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24.06.2013

15:36 Uhr

Edward Snowden auf der Flucht

Ein Mann narrt die Supermacht

VonNils Rüdel

Edward Snowden ist der US-Justiz entwischt: Der Informant ist wohl auf dem Weg Richtung Lateinamerika. Die Amerikaner können wenig ausrichten. Parlamentarier sind wütend, Außenminister Kerry warnt China und Russland.

In Hongkong genoss Edward Snowden die Solidarität vieler Bürger. AFP

In Hongkong genoss Edward Snowden die Solidarität vieler Bürger.

WashingtonUS-Außenminister John Kerry hat China und Russland davor gewarnt, ihre Beziehungen zu den Vereinigten Staaten durch die Affäre um den „Whistleblower“ Edward Snowden zu gefährden. Es wäre „zutiefst beunruhigend“, wenn die Länder von den Reiseplänen des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters gewusst und wissentlich gegen gesetzliche Standards verstoßen hätten, sagte Kerry am Montag. „Ohne Frage gäbe es Auswirkungen auf die Beziehungen und Konsequenzen.“

In Bezug auf China erinnerte Kerry an das Auslieferungsabkommen mit Hongkong. Es wäre „sehr enttäuschend“, wenn die Behörden der chinesischen Sonderverwaltungszone dem in den USA per Haftbefehl Gesuchten willentlich erlaubt hätten, ein Flugzeug zur Ausreise zu besteigen. An die Adresse Russlands sagte Kerry, die USA hätten in den vergangenen zwei Jahren sieben Gefangene ausgeliefert, die Russland verlangt habe. „Ich denke, dass Wechselseitigkeit und die Durchsetzung des Gesetzes sehr wichtig sind“, so Kerry. Snowden habe die USA betrogen und gegen einen Eid verstoßen.

Die USA haben daher Anklage wegen Geheimnisverrats gegen ihn erhoben, nachdem der 30-Jährige gegenüber Journalisten massive Abhöraktionen der USA und Großbritanniens enthüllt hatte. Snowden setzte sich nach Hongkong ab und flog von dort aus mit einer Aeroflot-Maschine nach Moskau. Mittlerweile soll er Russland schon wieder verlassen haben – vermutlich Richtung Lateinamerika.

Snowdens Flucht: Plant Ecuador einen neuen Seitenhieb gegen die USA?

Snowdens Flucht

Plant Ecuador einen neuen Seitenhieb gegen die USA?

Edward Snowden will ausgerechnet nach Ecuador, jenem Land, das schon Wikileaks-Gründer Assange in seiner Londoner Botschaft beherbergt. Ecuadors Präsident Correa schätzt seine Rolle als Provokateur.

Es könnte die letzte Station einer filmreifen Flucht sein: Als Flug SU 213 der russischen Aeroflot am Sonntagnachmittag Ortszeit in Moskau aufsetzte, war am anderen Ende der Welt die Aufregung groß. „Snowden auf der Flucht“, titelte die Webseite des US-Nachrichtensenders CNN in großen Buchstaben. In Washington war es da noch früher Morgen, über den Rest des Tages dann verfolgte Amerika gebannt, wie sich die Geschichte um die Linienmaschine aus Hongkong und ihren berühmtesten Passagier entwickeln würde.

Der 30-jährige Edward Snowden hatte von Hongkong aus umfangreiche Abhöraktionen der US-Geheimdienste NSA und CIA unter dem Namen „Prism“ öffentlich gemacht. Vor seiner Abreise legte er außerdem noch Dokumente über ein britisches Überwachungsprogramm namens „Tempora“ sowie die Spionage von US-Diensten in China offen.

Die US-Justiz will ihn dafür anklagen. Doch dafür muss sie ihn erst einmal kriegen – was derzeit schwierig erscheint: Snowden hielt sich zunächst in einem Hotel im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo auf. Von dort wollte er angeblich weiter nach Kuba, um schließlich in Ecuador Asyl zu erhalten.

Außenminister Ricardo Patiño bestätigte am Sonntag über Twitter, dass ein Antrag eingegangen sei. Doch ob, mit welcher Maschine und in welche Richtung Snowden Moskau wieder verlassen hat, darüber herrschte auch am Montagnachmittag noch Unklarheit.

Snowdens dramatische Flucht aus Hongkong ist das Thema der amerikanischen Medien. Vor allem drei Fragen beschäftigten die Öffentlichkeit: Wo ist Snowden? Wo will er hin? Und wie können wir verhindern, dass er dort ankommt?

Kommentare (26)

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RumpelstilzchenA

24.06.2013, 08:46 Uhr

Die amerikanischen Extremisten kriechen aus ihren Schneckenhäusern.
Das ist das wahre Gesicht der Amerikaner.
Snowden, ich drücke dir die Daumen.

kraehendienst

24.06.2013, 08:48 Uhr

" Parlamentarier reagierten wütend." - Weiter so! Die anachronistisch dekadenten Großherrscher sind plötzlich nicht mehr feudalistisch sondern infantil.

Eddie

24.06.2013, 09:11 Uhr

Diese "Muster-Demokraten" besitzen keinen Funken Anstand. Statt Snowden zu danken, dass er sich fuer demokratische Werte wie Recht und Freiheit einsetzt und unrechtmaessige Handlungen der Geheimdienste aufgedeckt hatte, reagiert der Staat uneinsichtig und rachsuechtig. Passt ins Bild (Guantanamo, Wikileaks, Drohnenangriffe)... Wie wurde Obama doch nach seinem Wahlsieg gefeiert, die Welt hoffte eine Wende zum Besserem - und muss jetzt erkennen, dass der sympathisch erscheinende Obama schlimmer als Bush ist...

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