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02.05.2012

07:56 Uhr

Ein Jahr nach Bin Ladens Tod

Obama kündigt Endphase im Krieg gegen den Terror an

Genau ein Jahr nach der Tötung von Osama bin Laden fliegt US-Präsident Obama nach Afghanistan. Er erklärt, die USA seien auf dem besten Weg, Al-Kaida zu zerstören. Nur Stunden später explodiert in Kabul eine Bombe.

US-Präsident Barack Obama während seiner Ansprache auf der Air Base in Bagram: „Wir können das Licht eines neuen Tages am Horizont sehen“. Reuters

US-Präsident Barack Obama während seiner Ansprache auf der Air Base in Bagram: „Wir können das Licht eines neuen Tages am Horizont sehen“.

KabulEin Jahr nach der Tötung von Terrorchef Osama bin Laden hat US-Präsident Barack Obama bei einem symbolträchtigen Afghanistan-Besuch die Endphase des Krieges angekündigt. Nach verlustreichen Jahren sei das Ziel, das Terrornetzwerk Al-Kaida zu besiegen, nun in greifbare Nähe gerückt, sagte Obama am frühen Mittwochmorgen in einer Rede, die im US-Fernsehen zur besten Sendezeit live übertragen wurde. „Wir können das Licht eines neuen Tages am Horizont sehen“, sagte der Präsident auf dem Luftwaffenstützpunkt Bagram: „Unser Ziel ist es, die Al-Kaida zerstören, und wir sind auf dem Weg, genau das zu tun.“

Wenige Stunden nach Obamas Abreise wurden in der Hauptstadt Kabul mindestens sechs Menschen bei einem Selbstmordanschlag getötet. Wie ein Sprecher des Innenministeriums mitteilte, zündete der Täter an einer der wichtigsten Durchgangsstraßen eine Autobombe. Dabei seien vier Zivilpersonen in einem Auto sowie ein Passant und ein Wachmann eines nahegelegenen Gebäudes getötet worden. Zu dem Anschlag bekannten sich die radikalislamischen Taliban. In dem Gebiet im Osten der Stadt waren mehrere Explosionen und Schüsse in der Nähe einer Unterkunft ausländischer Arbeiter zu hören.

Obama war am Dienstag unter hohen Sicherheitsvorkehrungen unangekündigt in Afghanistan eingetroffen. In Kabul unterzeichneten er und sein afghanischer Kollege Hamid Karsai ein strategisches Partnerschaftsabkommen, das die Rolle der Vereinigten Staaten in dem Land nach dem für 2014 geplanten Abzug der US-Truppen festschreibt. Der siebenstündige Aufenthalt Obamas war bis zuletzt streng geheim gehalten worden.

Ein Jahr nach Bin Ladens Tod

Video: Ein Jahr nach Bin Ladens Tod

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Mit Blick auf die Terroranschläge des 11. Septembers 2001 sagte der US-Präsident, nach einem Jahrzehnt der Konflikte im Ausland sei es nun an der Zeit für eine Erneuerung Amerikas. Unmittelbar nach der knapp 15-minütigen Rede trat Obama den Rückflug nach Washington an.

Ablauf der Anschläge vom 11. September 2001

08.38 Uhr

Die US-Luftfahrtbehörde FAA alarmiert die militärische Luftüberwachung NORAD, dass offenbar American Airlines Flug 11 von Boston nach Los Angeles entführt wurde.

08.46 Uhr

Der Flug AA 11, eine Boeing 767 mit 92 Menschen an Bord, schlägt im Nordturm des World Trade Centers ein. In der Fassade klafft einriesiges Loch, die oberen Stockwerke gehen in Flammen auf. Viele Menschen sind eingeschlossen, hunderte Rettungskräfte eilen zu dem Gebäudekomplex im Süden Manhattans.

09.03 Uhr

Eine zweite Boeing 767 von United Airlines mit 65 Menschen an Bord, die ebenfalls von Boston nach Los Angeles fliegen sollte, rast in den Südturm des World Trade Centers. Das Ereignis wird von Fernsehzuschauern rund um die Welt live verfolgt.

