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22.01.2017

15:57 Uhr

Ecowas

Frontkämpfer für die Demokratie

VonWolfgang Drechsler

Gambia ist an diesem Wochenende knapp einem Bürgerkrieg entronnen. Entscheidend für den friedlichen Ablauf war das Eingreifen der Staatengemeinschaft Ecowas. Diese leistet im Westen Afrikas Bemerkenswertes.

Krise spitzt sich zu

Bürger und Touristen fliehen aus Gambia

Krise spitzt sich zu: Bürger und Touristen fliehen aus Gambia

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KapstadtUnter all den vielen Organisationen, die weltweit für mehr Stabilität und Frieden kämpfen, hat die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft, besser unter dem Kürzel Ecowas bekannt, einen besonders undankbaren Job: Eine der vielen Aufgabe dieser vor mehr als 40 Jahren von 15 westafrikanischen Staaten ins Leben gerufenen Gruppe besteht darin, die Demokratie ausgerechnet in einer Region zu stärken, die seit Jahren von Militärputschen und Diktatoren geplagt wird.

Fünf ihrer Mitglieder haben in den letzten 20 Jahren extrem blutige Bürgerkriege durchlebt, zuletzt die zuvor als Stabilitätsgarant der Region gepriesene Elfenbeinküste. Nur die Inselgruppe der Kapverden und der Senegal kennen seit der Unabhängigkeit keine Militäraufstände. Und dennoch macht Ecowas, gerade im Vergleich mit fast allen anderen afrikanischen Organisationen, einen ausgesprochen guten Job.

Gambia: Ex-Präsident Jammeh geht ins Exil

Gambia

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Gut sieben Wochen nach seiner Wahlniederlage hat Gambias bisheriger Präsident Jammeh sein Land verlassen und damit eine drohende gewaltsame Eskalation vermieden. Er geht ins Exil nach Äquatorialguinea.

Die schwere Krise im Zwergstaat Gambia, kurios eingeklemmt im Staatsgebiet des Senegal, ist in den vergangenen beiden Monaten zur jüngsten Bewährungsprobe für die Ecowas geworden – und am Wochenende nun mit der Flucht des gambischen Diktators Jahya Jammeh friedlich gelöst worden.

Ausschlaggebend dafür, dass die Lage hier nicht wie anderswo in Afrika eskalierte, war dabei vor allem das entschlossene militärische Auftreten der Ecowas: Senegalesische Truppen hatten zur Wochenmitte mit dem ausdrücklichen Segen des UN-Sicherheitsrates die Grenze zu Gambia überschritten – und Jammeh bis Freitag eine Galgenfrist für dessen freiwilligen Amtsverzicht gesetzt.

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Zeitgleich hatten sich an der Grenze des Landes zusätzlich Soldaten aus Nigeria und Ghana für einen weiteren Einmarsch positioniert. Die nigerianische Luftwaffe brachte zur Abschreckung Kampfflugzeuge über Gambia zum Einsatz.

Danach ging alles sehr schnell: In einer allerletzten Gesprächsrunde am späten Freitag konnte der Anfang Dezember eigentlich abgewählte Jammeh nun doch noch von den Unterhändlern aus der Region überzeugt werden, die Macht friedlich an den im Dezember siegreichen Oppositionspolitiker Adama Barrow abzutreten und unverzüglich ins Exil zu gehen. Am Sonntag kam der 51-jährige Jammeh im zentralafrikanischen Staat Äquatorialguinea an.

Dass es zu größeren Kampfhandlungen kommen würde, war spätestens nach dem couragierten Eingreifen der Ecowas sehr unwahrscheinlich gewesen: Schließlich liegt die Gesamtstärke der gambischen Streitkräfte bei knapp 1000 (mehrheitlich schlecht ausgebildeten) Soldaten. Diesen stand zuletzt die siebenfache Zahl an Soldaten aus Nigeria, Ghana, Togo und dem Senegal gegenüber.

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