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08.02.2015

08:50 Uhr

Ebola-Hilfe

„Die Belastung ist extrem hoch“

VonStefan Kreitewolf

Regine Reim hat mehr Angst vor den Straßen in der Eifel als vor ihrem Einsatz im Ebola-Krisengebiet: Die 46-Jährige fliegt als freiwillige Helferin nach Liberia. Ein Gespräch über Risiken, Furcht und den letzten Willen.

Regine Reim fliegt bald ins Ebola-Krisenland Liberia.

Vor Ort helfen

Regine Reim fliegt bald ins Ebola-Krisenland Liberia.

DüsseldorfInsgesamt 22.500 Menschen erkrankten bislang an Ebola, 9000 raffte die Epidemie dahin. Ein Drittel aller Erkrankten starb in Liberia. Genau dahin will Regine Reim. Sie ist eine von 1105 Freiwilligen, die sich beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) für einen Einsatz im Ebola-Gebiet gemeldet haben. Ihr Lebenspartner Mario Lennartz war bereits im November 2014 im Ebola-Einsatz in Sierra Leone.

Die 46-Jährige wird in der liberianischen Hauptstadt Monrovia das Behandlungszentrum des DRK bei der Bekämpfung des Ebola-Virus und anderen schweren Infektionskrankheiten unterstützen. Der Einsatz ist wichtig. Denn obwohl die Ebola-Kranken gerade in Liberia weniger werden, ist die Zahl der Neuinfektionen in ganz Afrika in diesem Jahr zum ersten Mal wieder gestiegen.

Im Kampf gegen das Ebola-Virus starben bereits mehrere Helfer. Sie haben sich freiwillig gemeldet. Wie begegnen Sie diesem Risiko?
Mit einem gewissen Respekt, aber ohne Angst, weil ich weiß, wie genau und gewissenhaft gearbeitet wird. Das heißt: Vor Ort wird alles getan, um eine Infektion der Helfer zu vermeiden. Das beruhigt, vor allem wenn man es am konkreten Beispiel mitbekommt.

Haben Sie ein spezielle Trainings für den Einsatz im Ebola-Gebiet durchlaufen?
Ja, ich habe über die letzten zwei Jahre an verschiedenen Trainings des Deutschen Roten Kreuzes teilgenommen, die sich speziell auf die Themen Trinkwasseraufbereitung, Seuchenvorsorge und sogenannte Hygiene-Promotion beziehen. Außerdem werde ich am kommenden Wochenende ein dreitägiges Ebola-Training am Missionsärztlichen Institut in Würzburg absolvieren.

Was wird Ihre genaue Aufgabe in Liberia sein?
Ich werde als Koordinatorin für „Infection Prevention and Control“ (IPC) tätig sein und für Hygiene und Desinfektion zuständig sein. Ich schule Techniker, das Pflegepersonal und Hygieniker im Umgang mit Ebola und anderen schweren Infektionskrankheiten. Außerdem stimme ich mich mit anderen Organisationen vor Ort ab und muss den einen oder anderen Bericht schreiben – sozusagen eine gesunde Mischung aus verschiedensten Tätigkeiten.

Worum geht es dabei genau?
Zu meinem Bereich gehören die richtige Handhabung der Schutzkleidung, die Entsorgung virusverseuchten Materials, die Desinfizierung der Station und die Dosierung von Chlorlösungen zur Desinfizierung. Im Endeffekt geht es dabei um die Begleitung und Kontrolle aller Abläufe, bei denen potenziell ein Krankheitserreger übertragen werden kann. Viele dieser Tätigkeiten werden von örtlichen Kräften übernommen. Ich werde als Koordinatorin die Mitarbeiter unterstützen und anleiten. Außerdem ist es meine Aufgabe, Berichte zu schreiben und die Gesamtsituation im Blick zu haben.

Die Helfer vor Ort sind im Dauereinsatz. Ist es überhaupt möglich, unter diesen Umständen in jedem Moment haargenau auf jede Kleinigkeit zu achten?
Nein, das ist nicht möglich. Die Leute vor Ort sind seit Monaten im Einsatz. Wenn man das seit Monaten macht, schleichen sich Fehler ein oder zumindest die Wahrscheinlichkeit dafür steigt. Das ist ganz normal. Da ist man mit einem frischen Blick von außen durchaus eine Hilfe.

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