine schwere Krankheit oder der Tod eines Angehörigen vor Reiseantritt. Sollte der Anbieter eine kostenlose Stornierung verweigern und wollen Verbraucher dagegen vorgehen, wären sie also auf eine Rechtsschutz-Versicherung angewiesen.

Die Region Rafah gilt als Hochburg militanter Salafisten. Sie liegt auf der Sinai-Halbinsel an der Grenze zum palästinensischen Gazastreifen. Im vergangenen August waren bei einem Anschlag in der Nähe von Rafah 16 Soldaten getötet worden.

Außerdem kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den Sicherheitskräften und den Betreibern der Schmugglertunnel, durch die Waffen und Waren des täglichen Bedarfs in den Gazastreifen gelangen.

Der Tod von 36 Anhängern der Muslimbruderschaft in Polizeigewahrsam sorgte unterdessen auch bei Gegnern der entmachteten Islamisten für großes Entsetzen. Der ehemalige Präsidentschaftskandidat Hamdien Sabahi forderte am Montag auf Twitter, eine Untersuchungskommission müsse klären, wie die Untersuchungshäftlinge vor dem Gefängnis Abu Sabal getötet werden konnten. Der Kommission sollten Juristen und Menschenrechtler angehören.

Kommentare (2)

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peer-bilderberger

19.08.2013, 10:53 Uhr

Man kann ja wohl davon ausgehen, dass mal wieder der Israeli dahinter steckt.

Nach bekannter Art (die 3. Person) schürt er den Hass der beiden Parteien, macht am besten mit beiden Parteien noch Geschäfte und freut sich, dass sie sich gegenseitig zerfleischen.

Rechner

19.08.2013, 12:48 Uhr

'peer-bilderberger' sagt
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Man kann ja wohl davon ausgehen, dass mal wieder der Israeli dahinter steckt.

Nach bekannter Art (die 3. Person) schürt er den Hass der beiden Parteien, macht am besten mit beiden Parteien noch Geschäfte und freut sich, dass sie sich gegenseitig zerfleischen.
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Das scheint mir doch etwas weit hergeholt.

Daß die Juden versuchen mitzumischen und die Dinge in ihrem Sinne zu beinflussen mag zwar sein.

Aber einen entscheidenden Einfluß kann das nicht haben.

Was wir hier haben ist einfach ein Bürgerkrieg zwischen den islamistischen Terroristen, die ihre mittelalterliche Religion mit Scharia, Hand- und Kopfabhacken nebst Schleierzwang und Bildungsverbot für Frauen und Mädchen zum Gesetz des Landes machen wollen, und dem Rest der Bevölkerung der sich das nicht gefallen lassen will.

Wo meine Sympathien liegen können Sie sich ja wohl denken.

Ich wünsche dem ägyptischen Volk mit seiner jahrtausendealten Kultur, daß es die islamische Geisel abwerfen kann.

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