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30.08.2013

21:27 Uhr

Ehrung

Snowden erhält Whistleblower-Preis für Aufdecken der NSA-Affäre

Der Ex-Geheimdienstmitarbeiter ist für die Veröffentlichung geheimer Daten mit dem Whistleblower-Preis ausgezeichnet worden. Die Organisation Transparency International sprach Snowden ihre Dankbarkeit aus.

Für die US-Regierung gilt Edward Snowden als Verräter. Doch Transparency International, IALANA und die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler halten die Taten des Whistleblowers für ehrwürdig. dpa

Für die US-Regierung gilt Edward Snowden als Verräter. Doch Transparency International, IALANA und die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler halten die Taten des Whistleblowers für ehrwürdig.

BerlinMehrere Bürgerrechtsgruppen haben den ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden für das Aufdecken von weitreichenden Spionageprogrammen der USA und Großbritanniens ausgezeichnet. „Wir sind Edward Snowden außerordentlich dankbar“, sagte Edda Müller, die Vorsitzende der Antikorruptionsorganisation Transparency International in Deutschland, am Freitagabend in Berlin. Snowden ließ eine Dankesbotschaft übermitteln. Politiker von SPD, Grünen und Linken äußerten bereits tagsüber Respekt vor dem Informanten. Mehrere Journalisten, die mit Snowden zusammen arbeiten, waren digital oder tatsächlich bei der Preisverleihung anwesend.

Mit seinem Mut und seinem Verantwortungsbewusstsein habe er eine wichtige Debatte angestoßen, sagte Transparenz-Verfechterin Müller weiter. „Dabei geht es um die Frage, wie viel unsere Grundrechte noch wert sind.“ Snowden erhielt den Whistleblower-Preis von Transparency International, der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler und der Organisation von Anwälten gegen Nuklearwaffen IALANA. Damit werden Informanten ausgezeichnet, die nach Ansicht der Gruppen im öffentlichen Interesse handeln.

Die NSA-Spähaffäre und die Causa Snowden

5.Juni

Die britische Zeitung „The Guardian“ berichtet, dass der Handynetzbetreiber Verizon dem US-Geheimdienst NSA auf der Grundlage eines geheimen Gerichtsurteils täglich Informationen zu allen Telefonanrufen innerhalb der USA sowie zwischen der USA und anderen Ländern übermitteln muss.

6. Juni

Berichten der "Washington Post" und des „Guardian“ zufolge dürfen die NSA und die Bundespolizei FBI auf Serverdaten der Internetkonzerne Google, Microsoft, Yahoo, Facebook, Apple, Youtube, Skype, AOL und PalTalk zugreifen. Das geheime Überwachungsprogramm wurde demnach 2007 eingeführt.

9. Juni

Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, der über Hawaii nach Hongkong geflohen war, gibt sich als Quelle der Enthüllungen zu erkennen. Drei Tage später beschuldigt er Washington, weltweit "hunderttausende Computer" zu überwachen.

21. Juni

Die US-Regierung beschuldigt Snowden der Spionage, des Diebstahls und der illegalen Nutzung von Regierungseigentum. Washington verlangt von Hongkong die Auslieferung des IT-Experten.

23. Juni

Snowden, gegen den inzwischen ein Haftbefehl vorliegt, reist nach Moskau. Sein Reisepass wurde von den US-Behörden ungültig gemacht. Der ecuadorianischen Regierung liegt nach eigenen Angaben ein Asylantrag Snowdens vor. Washington warnt Moskau und Peking vor diplomatischen Konsequenzen.

1. Juli

Putin bietet Snowden ein Aufenthaltsrecht in Russland an, fordert aber, dass der Informant seine Aktivitäten gegen die USA einstellt. Nach Angaben der Plattform „Wikileaks“ hat Snowden in zahlreichen Ländern, darunter Deutschland, um politisches Asyl ersucht.

2. Juli

Mehrere Staaten lehnen Snowdens Asylantrag ab. Nach Ländern wie Deutschland, Österreich, Brasilien, Spanien und Polen erteilen ihm am Tag darauf auch Frankreich und Italien eine Absage.

