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05.12.2013

09:23 Uhr

Einkommensschere in den USA

Der amerikanische Traum ist tot

VonAxel Postinett

Wer reich ist, bleibt reich. Wer arm ist, bleibt arm. Das Amerika von heute hat für Präsident Barack Obama ein fundamentales Problem, das sogar zur Gefahr für die Demokratie werden könnte.

Barack Obama: „Wir haben eine hohe Zahl weißer Familien, die obdachlos sind.“ dpa

Barack Obama: „Wir haben eine hohe Zahl weißer Familien, die obdachlos sind.“

San FranciscoFür US-Präsident Barack Obama ist es wie der perfekte Sturm: Das Zusammenspiel aus extremer Ungleichheit bei den Einkommen und gesunkenen Chancen aus der Armut aufzusteigen, seien eine fundamentale Bedrohung für den „amerikanischen Traum“, erklärte er am Mittwoch im Center for American Progress im Südosten Washingtons. Eine Region, in der 45 Prozent der Bewohner unterhalb der Armutsgrenze leben. Was in den 70er Jahren noch gestimmt habe, so Obama, sei heute praktisch Utopie: „Einkommensungerechtigkeit und das Fehlen von Aufstiegschancen haben die klassischen Werte des Mittelstands zerstört“, fürchtet Obama. Sie lauteten: „Wer hart genug arbeitet, der hat die Chance voranzukommen.“

Das sieht heute anders aus. Wer reich ist, der bleibt reich und wer arm ist, arm. „Für ein Kind, das in die oberen 20 Prozent hineingeboren wird, stehen die Chancen an der Spitze zu bleiben bei zwei zu drei“, so Obama. Aber nur eines von 20 Kindern in den USA, die in die unteren 20 Prozent geboren werden, bekäme eine Chance aufzusteigen. Was die soziale Mobilität angehe, die Durchlässigkeit der sozialen Schichten, lägen die USA mittlerweile klar hinter Ländern wie Kanada, Frankreich und Deutschland zurück.

Nach der Krise ist vor der Krise

Wie geht es an den Börsen weiter?

Anleger haben den Haushaltsstreit abgehakt – vorerst. Trotz der Freude über die Übergangslösung in letzter Minute hätten viele Anleger bereits die künftige Entwicklung im Blick, erklärt Experte Desmond Chua von CMC Markets: „Der Kompromiss bringt nur wenig Zeit, bevor es erneut zu einem Debakel kommen kann.“ Das fröhliche Treiben an den Börsen werde fortgesetzt, die Probleme ausgeblendet, meint Analyst Sebastian Sachs vom Bankhaus Metzler. Die Frage ist nur, wie lange noch. Aus Sicht des Ökonomen Torsten Schmidt vom Essener Forschungsinstitut RWI sind Verbraucher und Investoren bereits nachhaltig verunsichert.

Sind die Probleme gelöst?

Der Kompromiss zur Entschärfung des US-Finanzstreits ist keine Dauerlösung. Die Erhöhung der gesetzlichen Schuldengrenze, ohne die der Supermacht das Geld ausgegangen wäre, stellt die Finanzierung nur bis zum 7. Februar sicher. Der Übergangshaushalt, der die öffentliche Verwaltung am Laufen hält, ist sogar nur bis zum 15. Januar gültig. Dann droht erneut der Stillstand. Das heißt: Schon in den nächsten Wochen müssen sich Republikaner und Demokraten auf eine längerfristige Lösung einigen. Die Fronten bleiben jedoch verhärtet, so dass der Stress für die Anleger schon bald wieder losgehen wird.

Wie lange reicht die Geduld der Investoren?

Trotz Einigung in letzter Minute – die Supermacht ist angezählt. „Der Schaden für die USA und ihre Glaubwürdigkeit ist beträchtlich“, meint Chefanalyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. „In den kommenden Tagen und Wochen wird die Diskussion aufkommen, ob die USA noch uneingeschränkt als Hort der Sicherheit einzuschätzen sind – und das zu Recht“, sagt auch Metzler-Experte Sachs. Sollte das Vertrauen in amerikanische Anlagen schwinden, hätte das auch erhebliche Folgen für deutsche Sparer.

Was bedeutet das für Lebensversicherungen?

Das Geld der Lebensversicherungen steckt vor allem in festverzinslichen Wertpapieren mit guter Bonität, beispielsweise deutschen Staatsanleihen oder US-Bonds. Sollten ernsthafte Zweifel an der Zuverlässigkeit der USA aufkommen, müssten sich die Lebensversicherer von den US-Anleihen trennen. Bei einer Flucht der Investoren in Bundesanleihen würden deren ohnehin schon mickrigen Renditen aber noch weiter sinken. Das dürfte den Druck auf die Lebensversicherer weiter verstärken. Viele Anleger erhalten bereits heute weit weniger Geld als sie sich ursprünglich beim Abschluss ihres Vertrages erhofft hatten.

Was steht Sparern bevor ?

