Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.12.2014

19:03 Uhr

Eindeutiges Wahlergebnis

Essebsi gewinnt Präsidentenwahl in Tunesien

Der Favorit gewinnt: Beji Caid Essebsi hat die Präsidentenwahl in Tunesien deutlich für sich entscheiden können. Damit wird ein 88-Jähriger der neue Präsident. Seine Vergangenheit ist allerdings wenig schmeichelhaft.

Freie Wahlen in Tunesien

Essebsi erklärt sich zum Wahlsieger

Freie Wahlen in Tunesien: Essebsi erklärt sich zum Wahlsieger

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

TunisIn Tunesien hat der langjährige Regierungspolitiker Beji Caid Essebsi die erste freie Präsidentenwahl gewonnen. Das am Montag veröffentlichte amtliche Ergebnis zeigt einen deutlichen Sieg. Demnach erhielt der 88-Jährige 55,68 Prozent der Stimmen, während Amtsinhaber und Moncef Marzouki lediglich 44,32 Prozent erreichte.

Fast vier Jahre nach dem Sturz des autokratischen Machthabers Zine El-Abidine Ben Ali galt die Wahl als letzter Schritt der Demokratisierung des nordafrikanischen Landes, in dem der sogenannte Arabische Frühling seinen Anfang nahm. Doch Kritiker stoßen sich daran, dass der ehemalige Parlamentspräsident Essebsi früher Weggefährte Ben Alis war.

In der südtunesischen Stadt Hamma kam es zu Protesten, nachdem sich Essebsi bereits am Sonntagabend zum Sieger der Stichwahl erklärt hatte. Einwohner der Stadt berichteten von Hunderten von meist jungen Demonstranten, die ihrem Ärger Luft machten. Sie hätten Reifen in Brand gesetzt. Die Polizei habe Tränengas eingesetzt und mehrere Jugendliche festgenommen. „Alle Geschäfte sind geschlossen. Sie skandieren 'Nein zum alten Regime'“, sagte ein Einwohner.

Auch Konkurrent Marzouki, seit der Revolution 2011 Interimsstaatschef, hatte vor einem Rückschlag für die hart erkämpften Reformen bei einem Comeback von Vertretern der alten Führung gewarnt. Essebsi hingegen betonte stets, er sei der Technokrat, den Tunesien nun brauche nach den chaotischen Jahren einer von Islamisten geführten Regierung. Der Präsident hat nur eingeschränkte Befugnisse etwa in der Außen- und Verteidigungspolitik.

Die Bundesregierung gratulierte Essebsi zum Wahlsieg. Außenminister Frank-Walter Steinmeier attestierte dem Land zugleich große Fortschritte seit der Revolution. „Die verantwortlichen politischen Kräfte Tunesiens haben in den vergangenen Jahren eine große politische Reife gezeigt und das Wohl des Landes und seiner Menschen über parteipolitische Interessen und ideologische Lager gestellt“, erklärte Steinmeier.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×