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03.04.2017

04:19 Uhr

Ecuador

Wenn sich gleich zwei Kandidaten als Sieger sehen

Stichwahl mit knappem Ergebnis: Die Wahlbehörden zeigen einen hauchdünnen Vorsprung Lenín Morenos. Der neue Präsident Ecuadors feiert – sein konservativer Gegner Guillermo Lasso fordert eine erneute Auszählung.

Ecuador

Moreno sieht sich als Sieger bei Präsidentenwahl

Ecuador: Moreno sieht sich als Sieger bei Präsidentenwahl

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QuitoDer Kandidat der Regierungspartei in Ecuador, Lenín Moreno, hat nach ersten Auszählungen der Wahlbehörden die Stichwahl um das Präsidentenamt gewonnen. Sein Vorsprung gegenüber dem konservativen Ex-Banker Guillermo Lasso liege bei rund zwei Prozentpunkten. Demnach erhielt Moreno 51 Prozent der Stimmen, Lasso 49 Prozent. Lasso forderte eine zweite Auszählung, nachdem mehrere Hochrechnungen ihn als den Gewinner der Wahl angegeben hatten.

Zuvor war bereits mit einem knappen Ausgang der Stichwahl gerechnet worden. Der scheidende Präsident Rafael Correa, der Moreno unterstützt, äußerte sich nach der Wahl zuversichtlich, dass sein Regierungskandidat gewonnen habe. „Der moralische Betrug des rechten Flügels wird nicht ohne Strafe bleiben“, sagte Correa mit Blick auf die Hochrechnung des Institut Cedatos.

Cedatos, das das Ergebnis der ersten Wahlrunde im Februar korrekt vorhergesagt hatte, sah Lasso mit 53 Prozent zu 47 Prozent der Stimmen für Moreno als Wahlsieger. Die Prognose sei von der Bank bezahlt worden, die zu Teilen Lasso gehört, sagte Moreno. Das Institut habe gelogen. „In den nächsten Minuten werdet ihr die Wahrheit wissen“, sagte Moreno zu Anhängern. „Wir haben die richtigen Daten, wir haben die Wahl gewonnen und ich werde der Präsident aller Ecuadorianer sein.“ Lasso rief hingegen seine Anhänger auf, standhaft zu bleiben, damit der Wunsch des Volkes respektiert werde.

Nach der Stichwahl für das Präsidentenamt Ecuadors feiert Lenín Moreno seinen Sieg. AFP

Ecuador

Nach der Stichwahl für das Präsidentenamt Ecuadors feiert Lenín Moreno seinen Sieg.

Beide Kandidaten waren zuvor vor Unterstützern aufgetreten und hatten sich als Wahlsieger feiern lassen. „Heute wurde ein neues Ecuador geboren“, sagte Lasso. Einige Dutzend Anhänger Lassos versammelten sich vor dem Gebäude des Wahlrats, um ihrer Ansicht nach, sicherzustellen, dass ihrem Kandidaten der Sieg nicht mehr genommen werde.

Während Moreno für eine Kontinuität der Politik Correas steht, hat Oppositionskandidat Lasso versprochen, den Kurs des Amtsinhabers zu korrigieren, um die gebeutelte Wirtschaft des Landes auf Vordermann zu bringen. Ecuador steckt in einer tiefen Rezession fest, viele Bewohner sind außerdem verärgert über die Korruptionsskandale der Regierung.

Die Stichwahl wird auch eine Rolle für das Schicksal des Wikileaks-Gründers Julian Assange spielen, der vor Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London Zuflucht gesucht hat und sich dort bis heute aufhält. Lasso hat angekündigt, den australischen Aktivisten binnen 30 Tagen nach seinem Amtsantritt auszuweisen. Moreno hingegen will Assange gestatten, zu bleiben.

In der achtstufigen ersten Wahlrunde hatte Moreno zwar um mehr als zehn Prozentpunkte vor Lasso gelegen. Insgesamt hatten jedoch mehr als 60 Prozent aller Wähler für Kandidaten gestimmt, die Schluss machen wollten mit der Politik Correas, der seine Regierung als „Revolution der Bürger“ bezeichnet.

Doch seitdem bröckelte Lassos Rückhalt. Vor allem ärmere Wähler sind verstärkt auf die früheren unternehmerischen Aktivitäten des Konservativen aufmerksam geworden - nicht zuletzt durch fast tägliche Attacken Correas, der Lasso vorwarf, von der ecuadorianischen Bankenkrise im Jahr 1999 profitiert zu haben.

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