21. Juli 2013

Das Bundesamt für Verfassungsschutz räumt ein, es teste ein NSA-Spähprogramm, setze es aber derzeit nicht ein. Der „Spiegel“ berichtet, der BND habe sich für eine laxere Auslegung deutscher Datenschutzgesetze eingesetzt, um den Austausch zu erleichtern.

1 .August

Snowden erhält vorläufiges Asyl in Russland und verlässt den Flughafen. Er darf nun ein Jahr lang im Land bleiben, sein russischer Wohnort wird aus Sicherheitsgründen geheimgehalten.

7. August

US-Präsident Barack Obama sagt ein für Anfang September geplantes Einzeltreffen mit Putin am Rand des St. Petersburger G-20-Gipfels wegen der Spannungen um Snowden ab.

31. Oktober

Unter strenger Geheimhaltung trifft der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele Snowden in Russland. Der Informant habe grundsätzliches Interesse, in Deutschland zur NSA-Spähaffäre auszusagen, sagt Stöbele anschließend.

Der Computerentwickler und Aktivist Jacob Appelbaum überbrachte eine Botschaft, die nach seinen Angaben von Snowden stammte. Mit ihm habe er „heute Abend“ kommuniziert. Snowden danke „allen, die sich an der Debatte beteiligt haben“. „Regierungen sind uns Rechenschaft schuldig für ihre Entscheidungen“, sagte er Appelbaum zufolge. Appelbaum hatte vor Bekanntwerden der Enthüllungen mit Snowden Kontakt, sein Interview druckte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Appelbaum rief die Anwesenden auf, über Erfahrungen mit staatlicher Überwachung aus der deutschen Geschichte zu sprechen. „Zeigen Sie, wie diese dunkleren Zeiten aussehen“, sagte er.

Der Journalist Glenn Greenwald, der eng mit Snowden zusammen arbeitet, bezeichnete ihn in einer Videobotschaft als Whistleblower „in der reinsten und nobelsten Form“. Er habe unter hohem persönlichen Risiko ein „unglaubliches Ausmaß an Fehlverhalten“ der US-Regierung öffentlich gemacht. Die Dokumentarfilmerin Laura Poitras, die mit Greenwald an den Snowden-Dokumenten arbeitet, war vor Ort.

Die USA suchen Snowden wegen Geheimnisverrats und Diebstahls von Regierungsdokumenten. Der ehemalige Mitarbeiter des Geheimdienstes NSA floh über Hongkong nach Moskau und lebt derzeit im Verborgenen in Russland.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Gast44

30.08.2013, 22:18 Uhr

Snowden hat die Auszeichnung wirklich verdient. Ohne ihn wäre die breite Öffentlichkeit immer noch unwissend. Es gibt
einige Leute denen schon früher vage die Machenschaften der NSA bekannt war (Stichwort Echelon) aber die ganze Dimension der Überwachung hat erst Snowden aufgedeckt.
Und wir wissen noch immer nicht Alles.
Wer weiss was da noch so aufgedeckt wird.
Er hat sein Leben für uns riskiert und lebt weiterhin unter der Bedrohung einfach umgebracht zu werden.
Wir alle sind ihm zu großem Dank verpflichtet.

@SANTOS: ich verstehe nicht warum Sie das schreiben.
Warum sind Sie gegen Aufklärung?
Verrat wäre es Namenslisten von Geheimagenten zu veröffentlichen oder miltärische Geheimnisse auszuplaudern.
Snowden ist aber kein Verräter; er hat ja nur persönliche Nachteile.

Account gelöscht!

30.08.2013, 22:58 Uhr

Glückwunsch an Snowden, für mich ist er ein Held.

Account gelöscht!

31.08.2013, 02:54 Uhr

Immerhin mehr verdient als Obama sein Nobelpreis...trotzdem Snowden könnte gern noch paar dicke Dinger rauslassen, solche wo unsere Regierung nicht anders kann als zu reagieren. Derzeit ist das Thema ja gegessen hier, da wird nichts mehr passieren.

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