Das Sparbuch wirft so gut wie nichts mehr ab, weil die Notenbanken die Zinsen auf Rekordtiefstände gesenkt haben. Mit ihrer Geldflut wollen die Währungshüter die Konjunktur ankurbeln. Ein rascher Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes ist angesichts der schwachen Konjunktur in Europa kein Thema. Bei der US-Notenbank könnte sich der geplante Anfang vom Ende des Billiggelds wegen der Folgen des Haushaltsstreits verzögern. „Die Fed muss nun erst einmal abwarten. Das wird für neue Unsicherheit an den Weltmärkten sorgen“, meint Henrik Enderlein von der Hertie School of Governance. Die Ratingagentur Standard and Poor's (S&P) schätzt den ökonomischen Schaden durch den zweiwöchigen Zwangsurlaub in der öffentlichen Verwaltung auf 24 Milliarden Dollar. Erste Ökonomen haben bereits die Konjunktur-Prognosen für die USA gesenkt.

Erica Kisch von der Familienhilfe Compass in San Francisco kennt das Problem aus erster Hand. „Die Wartelisten für eine Notunterkunft für obdachlose Familien hier haben einen Rekordstand erreicht“, erklärt sie gegenüber dem Handelsblatt. Bis zu sieben Monate dauere es, bis ein Platz gefunden werde. Obdachlos bedeutet dabei noch lange nicht arbeitslos: „Ein alleinerziehender Elternteil mit zwei Kindern müsste in San Francisco drei Vollzeit-Mindestlohnstellen haben, um nur Miete und dringendste monatliche Kosten zu decken.“ Mit anderen Worten: einen 24-Stunden-Arbeitstag.

Obamas Rede kommt zu einem Zeitpunkt, in dem die Popularität des Präsidenten auf neue Tiefststände gefallen ist. Das Debakel um die Online-Versicherungsbörse healthcare.gov, Millionen Amerikaner, die ihre Krankenversicherungen verloren haben, die NSA-Spitzelaffäre, all das hat seinen politischen Stern sinken lassen. Politische Beobachter sehen in den jüngsten Äußerungen einem Versuch, für den Rest seiner Amtszeit den stärkeren Schulterschluss mit seiner liberalen Stammwählerschaft zu suchen. Konkret fordert der Präsident eine Schließung von Steuerschlupflöchern, die es attraktiv machen Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern und höhere Investitionen in Infrastruktur wie marode Straßen und Brücken. Außerdem will er Verbesserungen im Schulsystem und eine Vorschulausbildung für alle Kinder. „Das“, so die Chefin der Non-Profit-Organisation Compass, Kisch, „ist besonders wichtig.“ In den USA bekämen arme Kinder in armen Stadtteilen auch nur eine schlechte Schulbildung. In armen Stadtteilen gibt wenig Grundsteueraufkommen, von denen ein Teil in das Schulsystem fließt. Ohne gute Bildung wiederum gibt es keine Jobs und keinen Aufstieg. „Das ist ein Teufelskreis“, so Kisch.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

05.12.2013, 09:39 Uhr

Erzaehlt dieser Mann nicht seit 5 Jahren das gleiche?
Da wird auch in den naechsten Jahren keine Anderung auftreten. Und wenn man weiss, dass man die Republikaner ( Tea Party ) gegen sich hat, sollte man vielleicht etwas geschickter und weniger radikal vorgehen.
Und was die anderen Ziele betrifft, die Verschuldung steigt weiter ( http://de.statista.com/statistik/daten/studie/165786/umfrage/staatsverschuldung-der-usa-in-relation-zum-bruttoinlandsprodukt-bip/ ), die Krankenversicherung war eine Pleite, Guantanamo gibts immer noch und die NSA Affaere wollen wir auch nicht vergessen. Und dieser Mann kriegt auch noch den Friedensnobellpreis

SiEiAi

05.12.2013, 09:41 Uhr

Der Mann ist eine einzige Enttäuschung !
Und der Friedensnobelpreis ist jetzt auch nichts mehr Wert.

Mancher wollte Maler werden,
und bracht's zum Pinsel nur auf Erden.

Deutsches Sprichwort

Account gelöscht!

05.12.2013, 09:53 Uhr

Das Problem heißt nicht, die Armen haben weniger als die Reichen. Das Problem heißt, die Armen haben zuwenig für ein materiell befriedigendes Leben.

Der Unterschied ist wichtig: Die falsche Problematik zielt ab auf Neid und Mißgunst. Das ist allerdings eine subjektive Empfindung; ein Millionär mit einer 10 m Motorjacht könnte entsprechend auch noch jammern, daß sein Nachbar eine Jacht mit 15 m hat.

Das wahre Problem ist viel gravierender. Im langfristigen Trend wird immer weniger menschliche Arbeitskraft, speziell für einfache Tätigkeiten, benötigt. Das ist nicht leicht zu lösen und wird böse Folgen haben, wenn die Politik hier nicht bald sachgerechte Lösungen sucht.

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