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24.10.2014

12:22 Uhr

Ebola-Hilfe für Westafrika

„Der Einsatz ist anders als alles zuvor“

VonDésirée Linde

Trotz fast 10.000 Ebola-Fällen und fast 5000 Toten läuft die Hilfe schleppend an. Es fehlt an Freiwilligen. Ingenieur Mario Lennartz ist einer von ihnen. Er spricht über die Angst, seine Arbeit und die größten Gefahren.

Kompliziertes Prozedere

Wie Sie einen Ebola-Schutzanzug anlegen

Kompliziertes Prozedere: Wie Sie einen Ebola-Schutzanzug anlegen

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DüsseldorfMario Lennartz ist einer von viel zu Wenigen. Der Diplom-Ingenieur fliegt am Wochenende als einer der ersten deutschen Helfer ins Ebola-Gebiet nach Sierra Leone. Lennartz und weitere 219 Freiwillige von insgesamt 520, die sich gemeldet hatten, hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) als geeignet für den Einsatz in den zwei Behandlungszentren des DRK in Sierra Leone und Liberia eingestuft. Das seien viel zu wenige, beklagt das DRK.

Die Zahl der Helfer reiche „bei weitem nicht aus, um die Kliniken über Monate hinweg zu betreiben“, sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters der „Welt“. Zudem sei geplant, das Personal alle vier Wochen auszutauschen. Die Verhältnisse vor Ort beschrieb Seiters als „katastrophal“. In den am stärksten von Ebola betroffenen Ländern Sierra Leone, Liberia und Guinea sei die Gesundheitsversorgung „praktisch zusammengebrochen“.

Wie sich Ebola verbreitet

Wann ist Ebola ansteckend?

Nur dann, wenn jemand bereits Symptome zeigt. Diese können allerdings unspezifisch sein. Die Krankheit kann mit Fieber, grippeähnlichen Schmerzen und Unterleibsschmerzen beginnen, später können Erbrechen und Durchfall folgen.

Wie breitet sich Ebola aus?

Durch Körperflüssigkeiten einer infizierten Person. Dazu zählen Blut, Schweiß, Erbrochenes, Urin, Kot, Speichel und Sperma. Diese Flüssigkeiten müssen bei einem anderen Menschen einen Eingangspunkt finden, sie können durch einen Schnitt oder Kratzer eindringen. Das Virus kann zudem weitergereicht werden, wenn jemand mit kontaminierten Händen die Nase, den Mund oder die Augen eines anderen berührt. Oder jemand wird mit den kontaminierten Flüssigkeiten angespritzt. Darum tragen Gesundheitsmitarbeiter Schutzhandschuhe und andere Schutzausrüstung.

Die Weltgesundheitsorganisation teilte mit, Blut, Stuhl und Erbrochenes seien die am stärksten ansteckenden Flüssigkeiten. In Speichel sei der Virus nur bei schwer erkrankten Menschen entdeckt worden, aus Schweiß sei er noch nicht entnommen worden.

Was passiert bei zufälligem Kontakt mit einem Infizierten?

Ebola wird nicht durch die Luft übertragen. Der Direktor der US-Seuchenbehörde (CDC), Tom Frieden, sagte, Menschen steckten sich nicht an, wenn sie beispielsweise nur in einem Bus neben einem Ebola-Patienten sitzen. „Es ist nicht wie bei der Grippe. Es ist nicht wie bei Masern, nicht wie bei der gewöhnlichen Erkältung. Es breitet sich nicht so aus“, sagte er.

Können Hunde das Virus übertragen?

Das weiß man noch nicht genau. Die Behörden schläferten den Hund der spanischen Krankenschwester ein, bei der Ebola diagnostiziert worden war. Es ist aber kein Fall dokumentiert, in dem jemals Ebola von einem Hund auf einen Menschen übertragen wurde. Aber es gibt eine Studie, nach der es möglich sein soll, dass Hunde Ebola bekommen können - ohne Symptome zu zeigen.

Wie wird vorgegangen, wenn ein Ebola-Verdacht besteht?

Die Krankenhäuser, die einen Verdachtsfall haben, informieren ihr Gesundheitsministerium oder die Seuchenbehörde. Dann wird eine Checkliste durchgegangen, um festzustellen, wie hoch das Risiko ist. So wird unter anderem gefragt, ob die Person von einem riskanten Kontakt mit einem bekannten Ebola-Patienten berichtet hat, wie krank sie ist und ob eine andere Diagnose wahrscheinlicher ist.

Dringend gebraucht werden unter anderem Ärzte, Krankenschwestern, Labormitarbeiter, Elektriker und Logistiker. Lennartz wurde als einer der ersten Freiwilligen am Dienstag in Würzburg auf seinen Einsatz vorbereitet. Am Freitag flog er bereits nach Berlin, am Samstag geht es für den Diplom-Ingenieur des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik in Bonn (BSI) gemeinsam mit dem Münsteraner Arzt Joachim Gardemann weiter nach Westafrika.

Haben Sie keine Angst vor Ebola?
Mario Lennartz: Angst nicht, aber Respekt und eine gewisse Unruhe schon. Ich fühle mich zwar gut ausgebildet, aber es bleibt ja immer ein Restrisiko, dass ich erkranke. Ich habe auch mit meiner Partnerin über diese Gefahr gesprochen. Sie unterstützt mich aber in meiner Entscheidung, zu gehen. Dieser Einsatz ist etwas ganz anderes als meine Einsätze zuvor in Haiti und Pakistan.

Warum setzen Sie sich diesem Risiko aus?
In Westafrika haben wir ein riesiges Problem: Das medizinische System ist völlig überlastet. Wenn wir jetzt nicht helfen, bekommen wir ein Problem – auch in Deutschland. 

Trotzdem gehen viele andere nicht hin, um zu helfen.
Ich bin schon lange im DRK aktiv, organisierte verschiedene Aktionen, zum Beispiel die Blutspende. Aber so ein Auslandseinsatz ist etwas ganz anderes. In Pakistan etwa haben wir sofort gesehen, was unser Hände Arbeit bewirkt. Dort haben wir aus Deutschland zu dritt und mit lokalen Helfern die Trinkwasserversorgung für eine mittlere  Stadt – zwischen 50.000 und 70.000 Einwohnern – aus den Trümmern heraus aufgebaut. Darauf bin ich auch ein wenig stolz. Und wenn die Menschen dann endlich etwas zu trinken haben und uns anlächeln, dann... Das ist schwer mit Worten zu beschreiben.

Wie wurden Sie auf den Einsatz vorbereitet?
Bei einem zweitägigen Training, das das DRK gemeinsam mit „Ärzte ohne Grenzen“ in Würzburg organisiert hat, haben wir eine theoretische und praktische Schulung bekommen. Es ging um Fragen wie: Was ist anders als etwa im Umgang mit Cholera? Wie sind die Infektionswege? Warum ist Ebola so viel gefährlicher? Wie verhalte ich mich richtig?

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