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21.03.2014

06:42 Uhr

Eckhard Cordes

„Wirtschaftssanktionen kommen uns teuer zu stehen“

ExklusivDie EU hat die Sanktionen gegen Russland verschärft – zunächst nur ein wenig. Doch Wirtschafts-Strafmaßnahmen sind bereits in Vorbereitung. Eckhard Cordes, Vorsitzender des Ost-Ausschusses, warnt eindringlich davor.

Ostausschuss-Chef Cordes: „Eine Sanktionsspirale, bei der ich nicht sehe, wie wir da wieder herauskommen sollen“. dapd

Ostausschuss-Chef Cordes: „Eine Sanktionsspirale, bei der ich nicht sehe, wie wir da wieder herauskommen sollen“.

BerlinEckhard Cordes, Vorsitzender des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, hat vor Sanktionen gegen Russland gewarnt. „Wir kämen im Falle harter Wirtschaftssanktionen in eine Sanktionsspirale, bei der ich nicht sehe, wie wir da wieder herauskommen sollen“, sagte Cordes im Interview mit dem Handelsblatt (Freitagausgabe). Das Land zu ächten sei ein großer Fehler. „Russland ist die achtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Es hat einen hohen Investitionsbedarf und damit ein großes Potenzial“, sagte Cordes. Grundsätzlich allerdings gelte für die Wirtschaft der Primat der Politik. „Diese muss am Ende entscheiden.“

Nach den USA hatten auch die europäischen Staats- und Regierungschefs auf ihrem Gipfel die Sanktionen gegen Russland verschärft. Als Reaktion auf die angestrebte Eingliederung der ukrainischen Halbinsel Krim in die Russische Föderation wurden Einreise- und Kontosperren ausgeweitet. Außerdem wurde der erste Schritt für mögliche Wirtschaftsstrafmaßnahmen unternommen. „Wir haben die Kommission gebeten, dass sie zu solchen möglichen wirtschaftlichen Sanktionen in einem breiten Bereich vorbereitende Arbeiten trifft“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Nacht zu Freitag nach dem ersten Tag des EU-Gipfels in Brüssel.

Sanktionen gegen Moskau: Der Drei-Stufen-Plan der EU

Erste Stufe

Gespräche über Visa-Erleichterungen und ein Wirtschaftsabkommen mit Russland werden am 6. März auf Eis gelegt.

Zweite Stufe

Die zweite Sanktionsrunde betrifft Einreiseverbote für russische und ukrainische Verantwortliche in EU-Staaten sowie das Einfrieren ihrer Auslandskonten in der EU. Die EU-Außenminister beschließen dies am 17. März, nachdem das umstrittene Referendum über eine Abspaltung der Krim trotz der Proteste des Westens abgehalten wurde.

Betroffen sind 21 Russen und Ukrainer, die für das Referendum verantwortlich gemacht werden, unter ihnen der Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow und der Befehlshaber der russischen Schwarzmeerflotte, Alexander Witko.

Die Sanktionen sind zunächst auf sechs Monate beschränkt, können aber verlängert werden. Auf dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag in Brüssel geht es nach Angaben von Diplomaten um eine Ausweitung der Stufe zwei, also eine Ausdehnung der Sanktionsliste auf weitere Verantwortliche.

Dritte Stufe

Die dritte Stufe beschreibt Folgen „in einer Reihe von Wirtschaftsbereichen“, also Wirtschaftssanktionen. Diese sollen verhängt werden, sollte Russland weitere Schritte „zur Destabilisierung der Lage in der Ukraine“ unternehmen, also etwa über die Krim hinaus im Osten des Landes militärisch eingreifen.

Angesichts der damit verbundenen weitreichenden Auswirkungen auf die Wirtschaft in der EU könnte der Gipfel die EU-Kommission beauftragen, diese zu analysieren und abzuwägen.

Cordes sieht diese Maßnahmen kritisch. Deutschland könne sich seit Jahrzehnten darauf verlassen, dass Russland die Verträge mit Deutschland erfüllt. „Auch aktuell betont die russische Seite, dass es zu keinen Lieferunterbrechungen beim Gas und Öl kommen wird“, sagte Cordes. Die Russen würden eher die Diskussion mit Sorge sehen, dass sich Europa unabhängig von solchen Lieferungen machen wolle. „Als Reaktion darauf will man sich in Zukunft stärker nach China orientieren. Das kann eigentlich nicht in unserem Interesse liegen“, warnte der Vorsitzende des Ost-Ausschusses.

Krim-Krise

Russland: Kommen nun doch Wirtschaftssanktionen?

Krim-Krise: Russland: Kommen nun doch Wirtschaftssanktionen?

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Cordes zeigte sich davon überzeugt, dass „Wirtschaftssanktionen uns alle teuer zu stehen kommen“. Er wies auch auf die derzeit fehlende Investitionssicherheit in Russland hin: „Wenn ich als Vorstandschef entscheiden müsste, ob ich heute eine halbe Milliarde Euro in Russland investiere, würde ich die Entscheidung natürlich verschieben.“

Angesichts der Krim-Krise die Abhängigkeit von Russland als Energielieferant und Absatzmarkt zu verringern, lehnte Cordes ab. „Der Handel mit Russland sichert hierzulande rund 350.000 Arbeitsplätze ab, deutsche Unternehmen wie VW oder Metro haben umgekehrt einige zehntausende Beschäftigte in Russland“, sagte der frühere Chef des Düsseldorfer Handelskonzerns. Wer geschäftliche Verbindungen habe, „hat kein Interesse daran, dass es dem Partner schlechtgeht und wird immer an Kooperationen interessiert sein, im Gegensatz zu einem isolierten Land.“

Kommentare (14)

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21.03.2014, 08:00 Uhr

Ich vermute, dass es bei den westlichen Drohgebärden (Ankündigung von Sanktionen etc.) bleiben wird. Letztendlich ist den großen Industrie- und Dienstleistungsnationen wie den USA und Deutschland der Verlust der Krim egal, da es dort ja kein Öl zu fördern gibt, wenn denn nur die Wirtschaftsvorteile erhalten bleiben. Um Gerechtigkeit sowie um Menschenrechte geht´s bei der Krim-Krise schon gar nicht!

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21.03.2014, 08:25 Uhr

Es ist schlimm wieviel Schaum die Sanktionäre vor dem Mund haben.
Sollte der EURO nicht Frieden bringen?
Der Feldzug Ukraine ist gescheidert.
1. Bodenschätze werden nicht amerikanisch ausgeplündert,
2. NATO Raketen bleiben draußen,
3. EU Aufnahme ist finanziell nicht machbar.

Account gelöscht!

21.03.2014, 08:57 Uhr

Die Wirtschafts Sanktion gegen Russland werden in erster Linie die EU und Deutschland selbst treffen.
Die EU/Deutschland will ja Russland als Absatzmarkt gewinnen. Sanktionen werden diesen Absatzmarkt der EU und Deutschen Unternehmer komplett torpedieren. Die EU/Deutschland schneidet sich also ins EIGENE FLEISCH!
Wie übirgends auch bei der Energiewende (EEG)!!!
Deutschland/EU schafft sich ab! Das war es...Danke!

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