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19.04.2016

16:01 Uhr

„Economist“-Chefin

Medien berichten zu emotional zu Brexit-Debatte

Woche für Woche diskutiert der „Economist“ Argumente für und gegen die britische EU-Mitgliedschaft. Die Wochenzeitung wirbt gegen einen Brexit, die meisten großen britischen Zeitungen machen allerdings Stimmung dafür.

Die Chefredakteurin der britischen Wochenzeitung „The Economist“ glaubt, dass Großbritannien sich gegen einen Brexit entscheidet. dpa

Zanny Minton Beddoes

Die Chefredakteurin der britischen Wochenzeitung „The Economist“ glaubt, dass Großbritannien sich gegen einen Brexit entscheidet.

LondonDie Medien in Großbritannien treiben nach Ansicht der „Economist“-Chefin mit unsachlicher Berichterstattung das Land in Richtung EU-Ausstieg. „Dass die Brexit-orientierten Massenmedien das Thema meistens emotional diskutieren, spielt eine wichtige Rolle“, sagte Zanny Minton Beddoes der Deutschen Presse-Agentur in London. „Wenn man manche Zeitungen liest, kann man gar keine rationale Debatte über Vor- und Nachteile der EU führen.“

Minton Beddoes ist seit gut einem Jahr Chefredakteurin der britischen Wochenzeitung, die in jeder Ausgabe Argumente für und gegen die britische EU-Mitgliedschaft diskutiert, über die das Volk am 23. Juni per Referendum entscheidet. „Wo wir stehen, ist klar“, sagte sie - der liberale „Economist“ wirbt für einen Verbleib in der Union. Die meisten großen Zeitungen wie „Sun“, „Daily Mail“, „Telegraph“ oder „Times“ machen allerdings eher Stimmung für einen EU-Austritt.

Die geplanten EU-Zugeständnisse für GB

VERHÄLTNIS EUROZONE ZU NICHT-EURO-STAATEN

Für Nicht-Euro-Staaten wie Großbritannien wird ein neues Verfahren überlegt, um mehr Einfluss auf neue EU-Gesetzgebung zu nehmen. Frankreich hat Bedenken und fürchtet beispielsweise Alleingänge Londons bei der Finanzmarktregulierung zum Nachteil des Finanzplatzes Paris.

SOZIALLEISTUNGEN FÜR EU-BÜRGER

Tusk schlägt eine „Notbremse“ vor, die bei außergewöhnlich starker Zuwanderung von EU-Bürgern gezogen werden kann. Dann könnten bestimmte Sozialleistungen für neu Ankommende beschränkt werden. Das Verfahren ist de facto auf Großbritannien zugeschnitten. Die EU-Kommission will die Möglichkeit für alle Staaten eröffnen, Kindergeld an die Lebenshaltungskosten anzupassen, wenn die Nachkommen nicht im Land des Arbeitnehmers leben.

BÜROKRATIEABBAU

Die Wettbewerbsfähigkeit der Union soll gesteigert werden. Das kommt Cameron entgegen, der insbesondere auf Bürokratieabbau pocht.

ABSTAND ZUR EU

Großbritannien bekommt die Zusicherung, sich politisch nicht weiter in die EU integrieren zu müssen. Das soll möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt in den EU-Verträgen verankert werden. Paris lehnt allerdings Vertragsänderungen offen ab.

Zwar könne man sich angesichts der Umfragen nicht sicher sein, sagte Minton Beddoes, aber sie glaube, dass sich das Land fürs Drinbleiben entscheide. „Ich denke, am Ende werden viele Briten konservativ abstimmen - wenn nichts von außen die Debatte kurz vorher total durcheinander rüttelt.“

Von

dpa

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