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26.11.2016

08:20 Uhr

Ehemaliger Staatschef ist tot

Kuba trauert um Fidel Castro

Er galt als unbeugsam und überzeugend: Von 1959 bis 2006 regierte der legendäre Fidel Castro auf Kuba. Doch eigentlich war er nie so wirklich weg. Nun ist der Revolutionsführer im Alter von 90 Jahren verstorben.

Der ehemalige kubanische Präsident starb im Alter von 90 Jahren. Reuters

Fidel Castro

Der ehemalige kubanische Präsident starb im Alter von 90 Jahren.

Kubas legendärer Revolutionsführer und Ex-Präsident Fidel Castro ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Das teilte sein Bruder und derzeitiger Staatspräsident Raúl Castro am späten Freitagabend (Ortszeit) mit bebender Stimme im staatlichen Fernsehen mit.

Castro hatte mit seiner Revolutionsarmee Diktator Fulgencio Batista gestürzt und war Anfang Januar 1959 in der Hauptstadt Havanna einmarschiert. Anschließend führte er auf der Karibikinsel einen Kommunismus im sowjetischen Stil ein. Während seiner fast 50-jährigen Regierungszeit widerstand er auf der Insel nur 90 Meilen vom US-Staat Florida entfernt dem Druck von zehn US-Präsidenten. 2006 übergab er die Präsidentschaft aus gesundheitlichen Gründen an seinen Bruder Raúl, Anfang 2008 trat Fidel Castro dann endgültig von allen seinen politischen Ämtern zurück.

Ende 2014 verständigten sich US-Präsident Barack Obama und Raúl Castro auf ein Ende der mehr als 50-jährigen diplomatischen Eiszeit zwischen beiden Staaten. 2015 eröffneten die beiden Länder wieder Botschaften, seitdem ist auch eine weitere wirtschaftliche Öffnung der Insel im Gang.

Kuba unter den Castros

1. Januar 1959

Kubas diktatorischer Präsident Fulgencio Batista flieht. Sieben Tage später feiern Fidel Castros Truppen den Einzug in die Hauptstadt Havanna.

16. Februar 1959

Castro erklärt sich zum Ministerpräsidenten Kubas.

17. Mai 1959

Castro unterzeichnet die Agrarreform, die den privaten Landbesitz der Bauern begrenzt und damit Großgrundbesitzer enteignet.

Februar 1960

Kuba unterzeichnet ein erstes Handelsabkommen mit der Sowjetunion.

Juni 1960

Die ersten US-Unternehmen auf Kuba werden verstaatlicht.

15. April 1961

Castro verkündet den „sozialistischen Charakter“ der Kubanischen Revolution. Zwei Tage später beginnt die Invasion der von den USA unterstützten Exilkubaner in der Schweinebucht, die innerhalb von 72 Stunden von den kubanischen Truppen niedergeschlagen wird.

7. Februar 1962

Die USA verhängen ein totales Embargo über den Handel mit Kuba.

Oktober 1962

Die „Kubakrise“ als Konfrontation der Supermächte USA und Sowjetunion bringt die Welt an den Rand eines Atomkriegs.

3. Oktober 1965

Gründung der Kommunistische Partei Kubas. Fidel Castro wird erster Generalsekretär, sein Bruder Raúl Vize.

13. März 1968

Kubas Führung beschließt die Verstaatlichung aller Einrichtungen, die sich noch in kubanischem Privatbesitz befinden.

1972

Kuba schließt sich dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, der internationalen Organisation sozialistischer Staaten an.

1976

Mit einer Verfassungsreform wird Fidel Castro gleichzeitig zum Regierungschef und Staatsoberhaupt Kubas.

1990

Angesichts des zerfallenden Ostblocks setzt Kuba ein wirtschaftliches Notfallprogramm auf.

August 1993

Reformen sollen die Wirtschaftskrise abschwächen. Unter anderem wird die Arbeit auf eigene Rechnung und der Besitz von Dollars als Zahlungsmittel erlaubt.

Juni 2004

Die USA verschärfen ihr Embargo.

31. Juli 2006

Fidel Castro gibt die Führung aus gesundheitlichen Gründen an seinen Bruder und Vize Raúl ab - zunächst nur vorläufig.

18. Februar 2008

Fidel Castro tritt endgültig ab, Raúl wird kurz darauf Staatsoberhaupt und Regierungschef.

Mai 2010

Raúl Castro startet einen Dialog mit der katholischen Kirche, in dessen Folge 124 politische Gefangene freikommen.

11. Juli 2010

Erstmals seit vier Jahren tritt Fidel Castro in Havanna wieder öffentlich auf.

April 2011

Raúl Castro kündigt Wirtschaftsreformen an. Kubaner dürfen künftig kleine Geschäfte betreiben und Arbeitskräfte beschäftigen.

Oktober 2012

Die Regierung kündigt mehr Reisefreiheit an.

24. Februar 2013

Raúl Castro gibt zu Beginn seiner zweiten Amtszeit bekannt, dass er die Präsidentschaft 2018 abgeben wird.

17. Dezember 2014

Kuba und die USA verkünden die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen nach über 50 Jahren Unterbrechung. Die Vereinbarung zwischen Raúl Castro und US-Präsident Barack Obama wird weltweit als Meilenstein gefeiert.

22. März 2016

Als erster amtierender US-Präsident seit fast 90 Jahren besucht US-Präsident Barack Obama Kuba.

