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11.09.2011

11:53 Uhr

EFSF soll Banken stützen

Schäuble bereitet Griechenland-Pleite vor

Griechenland gerät immer tiefer in den Schuldenstrudel. Finanzminister Schäuble forderte das Land auf, Zusagen für Finanzhilfen einzuhalten. Hinter den Kulissen tüftelt Schäuble bereits an Plänen für eine Pleite des Landes.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). dpa

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Thessaloniki, Berlin, MarseilleIn Berlin geht die Geduld mit dem Eurokrisenland Griechenland dem Ende zu. Die Regierung würde den Partnern in der Eurozone immer sehr viel versprechen, um an die nächste Kredit-Tranche zu kommen - doch dann werden nicht geliefert, heißt es nach Handelsblatt-Informationen im Berliner Finanzminsterium. Deshalb bereite man sich jetzt ernsthaft darauf vor, Griechenland kein weiteres Geld zu geben. Sollten dadurch die europäischen Banken in Gefahr geraten, wolle man sie über den erweiterten europäischen Rettungsschirm EFSF auffangen.

Auch das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet, das die Beamten von Finanzminister Wolfgang Schäuble derzeit sämtliche Szenarien durchspielen, die sich im Falle eines Zahlungsausfalls des Landes ergeben könnten. Laut „Spiegel“ gibt es im Finanzministerium grundsätzlich zwei Varianten einer möglichen Griechenland-Pleite. Bei der ersten bleibe das Land in der Währungsunion, bei der anderen gebe es den Euro als Zahlungsmittel auf und führe die Drachme wieder ein.

Tatsächlich spitzt sich die Lage in Griechenland wieder zu. Die Regierung in Athen erwartet einen noch stärkeren Wirtschaftseinbruch als bislang angenommen. „Die Prognose war im Mai minus 3,8 Prozent. Jetzt übertreffen wir die (minus) fünf Prozent“, sagte der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos am Samstag vor griechischen Unternehmern bei einer Messe-Eröffnung in der Hafenstadt Thessaloniki. Damit würden auch die Prognosen der EU übertroffen.

Hintergrund der neuen Vorhersagen seien die Sparpolitik der Regierung, aber auch auf psychologische Gründe, erläuterte Venizelos. Viele Menschen zögen ihr Geld von den Banken ab und investierten es nicht. Investitionen seien aber dringend notwendig. „Wir brauchen jetzt einen Sprung nach vorne. Es ist ein nationales Ziel“, sagte Venizelos.

Griechenland muss kräftig sparen und bangt um weitere Milliarden-Hilfen von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF). Schäuble forderte Griechenland erneut eindringlich auf, die Zusagen für die Finanzhilfen einzuhalten. „Es ist völlig klar: Griechenland muss die eingegangenen Verpflichtungen erfüllen“, stellte Schäuble am Samstag in Marseille am Rande des G8-Finanzministertreffens klar.

Gegenwärtig seien die Voraussetzungen nicht erfüllt für eine Auszahlung der im September fälligen nächsten Kredittranche aus dem ersten Hilfspaket der Europäer und des Internationalen Währungsfonds (IWF). Er habe darüber auch ausführlich mit IWF-Chefin Christine Lagarde gesprochen. „Wir sind uns da völlig einig: Solange Griechenland diese Zahlen nicht erfüllt, ist eine Auszahlung nicht möglich“, sagte Schäuble dem ZDF.

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Das sei zwar eine schwierige Lage für Griechenland, sagte Schäuble, betonte aber zugleich. „Es ist nicht so, dass eine unmittelbare Zuspitzung bevorsteht.“ Athen habe sich erst vergangene Woche an den Märkten Mittel mit begrenzter Laufzeit besorgt.

Griechenlands Finanzminister Venizelos rief seine Landsleute auf, die Hilfen der anderen Europäer anzuerkennen und sich anzustrengen, um die Finanzkrise zu überwinden. Griechenland bekomme eine „noch nie da gewesene“ Hilfe von insgesamt 219 Milliarden Euro. „Es ist sehr wichtig dies anzuerkennen und diese Hilfe zu ehren, denn es sind die Steuerzahler vieler anderer EU-Staaten, die dafür bezahlen oder bürgen müssen.“

Für Griechenland seien die nächsten zwei Monate von entscheidender Bedeutung. Alle angestrebten Reformen müssen in die Tat umgesetzt werden: „Jeder Tag der vergeht, zählt bis Ende Oktober wie ein Jahr. Wir müssen bis dahin das Puzzle (der Reform der griechischen Wirtschaft) zusammengesetzt haben“, sagte der Minister.

Kommentare (97)

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whisky

10.09.2011, 12:30 Uhr

Wie soll es anders kommen?
Wenn man denen, die das Geld sofort wieder ausgeben, die Arbeiter, Angestellten, Beamten und Rentnern, Geld wegnimmt, passiert das halt. Wer ist jetzt überrascht? Ökonomen! Zitat aus faz.net: "Das größte Hindernis auf dem Weg zu einer realkapitalistischen „Spielanordnung“: Die Lernschwäche der Ökonomen.
... Anders gesagt: Ärzte, deren Therapie Teil der Krankheit ist, verstärken lieber die Dosis."
http://www.faz.net/artikel/C30717/schuldenkrise-die-lernschwaeche-der-oekonomen-30495373.html

Account gelöscht!

10.09.2011, 12:46 Uhr

Ich stelle in Abrede, dass die fatale Wirtschaftsrezession nicht absehbar war. Ich selber und andere haben sie hier im Board mit Zahlen von -5 bis -7 Prozent bereits vor Monaten prognostiziert - auf Basis von allgemein vorliegenden Daten und etwas Menschenverstand. Griechenland ist volkswirtschaftliche weder auf einem guten Weg, noch hilft die desolate Sparpolitik dem Land in irgendweiner Wiese. Das Ganze endet nicht nur im Staatsbankrott, sondern in der Auflösung des Staatswesens als Rechtsorgan. Danach haben wir dann Verhältnisse wie in Somalia - und das mitten in Europa. Griechenland braucht dringendst den kompletten Neuanfang, den Reset, die geordnete Staatsinsolvenz. Ausländisches Geld ist dafür nicht von Nöten - es verhindert sogar notwendige Anpassungseffekte. Der Euro nimmt das Land - und viele andere Krisenländer ebenfalls - in GEiselhaft. Wir brauchen alle schnellstmöglich wieder eigenständige und flexible nationale Währungen. Der Euro muss abgewickelt werden, sonst zerbricht ganz Europa.

Petra

10.09.2011, 12:48 Uhr

... und wir werden noch mehr bezahlen!

Wie sagte ein bekannter Grieche die letzten Tage: "Es ist nicht unser Problem. Es ist Eures!"

Das passiert, wenn man die negativen Auswirkungen von viel Geld auf Kreditbasis mit noch viel mehr Geld zu beheben versucht. Lernt man eigentlich auch in der Hauptschule: Zins- und Zinseszinsrechnen!

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