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20.01.2011

22:20 Uhr

Ein Staat im Elend

Wie Papa und Baby Doc Haiti brutal ausplünderten

VonKlaus Ehringfeld

Erst Papa Doc, dann Baby Doc, schließlich noch Aristide - die haitianischen Präsidenten zeichneten sich in Ihrem Amt in erster Linie durch Unterdrückung und Raffgier aus. Die traurige Geschichte einer bitterarmen Insel.

Jean-Claude Duvalier: Gegen den Ex-Diktator erhoben Haitis Behörden nun Anklage. DAPD

Jean-Claude Duvalier: Gegen den Ex-Diktator erhoben Haitis Behörden nun Anklage.

MEXIKO-STADT. Es sind 7,2 Millionen Dollar. Was könnte man damit in Haiti alles machen: Häuser und Schulen wieder aufbauen, Kinder aus der Sklaverei befreien. Ärzte und Lehrer ausbilden.

Nun scheint das Geld, gerafft und geraubt von Jean-Claude Duvalier, den Menschen in Haiti tatsächlich noch zugute zu kommen. Denn am 1. Februar tritt in der Schweiz das neue Gesetz zur Rückgabe rechtswidrig erlangter Vermögen in Kraft. Damit wird der Weg frei, um Haiti jene sieben Millionen Franken (7,2 Millionen Dollar) zu überweisen, die "Baby Doc" Duvalier nach seiner Flucht vor 25 Jahren in der Schweiz deponierte. Jahrelang war das Geld eingefroren, aber nun will es die Regierung in Bern nach Haiti zurücküberweisen. Und gegen den überraschend zurückgekehrten Ex-Diktator ist in Haiti am Mittwoch Anklage erhoben worden - wegen Korruption, Untreue und Amtsmissbrauchs.

Jean-Claude Duvalier und zuvor sein Vater Francois herrschten in dem Karibikstaat von 1957 bis 1986 in Form einer "Erb-Diktatur". Die Gewaltherrschaft der beiden trug wesentlich zu Haitis Rückständigkeit bei. Die Diktatoren und ihre Entourage ließen nicht nur durch ihre Privatarmee "Tontons Macoutes" Zehntausende töten, sie plünderten auch das Land aus, während Demokraten und die Intelligenzia die Flucht ins Ausland antraten.

Am 7. Februar 1986 flogen die USA ihren Schützling Jean-Claude Duvalier und seinen Clan aus dem Land, nachdem Frankreich sich bereiterklärt hatte, ihn aufzunehmen. Im Gepäck hatte die Diktatoren-Familie eine Summe, die sich irgendwo zwischen 120 Millionen und 900 Millionen Dollar bewegt. Jean-Claude Duvalier besaß Konten in der Schweiz, in den USA sowie in mehreren Steueroasen. Zudem hatte der Clan Wohnungen an den exklusivsten Adressen in Paris und New York.

Während Jean-Claude als gerade einmal 34-jähriger Diktator im Ruhestand das geklaute Geld an der Côte d'Azur verprasste, versank Haiti immer weiter im Elend und wurde das, was es schon vor dem Erdbeben vor einem Jahr war: Ein vergessenes und verlorenes Stück Erde, in dem die Menschen an Hunger und Krankheit sterben - kaum fünfhundert Kilometer von Miami entfernt.

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