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17.08.2012

04:18 Uhr

Ein Jahr nach Massaker

Norwegens Polizeichef tritt zurück

Kurz vor dem Urteil am Attentäter von Norwegen, tritt der Polizeichef des Landes zurück. Er zog die Konsequenz an massiver Kritik am Einsatz der Polizei. Die hätte den Terror zumindest teilweise verhindert können.

Öystein Maeland war nur ein gutes Jahr Polizeichef von Norwegen. Nun fehle ihm der politische Rückhalt. dpa

Öystein Maeland war nur ein gutes Jahr Polizeichef von Norwegen. Nun fehle ihm der politische Rückhalt.

OsloÖystein Maeland hatte sein Amt als Polizeichef nur Wochen vor den Attentaten des 22. Juli 2011 angetreten. Am Donnerstag zog er die Konsequenzen aus der Kritik einer unabhängigen Kommission an der Polizeiarbeit. Vor gut einem Jahr hatte der Rechtsextremist Anders Behring Breivik mit einem Bombenanschlag im Osloer Regierungsviertel und später mit Gewehrschüssen auf der Insel Utöya insgesamt 77 Menschen getötet.

Nach Erkenntnissen der Kommission hatte die Polizei genug Informationen, um Breivik auf seinem Weg auf die Insel zu stoppen. Außerdem hätte der Geheimdienst Breivik rechtzeitig auf die Spur kommen können, da dieser Teile zum Bombenbau zusammenkaufte, befand das Gremium.

Justizministerin Grete Faremor gab Maelands Rücktritt am Donnerstag während einer Fernsehdebatte bekannt. Maeland begründete seinen Schritt mit mangelndem politischen Rückhalt, wie die Nachrichtenagentur NTB unter Berufung auf eine Erklärung des bisherigen Polizeichefs berichtete.

Maeland hatte seinen Posten erst wenige Tage vor den Anschlägen vom 22. Juli 2011 angetreten. Sich des Vertrauens der Justizministerin sicher zu sein, sei für ihn „natürlich entscheidend“ dafür, ob er seine Funktion weiter ausüben könne, teilte er laut NTB mit. Wenn dies nicht gegeben sei, werde es für ihn „unmöglich, die Arbeit fortzusetzen“. Maeland trat mit sofortiger Wirkung vom Amt des norwegischen Polizeichefs zurück.

Am Montag hatte eine von der Regierung eingesetzte Kommission der Polizei Versäumnisse während des Doppelanschlags attestiert. Sie kam zu dem Schluss, dass die Beamte Einsatzregeln missachtet und zu langsam gehandelt haben. Ihrer Ansicht nach hätte Breivik bei einem schnelleren und organisierteren Handeln früher gestoppt werden können. Die Medien warfen der Polizei daraufhin vor, in ihren eigenen Untersuchungen die Wahrheit vertuscht zu haben.

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Der Rechtsextremist Breivik hatte am 22. Juli 2011 zunächst im Regierungsviertel von Oslo mit einer Autobombe acht Menschen getötet. Anschließend erschoss er in einem Jugendlager der regierenden Arbeiterpartei auf Utöya 69 Menschen.

Das Urteil gegen Breivik soll am Freitag in einer Woche verkündet werden. Ihm drohen eine lange Haftstrafe oder eine Einweisung in die Psychiatrie - je nachdem, ob ihn das Gericht für schuldfähig befindet oder nicht. Breivik hat zwar die Anschläge gestanden, plädierte aber auf nicht schuldig. Er gab an, aus „Notwehr“ getötet zu haben, um Norwegen vor einer vermeintlichen Islamisierung zu schützen.

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Kommentare (1)

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Dummer_Mensch

17.08.2012, 07:06 Uhr

Die Annahme, dass Mordanschlaege von verrueckten Einzeltaetern in irgendeiner Weise vorhersehbar oder verhinderbar waeren ist absurd und gruendet auf dem Unverstaendis der Menschen, die es nicht wahrhaben koennen, dass es keine 100% Sicherheit gibt. Nachgekartel ist genauso wahnsinnig wie Schuldzuweisungen. Diese Taten gab es schon immer und wird es auch immer geben. Dumme Politiker, die Aktionismus mit Verbesserung verwechseln widern mich an. Die, die den Mund jetzt aufmachen, sollen nicht dumm daherreden, sondern in den Polizeidienst wechseln und Veraenderungen aktiv bewirken. Nach einer in dem Land erstmaligen Anschlagsserie auf "unzureichendes Handeln" zu pochen ist primitiv.

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