20. April 2016

Fidel Castro zeigt sich noch einmal auf dem Kongress der Kommunistischen Partei und sinniert über seinen eigenen Tod: „Wir alle kommen an die Reihe.“

13. August 2016

Fidel Castro wird 90 Jahre alt.

25. November 2016

Fidel Castro stirbt im Alter von 90 Jahren in Havanna.

„Es ist eine Tragödie“, sagte die 22-jährige Dayan Montalvo zu Tod von Castro. „Wir sind alle mit ihm aufgewachsen. Ich fühle mich richtig verletzt durch die Nachricht, die wir gerade hören“.

Castro starb am Freitagabend um 22.29 Uhr, wie sein Bruder weiter sagte. Der legendäre Revolutionsführer war für viele Rebellenführer in Lateinamerika und Afrika eine Inspiration. Am 13. August 1926 im Osten Kubas als Kind spanischer Einwanderer geboren, besuchte Castro eine Jesuitenschule. Später erlangte er auf der Universität von Havanna Abschlüsse in Jura und Sozialwissenschaften.

Sein Leben als Rebell begann 1953 mit einem Angriff auf die Militärkaserne Moncada in Santiago de Cuba im Osten der Insel. Dieser erste Versuch, sich gegen die Diktatur von Fulgencio Batista zu wehren, endete für Fidel und Bruder Raúl im Gefängnis. Nach einer Begnadigung floh Fidel ins mexikanische Exil, organisierte dort einen Rebellengruppe und kehrte 1956 auf der vielzitierten Jacht „Granma“ nach Kuba zurück. Von den Bergen der Sierra Maestra im Osten aus gelang ihm schließlich 1959 der triumphale Einzug in die Hunderte Kilometer entfernte Hauptstadt Havanna.

Nicht nur Diktator Batista floh vor den Rebellen, sondern auch zahlreiche US-Amerikaner – darunter viele Mafiosi – , die es sich auf der Zuckerinsel gemütlich gemacht und von dort aus ihre teils illegalen Geschäfte betrieben hatten.

Kuba ohne Fidel Castro

Wie hat sich die Regierungsführung in Havanna seitdem verändert?

Kubas Politik ist seit Fidel Castros Rückzug weniger personalisiert. Unter Fidel war die gesamte Regierungsführung auf seine Person zugeschnitten. Raúl Castro handelt wesentlich pragmatischer als sein Bruder. Er hat wieder Beziehungen zum einstigen Erzfeind USA aufgenommen, weil es wirtschaftlich notwendig war. Fidel Castro legitimiert diese Annäherung als Galionsfigur der Revolution. Politische Freiheiten genießen die Kubaner aber weiterhin nicht.

Was ist das politische Erbe Fidel Castros?

Fidel Castro hat den Kubanern ihre Würde wiedergegeben. Auch nach der Unabhängigkeit von Spanien 1898 blieb die Karibikinsel zunächst ein Spielball der Großmächte. Unter Diktator Fulgencio Batista war Kuba in der Hand amerikanischer Mafiosi - mancher sprach abfällig vom „Bordell der USA“. Mit der Revolution 1959 gab Fidel Castro den Kubanern ihre nationale Identität zurück. Als sozialistisches Bollwerk vor der Küste der USA war Kuba während des Kalten Krieges die Aufmerksamkeit der Welt stets gewiss.


Wie geht es weiter, wenn Raúl Castro 2018 zurücktritt und die Ära der Familie Castro endet?

Wie sich die nächste Generation der kommunistischen Kader verhält, ist schwer einzuschätzen. Radikale Brüche sind allerdings zunächst nicht zu erwarten. Auf Raúl Castro könnte Vizepräsident Miguel Díaz-Canel folgen, der sich schon seit Jahren auf das Amt vorbereitet. Auch wenn sich viele Kubaner mehr wirtschaftliche Öffnung und größere Freiheiten wünschen, gibt es wenig Druck für einen massiven Kurswechsel. Viele haben Angst vor dem Raubtierkapitalismus, wie er nach dem Zusammenbruch des Ostblocks in Osteuropa und Russland zu beobachten war.

Die ersten Regierungsjahre sah sich Castro mit diversen Krisen konfrontiert. 1961 erfolgte die US-gesteuerte Invasion in der Schweinebucht, mit der die Rebellen gestürzt werden sollten. Doch sie scheiterte. 1962 kam es dann zu den dramatischen Momenten, als die Welt kurz vor einem Atomkrieg zu stehen schien: Auf Kuba hatten US-Flugzeuge gesehen, dass dort sowjetische Waffen stationiert wurden. Eine Eskalation konnte aber letzten Endes abgewendet werden. Auch dem Handelsembargo der USA sowie vielen anderen Krisen trotzte der Revolutionär mit dem charakteristischen Bart.

„Sozialismus oder Tod“, blieb Castros Revolutionsruf - auch, als sich immer mehr Demokratien im westlichen Stil etablierten und sich sogar die kommunistischen Regimes von China und Vietnam dem Kapitalismus öffneten. Das machte das sozialistische Kuba mit seinen elf Millionen Einwohnern letzten Endes auch wirtschaftlich zu einer Kuriosität. Und nicht wenige Kubaner zeigten sich immer wieder unzufrieden sowohl mit fehlenden politischen als auch wirtschaftlichen Freiheiten.

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