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21.11.2012

08:33 Uhr

Einfluss von Islamisten

Ägyptens neue Verfassung birgt viel Zündstoff

Seit die Islamisten ihren Entwurf für eine neue ägyptische Verfassung vorgelegt haben, befinden sich die Intellektuellen des Landes in einer Art Schockstarre. Die Salafisten rufen nach der Scharia.

Aus Sicht der Liberalen ist der aktuelle Verfassungsentwurf der erste Schritt auf dem Weg zum Gottesstaat. dapd

Aus Sicht der Liberalen ist der aktuelle Verfassungsentwurf der erste Schritt auf dem Weg zum Gottesstaat.

Kairo „Wir wollen die Anwendung der Scharia“, riefen unlängst Tausende von Angehörigen der radikalen Salafisten-Bewegung auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Dass sich die Frömmler mit ihrer Forderung nach der Einführung des islamischen Rechts durchsetzen, ist zwar unwahrscheinlich. Doch der Entwurf für die neue Verfassung Ägyptens birgt auch so genügend Sprengstoff.

Von den insgesamt 100 Mitgliedern des Verfassungskomitees haben inzwischen 30 das Gremium unter Protest verlassen. Sie werfen den Muslimbrüdern und den Salafisten vor, sie ignorierten alle Änderungswünsche aus ihren Reihen. Die Islamisten haben in dem Komitee die Mehrheit.

Die neue Verfassung beschneidet in ihrer aktuellen Fassung nach Ansicht von Juristen die Machtbefugnisse der Justiz. Sie ermahnt die Frauen, ihre Rolle am Herd nicht zu vernachlässigen und verschafft den islamischen Religionsgelehrten des Azhar-Instituts Zugang zum Gesetzgebungsprozess.

War die Scharia in der alten Verfassung nur als wichtigste Grundlage der Gesetzgebung erwähnt, so findet sich in dem neuen Entwurf, der am 24. Oktober vorgestellt worden war, auch ein Hinweis auf die „Sunna“ (die Überlieferung über das Leben des Propheten). Christen und säkulare Ägypter befürchten deshalb, dass man auch sie künftig zwingen will, nach dem Vorbild des Propheten Mohammed zu leben.

Außerdem sollen die Azhar-Gelehrten künftig entscheiden, welche Interpretation der religiösen Texte zur Anwendung kommt. Aus Sicht der Liberalen ist das der erste Schritt auf dem Weg zum Gottesstaat. „Die Al-Azhar-Gelehrten können genauso korrupt sein wie jede andere Institution in diesem fantastisch korrupten Gebilde, das man den ägyptischen Staat nennt“, warnte der Aktivist Mahmud Salim diese Woche in einem Artikel mit der Überschrift „Nieder mit der Scharia in der Verfassung“.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

21.11.2012, 09:23 Uhr

Vom Regen in die Traufe.....eine einst mysteriöse Hochkultur ....wie soll man es ausdrücken um das Wort Amöbe zu vermeiden?

Account gelöscht!

21.11.2012, 11:41 Uhr

1. darf man diesen Reformprozess nicht nach westlichen Maßstäben messen und
2. steckt der Reformprozess gerade in seinen Kinderschuhen und man sollte nicht erwarten, dass nach der Revolution urplötzlich eine lupenreine Demokratie folgt.
Soetwas braucht Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte.
Auch der Westen hat soetwas nicht über Nacht geschaffen.

elly

21.11.2012, 12:10 Uhr

@AS1 sehe ich auch so!
Allerdings bin ich der Meinung, dass in unserer Zeit endlich offen über den Einfluss von Religionen debattiert werden sollte.
Warum z.B. herrscht bei Islamgläubigen so viel Gewalt gegen anders Gläubige oder gar keine Gläubige?

Ja auch in Europa hat es lange gedauert bis der Einfluss der Kirche zurückgestutzt wurde.
Nur da gab es noch keine modernen Medien!

Heute hat so ziemlich jeder, auch in den arabischen Staaten, ein Handy und einen Rechner mit dem er ins Internet kann! Somit kann sich jeder über die Ereignisse rund um den Globus auf dem Laufenden halten.

Da sollten doch Hassprediger keine Chance haben - sollte man meinen!!!
Aber sie finden Gehör, weil die Masse davon überzeugt ist, dass das, was ihre Prediger von sich geben, stimmen muss! Kommt es doch von "oben"!

Nur "oben" war noch keiner der auch wieder zurückkam um das zu bestätigen. Es ist und bleibt Glaube!!!!

Ich sehe "oben" ein unendliches Universum und ich weiss, dass wir alle irgendwie von dort kommen!
Nicht mehr und nicht weniger!

Ich hoffe für die Ägypter, dass sie endlich nach den Maßstäben der Freiheit leben dürfen und nicht unter dem Diktat von Fanatikern.
Da hätten sie keine Proteste vom Zaun brechen müssen um das Gleich zu bekommen, nur unter einem anderen Mäntelchen!

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