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11.07.2016

15:20 Uhr

Eagle kandidiert für Labour-Vorsitz

Schachspielerin könnte Parteichef Corbyn mattsetzen

Sie gilt als begnadete Rednerin, kühle Schachspielerin und überzeugte Labour-Frau: Im Rennen um den Vorsitz der britischen Labour-Partei wird Abgeordnete Angela Eagle ihrem Noch-Parteichef Jeremy Corbyn gefährlich.

Sie will ihrem Parteichef den Posten streitig machen: Angela Eagle, hier mit dem Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn. AFP; Files; Francois Guillot

Die Konkurrenten

Sie will ihrem Parteichef den Posten streitig machen: Angela Eagle, hier mit dem Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn.

LondonAls Jugendliche gewann sie Schachturniere, jetzt könnte die britische Labour-Abgeordnete Angela Eagle den Noch-Parteichef Jeremy Corbyn matt setzen. Corbyn sei „unfähig, die Führung zu geben, die für diese riesige Aufgabe nötig ist“, sagte die 55-jährige Ex-Gewerkschafterin am Montag, als sie ihre Kandidatur für den Vorsitz der Traditionspartei offiziell anmeldete. „Ich würde dies nicht tun, wenn ich nicht dächte, dass ich eine gute Premierministerin für Großbritannien wäre.“

Eagle ist für ihr rednerisches Talent bekannt. „Sie kann alle Arten von Wählern überzeugen“, schrieb John McTernan im „Daily Telegraph“ – von den Arbeitern im Norden bis zur Szene-Jugend in London. „Das ist genau, was Labour braucht.“ Ihre Loyalität gegenüber der Partei und ihre parlamentarischen Fähigkeiten hätten zur Folge, dass sie als „Kandidatin der Einheit“ gesehen werde, „eine, die die Basis, die Abgeordneten und die Führung der Labour-Partei nach der Krise einen kann“, hieß es im linksgerichteten „Daily Mirror“.

Geboren wurde Eagle am 17. Februar 1961 im nordenglischen Yorkshire. Sie hat eine eineiige Zwillingsschwester, Maria, die ebenfalls Labour-Abgeordnete ist. Nach der Schulzeit – an einer staatlichen Schule statt einer Eliteeinrichtung – studierte die Tochter eines Druckereiangestellten und einer Schneiderin in Oxford Philosophie, Politik und Wirtschaftswissenschaften.

Nach dem Studium arbeitete Eagle zunächst für einen Industrieverband, bevor sie Gewerkschafterin wurde. 1992 wurde sie erstmals ins Abgeordnetenhaus gewählt. 2001 holte der damalige Labour-Premierminister Tony Blair sie in sein Kabinett. Ein Jahr später fiel sie einer Kabinettsumbildung zum Opfer, bevor sie 2007 unter Gordon Brown wieder Staatssekretärin wurde.

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Unter Corbyn gehörte Eagle zu dessen Schattenkabinett – bevor sie und zahlreiche andere Mitglieder das Schattenkabinett Ende Juni nach dem Brexit-Votum der Briten aus Protest verließen. Eagle schrieb ihrem Parteichef dabei einen geharnischten Brief: Zu viele Labour-Anhänger hätten sich beim Referendum über den britischen EU-Ausstieg von den Argumenten der Rechten überzeugen lassen, weil Labour unter Corbyns Führung nur „halbherzig“ für die EU-Mitgliedschaft geworben habe, kritisierte sie. „In derart turbulenten Zeiten brauchen wir einen Anführer, der die Labour-Partei eher einen statt spalten kann.“

„Ich bin weder eine Blairistin noch eine Brownistin noch eine Corbynistin“, sagte sie am Montag. „Ich bin als Frau ich selbst – eine starke Labour-Frau.“ Eagle gilt als Vertreterin des linken Parteiflügels. Bei Abstimmungen folgte sie bislang stets der Fraktionsdisziplin – mit einer Ausnahme im vergangenen Jahr, als sie gegen Corbyn dafür stimmte, dass Großbritannien sich an den Luftangriffen des internationalen Militärbündnisses in Syrien beteiligt.

2008 war die bekennende Homosexuelle Eagle die erste britische Parlamentsabgeordnete, die eine eingetragene Partnerschaft einging. Sollte sie als Labour-Vorsitzende gewählt werden, wäre sie die erste bekennende Homosexuelle an der Spitze einer großen britischen Partei.

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afp

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