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07.05.2015

15:44 Uhr

Ed Miliband

Der Labour-Chef mit dem Tölpel-Image

Ed Miliband will Großbritanniens Premierminister werden – viele bezweifeln, dass er das Zeug dazu hat. Doch ehrgeizig war „Red Ed“ schon immer - um nach oben zu kommen, stach er sogar seinen Bruder aus.

Der Labour-Chef selbst bezeichnet sich als „atheistischer Jude“. „Die Geschichte meiner Eltern am Leben zu halten, ist mir extrem wichtig“, sagt er. dpa

Ed Miliband

Der Labour-Chef selbst bezeichnet sich als „atheistischer Jude“. „Die Geschichte meiner Eltern am Leben zu halten, ist mir extrem wichtig“, sagt er.

LondonEd Miliband ist kein Politiker für hübsche Fotos. Auf dem Gebiet könne er nicht gewinnen, sagte der Labour-Chef vergangenen Sommer, und ging damit noch vor dem Wahlkampf sein größtes Problem an: Sein Image als tapsiger, schlechter Redner, der ein bisschen wie die Comicfigur Wallace von „Wallace & Gromit“ aussieht, kein Fettnäpfchen auslässt und viel zu wenig Autorität hat, um britischer Premierminister zu werden. Fotos, auf denen der 45-Jährige sich bös an einem Sandwich verschluckt, wurden zum Internet-Hit.

Journalisten und Wähler zeigen sich allerdings oft überrascht, wie entspannt und begeisternd Miliband bei persönlichen Begegnungen ist. Auch Parteifreunde zeichnen ein anderes Bild. „Er hat seinen eigenen Kopf“, sagt etwa die langjährige Labour-Abgeordnete Gisela Stuart. Und robust genug für den Job des Regierungschefs sei der gebürtige Londoner: Das zeige die Geschichte mit seinem Bruder.

Großbritannien wählt: Ausland? No, thanks!

Großbritannien wählt

Ausland? No, thanks!

Im Wahlkampf genügt die Insel sich selbst: Großbritannien diskutiert über seine Wirtschaft, Sozialleistungen und Eigenheime, nicht aber über die weltweiten Krisen. Damit punktet Premier David Cameron nicht bei allen.

Gegen den setzte Edward Samuel Miliband sich 2010 im Rennen um den Parteivorsitz ganz knapp durch, es gelang ihm mit Unterstützung der Gewerkschaften. „Es war eine harte Zeit für meine Familie“, gibt er zu. Die Wunden seien am Heilen.

Zuvor hatte er lange im Schatten des vier Jahre älteren David gestanden, der inzwischen in den USA lebt. Von dort hat David kürzlich Wahlwerbung für seinen Bruder gemacht. Nicht wenige Labour-Wähler aber trauern bis heute dem „anderen Miliband“ nach, der als smarter und redegewandter gilt.

Das sind die Parteien in Großbritannien

Neues Parlament wird gewählt

In wenigen Tagen wird in Großbritannien ein neues Parlament gewählt. Dabei werden sich Premierminister David Cameron und der Labour-Chef Ed Miliband voraussichtlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Traditionell wünscht man sich einen klaren Sieger, eine Partei, die absolute Mehrheit im Unterhaus hat. Stattdessen sich alle möglichen Kombinationen denkbar. Das sind die Parteien in Großbritannien:

Die Konservativen

Weniger Arbeitslose und eine gute Konjunktur, Senkung des Haushaltsdefizits um ein Drittel – eigentlich müsste Premierminister David Cameron die Wahl entspannt angehen. Die Konservative Partei (Conservative Party) liegt derzeit bei 33 Prozent, wie aus einer Umfrage des Instituts YouGov hervorgeht. Ein Sieg könnte zu einer Niederlage für Europa werden.

Labour Partei

Im Gegensatz zu Cameron bekennt sich sein größter Herausforderer Labour Parteichef Ed Miliband klar zur EU. Die Sozialdemokraten kommen aktuell auf 34 Prozent. Sollte er bei der Unterhauswahl neuer Premierminister werden, will Miliband kein Referendum über einen Verbleib Großbritanniens in der EU abhalten.

Ukip

Die UK Independence Party ist eine EU-skeptische und rechtspopulistische Partei, deren Hauptziel der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU ist. Parteivorsitzender ist Nigel Farage. Die EU-Gegner der Ukip liegen der Umfrage zufolge bei 14 Prozent.

Die Liberaldemokraten

Die Liberaldemokraten (Liberal Democrats), mit denen David Cameron bei einem Sieg koalieren würde, liegen bei acht Prozent. Vorsitzender ist Nick Clegg. Er warnte zum Beispiel vor den schwerwiegenden Folgen eines EU-Ausstiegs für die britische Wirtschaft.

Die schottischen Nationalisten (SNP)

Die schottischen Nationalisten (Scottish National Party) setzen sich für ein unabhängiges Schottland ein. Die schottische Regierungschefin, Nicola Sturgeon, wirbelt derzeit Großbritanniens Politik durcheinander. Die Partei kommt auf nur vier Prozent.

Die Grünen

Wenn es nach den Plänen der britischen Grünen (Green Party) geht, soll die Monarchie abgeschafft werden, die Mitgliedschaft in Terrororganisationen strafffrei sein und Drogen legalisiert werden. Im Wahlprogramm der Vorsitzenden Natalie Bennet geht es natürlich um den Umweltschutz. Die Grünen liegen der Umfrage zufolge bei fünf Prozent.

Andere Parteien

Außerdem stellen sich zur Wahl: die walisische Regionalpartei Plaid Cymru sowie die nordirischen Parteien Democratic Unionist Party, Social Democratic and Labour Party, Alliance Party und Unabhängige und die katholische nordirische Partei Sinn Féin. Laut der YouGov-Umfrage liegen diese Parteien insgesamt bei drei Prozent.

Der Vater der Brüder, Ralph Miliband, kam als Sohn polnischer Juden in Belgien zur Welt und floh während des Zweiten Weltkriegs nach Großbritannien. Dort arbeitete er als Möbelpacker, bevor er zum marxistischen Intellektuellen und Professor avancierte. Die Mutter, ebenfalls polnische Jüdin, überlebte den Holocaust in einem Kloster und wanderte in den 50er Jahren nach London aus.

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