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11.03.2006

14:26 Uhr

Eine Chronologie

Milosevic: Vom Präsidentenpalast ins Kriegsverbrechergefängnis

Noch 1995 war Slobodan Milosevic als mächtigster Mann Jugoslawiens ein international akzeptierter Gesprächspartner. Im Februar 2002 begann nach seiner Auslieferung der Prozess gegen ihn vor dem UN-Tribunal in Den Haag.

HB HAMBURG. Dort musste sich der Serbe wegen Verbrechen in den Kriegen um Kroatien (etwa 10 000 Tote), Bosnien (250 000) und dem Kosovo (5000) verantworten. Hier die Stationen seines Lebens vom Präsidentenpalast in die Gefängniszelle.

21. November 1995: Sechs Wochen nach einem Waffenstillstand stimmt Milosevic in Dayton (US-Bundesstaat Ohio) einem Friedensvertrag für Bosnien-Herzegowina zu, den der US-Diplomat Richard Holbrooke vermittelt hatte. Nach vier Jahren des von ihm geschürten Krieges erklärte er: Nur Frieden ist ein Sieg.

17. November 1996: Bei den Kommunalwahlen in Serbien siegt die Opposition in den meisten größeren Städten. Weil das Ergebnis zunächst auch gerichtlich nicht anerkannt wird, demonstrieren 88 Tage lang tausende Menschen. Als Milosevic Anfang 1997 auf Druck der OSZE einlenkt, zerbricht das Oppositionsbündnis.

15. Juli 1997: Milosevic lässt sich zum Präsidenten ganz Jugoslawiens wählen, weil eine weitere Amtszeit an der Spitze Serbiens unzulässig ist.

28. Mai 1998: In der Provinz Kosovo, der 1990 die Selbstverwaltung genommen wurde, kommt es vermehrt zu tödlichen Auseinandersetzungen zwischen Albanern und der serbischen Polizei. Die Europäische Union und die UN reagieren mit Boykottmaßnahmen gegen Belgrad; Russland und Holbrooke versuchen zu vermitteln.

24. März 1999: Die NATO beginnt nach gescheiterten Verhandlungen mit 79 Tage dauernden Luftangriffen gegen Serbien. Anfang Juni lenkt Milosevic ein und stimmt einem Friedensplan für das Kosovo zu. Das serbische Militär wird abgezogen, eine von der NATO geführte internationale Friedenstruppe rückt nach.

27. Mai 1999: Noch während der NATO-Operation Alliierte Kraft wird Milosevic als Kriegsverbrecher vom UN-Tribunal angeklagt.

24. September 2000: Milosevic verliert die Präsidenten-Wahl und will den Sieg von Vojislav Kostunica nicht anerkennen. Erst Straßenproteste, die sich Anfang Oktober zu einem Volksaufstand ausweiten, beenden die Ära Milosevic.

01. April 2001: Milosevic wird in seinem Haus unter dem Vorwurf des Machtmissbrauchs festgenommen und in ein Belgrader Gefängnis eingeliefert.

Am 28. Juni 2001: Der serbische Premier Zoran Djindjic lässt ihn an das Haager Tribunal überstellen. Am 12. Februar 2002 beginnt die mündliche Verhandlung vor dem Tribunal. Milosevic ist wegen Völkermords angeklagt, er verteidigt sich selbst. Im Laufe des Verfahrens stellt ihm das Gericht gegen seinen Willen Pflichtverteidiger zur Seite.

Am 24. Februar 2006 lehnt das UN-Tribunal einen Antrag der Milosevic-Verteidiger ab, den mittlerweile 64-Jährigen in einer Moskauer Spezialklinik behandeln zu lassen. Milosevic leidet seit langem unter hohem Blutdruck und klagt über heftige Kopfschmerzen und Druck in den Ohren.

Am 11. März 2006 wird Milosevic leblos auf dem Bett in seiner Zelle im UN-Gefängnis aufgefunden.

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