09.30 Uhr

US-Präsident George W. Bush, der eine Schule in Sarasota im Bundesstaat Florida besucht, tritt vor die Presse und sagt, das Land werde offenbar von Terroristen angegriffen.

09.37 Uhr

Eine Boeing 757 von American Airlines, unterwegs mit 64 Menschen von Washington nach Los Angeles, stürzt in das Pentagon und bringt einen Teil des Westflügels des Verteidigungsministeriums zum Einsturz.

09.45 Uhr

Die FAA schließt den Luftraum der USA, alle Flugzeuge müssen auf dem nächstgelegenen Flughafen landen. In Washington wird das Weiße Haus evakuiert.

09.59 Uhr

Der Südturm des World Trade Centers stürzt in einer gigantischen Staubwolke in sich zusammen. Hunderte Zivilisten und Rettungskräfte werden von den Trümmern verschüttet.

10.03 Uhr

Eine Boeing 757 von United Airlines mit 44 Menschen an Bord, die von New York nach San Francisco fliegen sollte, stürzt nahe Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania in ein Feld. Offenbar hatten Passagiere über Handy von den Anschlägen erfahren und sich gegen die Flugzeugentführer aufgelehnt.

10.28 Uhr

Auch der Nordturm des World Trade Centers stürzt ein. Über den Süden Manhattans legt sich eine dicke Schicht aus Schutt und Staub.

12.39 Uhr

Bush verspricht in einer weiteren Stellungnahme, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die US-Streitkräfte seien in die höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Anschließend wird der Präsident auf die Luftwaffenbasis Offutt im Bundesstaat Nebraska in Sicherheit gebracht.

13.50 Uhr

Der Bürgermeister von Washington, Anthony Williams, ruft für die US-Hauptstadt den Notstand aus.

15.35 Uhr

Ein US-Regierungsvertreter erklärt, dass das Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden verdächtigt werde, hinter den Anschlägen zu stecken.

17.20 Uhr

Ein Nachbargebäude der Zwillingstürme am World Trade Center stürzt ebenfalls ein. Das Hochhaus war durch herabfallende Trümmer schwer beschädigt worden.

20.30 Uhr

Der inzwischen ins Weiße Haus zurückgekehrte Bush wendet sich in einer im Fernsehen übertragenen Rede an die US-Bevölkerung. Darin kündigt er ein hartes Vorgehen gegen die Terroristen und diejenigen an, die den Drahtziehern der Anschläge Unterschlupf gewährt haben.

Obama bekräftige die Nato-Pläne, den Kampfeinsatz in den kommenden zweieinhalb Jahren zu beenden. „Wie unsere Koalition vereinbart hat, werden die Afghanen bis Ende 2014 voll verantwortlich für die Sicherheit ihres Landes sein“, sagte er. Ein früherer Abzug komme nicht infrage, weil dies erzielte Erfolge im Kampf gegen das Terrornetzwerk Al-Kaida gefährden könnte.

Kommentare (6)

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dadafiffi

02.05.2012, 08:45 Uhr

So so. Dieser imaginäre Krieg wird also beendet. Als Verlierer will man offenbar Afghanistan nicht verlassen, also muss der Sieg verkündet werden.
Die Bin Laden Saga, ein modernes Märchen für Schafe, wird dann auch beendet. Nun gut.
Was kommt jetzt dran? Wie wird man dem Iran eine Falle stellen? Sollen jetzt alle Kräfte dafür mobilisiert werden? Ich kann mir eine Kehrtwende der amerikanischen Machtpolitik nicht vorstellen.

Thomas-Melber-Stuttgart

02.05.2012, 09:03 Uhr

Das erinnert doch stark an GWBs "mission accomplished".

Account gelöscht!

02.05.2012, 10:34 Uhr

Wie sagte mein afghanisch-deutscher Freund schon im Frühjahr 2000(!) mit dem Hinweis auf einen nahenden Krieg da der CIA das Opium nicht mehr abnimmt - (also vor 9/11) -
"Man kann Menschen und ein Volk töten aber nicht deren Glauben."

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