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07.10.2014

20:04 Uhr

Ebola in Spanien

Sorge um Sicherheit nach erstem Ebola-Fall in Europa

VonDana Heide

In Madrid hat sich erstmals innerhalb Europas ein Mensch mit Ebola infiziert – und dabei möglicherweise noch andere angesteckt. Nun erheben die Angestellten des spanischen Krankenhauses schwere Vorwürfe.

Patientin in Madrid

Ebola-Ansteckung in Spanien bestätigt

Patientin in Madrid: Ebola-Ansteckung in Spanien bestätigt

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Düsseldorf Erstmals hat sich in Europa ein Mensch mit Ebola infiziert. Und es könnten noch mehr werden, wie heute bekannt wurde. Drei weitere Menschen sind zur Beobachtung in ein Madrider Krankenhaus eingewiesen worden, nachdem bekannt wurde, dass sich eine spanische Krankenschwester mit dem Virus angesteckt hat. Sie hatte sich im Madrider Krankenhaus Carlos III um zwei in Afrika infizierte Spanier gekümmert.

Unter den möglicherweise von Ebola Betroffenen ist der Ehemann der positiv auf Ebola getesteten Krankenschwester, wie die spanischen Gesundheitsbehörden am Dienstag mitteilten. Bei den beiden anderen Fällen handele es sich um eine zweite Krankenschwester und einen kürzlich aus Nigeria nach Spanien zurückgekehrten Mann. Alle drei Fälle wurden bislang aber nicht positiv getestet, wie der Chef der Inneren Medizin der Klinik Carlos III., Francisco Arnalich, sagte. In einem Verdachtsfall haben die Gesundheitsbehörden inzwischen Entwarnung gegeben. Bei einer Mitarbeiterin des Gesundheitsdienstes sei ein Test negativ ausgefallen, verlautete am Dienstag aus Kreisen der Gesundheitsbehörden.

Das Thema beherrscht die spanischen Medien. „Kann ich mich im Bus anstecken?“ fragt etwa die „El Pais“. Die Behörden versuchen, zu beruhigen. Doch es kommen erste Zweifel auf, ob das Madrider Krankenhaus Carlos III bei der Behandlung sorgfältig genug gearbeitet hat.

Auch die Europäische Kommission hat sich inzwischen eingeschaltet und fordert von Madrid detaillierte Informationen zu dem Fall. An diesem Mittwoch sollten Experten aus den EU-Staaten mit Vertretern der Weltgesundheitsorganisation und des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten über den Fall beraten, kündigte der Sprecher an. Solche Gespräche fänden regelmäßig statt.

Bei der Behandlung der Krankenschwester hat es anscheinend Fehler gegeben. Die spanische Zeitung „El Mundo“ berichtet in ihrer Online-Ausgabe von schweren Vorwürfen des Personals des Madrider Krankenhauses Carlos III, in dem die spanischen Patienten, die sich in Afrika mit dem Ebola-Virus infiziert hatten, behandelt wurden. Demnach soll die Schutzkleidung nicht den Vorschriften entsprochen haben. Die Leitung des Krankenhauses bestreitet diese Vorwürfe.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Am Dienstag versammelten sich die Angestellten des Krankenhauses, um den Rücktritt der spanischen Gesundheitsministerin Ana Mato zu fordern. Sie hätten keine ausreichende Schulung für den Umgang mit den Ebola-Patienten bekommen, klagten sie. Die einzige Hilfe die sie bekommen hätten, sei eine 30-minütige Schulung gewesen, man hätte ihnen nicht gezeigt, wie sie die Schutzkleidung anziehen sollen.

„Irgendwo muss es ein menschliches Versagen gegeben haben“, sagte der Virologe Luis Enjuanes der Zeitung „El País“. Der Koordinator des Zentrums für medizinische Notfälle des Gesundheitsministeriums, Fernando Simón, erklärte: „Wir schauen gerade, wo es Fehler im Ablauf gegeben hat. Im Prinzip ist die Schutzkleidung, die im Krankenhaus getragen wurde, ausreichend, soweit wir informiert sind.“

Epidemie: Warum Ebola deutsche Spender kalt lässt

Epidemie

Warum Ebola deutsche Spender kalt lässt

Fast täglich erreichen uns neue Meldungen über die Ausbreitung von Ebola. Organisationen mahnen, dass die Prävention verbessert werden muss. Doch die Deutschen scheint das wenig zu berühren. Die Spenden sind dürftig.

Die infizierte Krankenschwester wird inzwischen im Krankenhaus Carlos III in Madrid behandelt, laut dem Gesundheitsministerium ist sie in stabilem Zustand, hat aber noch Fieber. Ihr Ehemann ist unter Beobachtung im Krankenhaus, er hat aber keine Symptome. Die zweite Krankenschwester hat kein Fieber, aber Durchfall. Der dritte Patient, der Reisende aus Nigeria, war laut offiziellen Angaben zwar mit Fieber ins Krankenhaus gekommen, sei aber in einer ersten Analyse negativ auf Ebola getestet worden.

52 weitere Menschen, die mit den Infizierten in Kontakt standen, stehen unter Beobachtung, darunter 20 Menschen, die mit der infizierten Krankenschwester Kontakt hatten und 30 Angestellte des Krankenhauses Carlos III.

Auch in Frankfurt wird derzeit ein Ebola-Patient behandelt - ein Arzt aus Uganda, der sich in Sierra Leone mit dem Virus angesteckt hatte.

Kommentare (6)

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Herr Ylander Ylander

07.10.2014, 15:21 Uhr

Was zum Teufel haben Europäer in diesen Seuchengebieten verloren?

Diese Entwicklungsländer sind ohnehin dem Untergang geweiht, auch wenn dies hart klingt.

Es muss nicht sein, dass das ganze Elend dieser Länder nun noch auf Europa übertragen wird.

Herr Franz Paul

07.10.2014, 15:38 Uhr

Das ist doch Absicht, daß die Seuche nach Europa gebracht wird. Nur so kann das notwendige Geld zur Bekämpfung locker gemacht werden.

Herr Rainer Feiden

07.10.2014, 18:39 Uhr

Es ist ja bestimmt christlich, zu helfen.
Nur: können diese Helfer nicht eine Sicherheitsfrist abwarten, bevor man sie wieder in alle Welt reisen lässt?

Eine Quarantäne von zwei Wochen ist inakzeptabel? Aber die Infektion von Hunderten oder Tausenden wird in Zweifel in Kauf genommen?

Wie krank ist das denn?

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